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Freuen sich über die Kooperation zwischen Gesundheitszentrum und der Niddaer Maria Soell GmbH, die Schutzkittel herstellt (v. l.): Dirk M. Fellermann, Reinhold Merbs, Stefan Steinmeier, Sabine Steinmeier und Timo Neeb.

Corona-Pandemie

Gesundheitszentrum Wetterau sorgt mit „Corona-Lager“ vor

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Zu Beginn der Pandemie konnte der Bedarf an Desinfektions- und Schutzmaterial wochenlang nicht gedeckt werden. Nun setzt das Gesundheitszentrum Wetterau auf eine lokale Kooperation und ein internes Pandemielager.

Bad Nauheim – Es war eines der bewegenden Themen aus den Anfangswochen der Corona-Pandemie: die explosionsartig gestiegene Nachfrage nach Desinfektions- und Schutzmaterial, die erst nach Wochen befriedigt werden konnte. Im Gesundheitszentrum Wetterau (GZW) hat man zwei Konsequenzen gezogen: die Vereinbarung einer Kooperation mit einem regionalen Unternehmen, der Maria Soell GmbH mit Sitz in Nidda-Eichelsdorf, das Schutzkittel herstellt, und - in Absprache mit dem Wetteraukreis - den Aufbau eines internen Pandemielagers zur Bevorratung mit persönlicher Schutzausrüstung.

Gesundheitszentrum Wetterau: Lokale Kooperation und Aufbau eines internen Pandemielagers

»Vorratshaltung für den Krisenfall ist seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges Standard in Deutschland und Europa, man denke nur an die in den 1980er Jahren viel diskutierten ›Butterberge‹ und ›Milchseen‹. Auch für medizinischen Bedarf hat der Katastrophenschutz stets gesorgt, allerdings unter Bedingungen, die immer fragwürdig waren und längst nicht mehr zeitgemäß sind«, heißt es in einer Pressemitteilung des GZW, in der Dr. Reinhold Merbs, Leiter des Wetterauer Gesundheitsamtes, Folgendes erläutert: »Alle drei Jahre haben wir in die medizinischen Vorratslager reingeschaut, alles entsorgt, dessen Haltbarkeitsdatum abgelaufen war, und für viel Geld Ersatz beschafft. Von diesem Prinzip wollte der Wetteraukreis schon lange wegkommen.«

Merbs’ Interessen trafen sich 2020 mit denen des GZW, das seit Jahren aus wirtschaftlichen und Platzgründen seine Verbrauchsmaterialien direkt, wenn sie gebraucht werden, von einem Logistikzentrum bezieht.

Corona-Pandemie: Bedarf an Hygiene- und Schutzausrüstung konnte nicht gedeckt werden

Mit der Pandemie stieg der Bedarf an Schutzausrüstung rapide. Weil aber die weltweite Produktion von OP- oder FFP2-Masken, Einweghandschuhen und Desinfektionsmitteln ebenso wie von gängigen Arzneimitteln durch internationale Konzerne weitgehend aus Europa heraus in Niedriglohnländer verlagert worden sei und den Erdball umspannende Lieferketten nur begrenzt flexibel seien, sei die Materialbeschaffung plötzlich zu einer logistischen Herausforderung geworden, heißt es vonseiten des GZW.

»Auf zusätzliche Lieferungen mussten wir lange warten, die Kosten explodierten. Der Preis für Einmalhandschuhe hat sich in der ersten Welle nahezu verzehnfacht und bleibt auf hohem Niveau, weil die Handschuhe fast ausschließlich in Malaysia produziert werden. Schutzkittel kosteten plötzlich fünfmal so viel, waren teilweise gar nicht mehr zu haben oder nur in schlechter Qualität«, schildert Timo Neeb, Leiter Einkauf im GZW. In tagelangen Telefonaten fand er nach dem ersten Lockdown im Frühjahr einen Lieferanten, der Einmalhandschuhe zu einem vertretbaren Preis anbietet.

Die Wetterau wappnet sich: Alle drei GZW-Häuser haben nun internes Pandemielager

Inzwischen gibt es in jedem der drei GZW-Akuthäuser ein internes Pandemielager mit Einmalhandschuhen, Mund- und-Nasen-Schutz Typ 2R, FFP2-Masken, Schutzkitteln, Flächen- und Händedesinfektionsmitteln sowie Abstrichtupfern für PCR-Tests, die laut GZW den Regelbedarf für ein halbes Jahr decken. »Im Ernstfall hätten wir also mehrere Monate Zeit, uns höhere Liefermengen dieser Schutzausrüstung zu sichern. Gleichzeitig sind die Mengen so bemessen, dass wir sie nach dem Prinzip ›first in - first out‹ durch kontinuierlichen Austausch verbrauchen können, ohne an Haltbarkeitsgrenzen zu stoßen«, erläutert Neeb.

Gesundheitszentrum Wetterau: Lokale Kooperation mit Firma aus Nidda, die Schutzkittel herstellt

Parallel zum internen Pandemielager hat das GZW die Kooperation mit der Maria Soell GmbH zur Schutzkittelproduktion initiiert. Das Familienunternehmen aus Nidda ist ein fast 100 Jahre alter Hersteller unter anderem von beschichteten Vliesen und kann auf eine langjährige Zusammenarbeit mit Kunden aus dem Medizinsektor verweisen. Seit einem Jahr produziert es nun auch zertifizierte Schutzkittel der qualitativ hochwertigen Kategorie III, die geeignet sind für besonders schutzwürdige Bereiche, und beliefert das GZW nach Bedarf. Bei einem Treffen bedankte sich GZW-Geschäftsführer Dr. Dirk M. Fellermann bei Stefan Steinmeier, Geschäftsführer der Maria Soell GmbH, für die Zusammenarbeit

Steinmeier erläuterte: »Bei Maria Soell arbeiten wir gerade daran, unsere Schutzkittel mit antiviralen Beschichtungen zu versehen. Außerdem planen wir eine Teilautomatisierung unserer Produktion mit geschweißten Nähten. Das GZW mit seinem professionellen Hygienemanagement hat sich bereit erklärt, gemeinsam mit uns die Kittel bis zur Serienreife zu testen.« (pm)

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