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Gut einen Meter hoch ist das Elvis-Abbild, das Konditormeister Edgar Odenkirchen aus zehn Kilogramm Schokoladenmasse gegossen hat. Die Figur steht zum Verkauf, der Preis ist Verhandlungssache.

Edgar Odenkirchen

Preis ist Verhandlungssache: Konditormeister aus Bad Nauheim kreiert Schoko-Elvis

  • Bernd Klühs
    VonBernd Klühs
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Konditormeister Edgar Odenkirchen aus Bad Nauheim ist ein Spezialist für handgemachte Schokolade. Auch zum 19. Europäischen Elvis-Festival hat er etwas Neues kreiert.

Bad Nauheim – Ein ausgewiesener Elvis-Fan ist Edgar Odenkirchen nicht, auch wenn er viele Lieder des King of Rock ’n’ Roll mag. Trotzdem ist der Konditormeister aus Bad Nauheim jemand, der die Anhänger des Weltstars Jahr für Jahr mit neuen Kreationen aus seinem »Schokoladenlabor« beglückt. Ob Torten, Pralinen oder essbare Bilderrahmen - Elvis sticht dem Kunden der Confiserie Odenkirchen in der Parkstraße sofort ins Auge. »Seit etwa 17 Jahren lasse ich mir immer etwas Neues einfallen«, sagt der 72-Jährige, der sich übers Aufhören noch keine Gedanken macht.

2021 ist dem Schokoladen-Experten, bei dem alle Produkte handgefertigt sind, die zündende Idee erst sehr spät gekommen - am Mittwoch vor dem Festival. Seit geraumer Zeit war das berühmte Foto von Elvis, der am Geländer der Usa-Brücke lehnt, im Besitz Odenkirchens.

Bad Nauheimer hatte Idee erst kurz vor Elvis-Festival-Auftakt

»Die beiden Mädchen, die für die Bronzestatue Spenden gesammelt haben, waren bei mir. Sie wollten eine Sammelbüchse in meinem Laden aufstellen.« Bei den »Mädchen« handelt es sich um Meike Berger und Angela Storm, deren Initiative von Erfolg gekrönt war: Am Freitag wurde Bronze-Elvis eingeweiht.

Damals ließen sie in der Confiserie nicht nur die Sammeldose zurück, sondern auch einen Abzug des Elvis-Bildes. Lange hatte der Konditor dafür keine Verwendung. Erst als das Elvis-Statuen-Projekt in die Zielgerade einbog, erinnerte sich der 72-Jährige an das Foto. Zunächst wollte er daraus nur einen großformatigen Abzug herstellen und auf Pappe kleben. Die Aufnahme sollte vor dem Eingang des Geschäfts stehen, um die Fans auf die Elvis-Produkte in der Confiserie hinzuweisen.

Kurz vor dem Festival-Start hatte Odenkirchen den Einfall, den am Geländer lehnen Elvis in Uniform aus Schokoladen-Masse nachzubilden. »Am Mittwoch habe ich mit der Arbeit begonnen, am Donnerstag wurde die Figur auf einer Holzplatte gegossen, am Freitagmorgen folgte der Feinschliff«, erzählt der Konditor. Gerade noch rechtzeitig zur Eröffnung der drei Bad Nauheimer Elvis-Tage lag der gut ein Meter hohe »King« aus weißer und Vollmilch-Schokolade im Schaufenster.

Zehn bis zwölf Stunden Arbeit hat der Meister in das Werk investiert. Zunächst musste Elvis aus dem Foto freigestellt, vergrößert und auf eine Trägerfläche projeziert werden. Dann erfolgte der Guss auf einer Holzplatte mit passendem Rahmen. Zehn Kilogramm geschmolzener Schokoladen-Masse waren nötig. Das Elvis-Bild entstand durch Lebensmittel-Farbdruck auf Zuckerblättern. Diese Technik ist Odenkirchen vertraut, produziert er doch seit etlichen Jahren Foto-Torten für Hochzeiten, Konfirmationsfeiern und ähnliche Anlässe.

Confiserie in Bad Nauheim: Kühles Wetter ist am besten

Wäre Odenkirchen die Idee früher gekommen, hätte er daraus eine Benefizaktion gemacht. Der Schoko-Elvis hätte versteigert werden können, der Erlös wäre einem karitativen Zweck zugute gekommen.

Das Festival-Wochenende ist für den Geschäftsmann meist eines der umsatzstärksten im Kalenderjahr. »Viele Leute kommen, um zu sehen, ob es was Neues gibt. Vor allem ausländische Fans kaufen reichlich«, sagt Odenkirchen. Für die frisch gegossene Elvis-Figur gab es nur einen Interessenten, der aber kein konkretes Angebot gemacht hat. Der Geschäftsinhaber weiß selbst nicht, wie viel er für dieses Ausnahme-Produkt eigentlich verlangen soll. Das sei letztlich Verhandlungssache.

Weg wie warme Semmeln gingen dagegen die Pralinen-Schachteln, die der 72-Jährige spontan mit einem Bild der Bronze-Statue versehen hat. Erst am Samstagmorgen hatte Odenkirchen die Figur abgelichtet. Etwas Sorge bereiten ihm stets die Wettervorhersagen. Temperaturen, die über 30 Grad Celsius hinausgehen, sind für ihn geschäftsschädigend. In der Vergangenheit gab es einen Festival-Tag mit 35 Grad, an dem gerade ein Fan in den Laden kam. Bei solchen Temperaturen fürchten die Fans, dass ihnen Elvis-Pralinen oder -Schokoladentafeln unter den Händen wegschmilzen. »Kalte, graue und trockene Sommertage sind für mich am besten«, sagt Edgar Odenkirchen lächelnd.

Confiserie in Bad Nauheim besteht seit 30 Jahren

Edgar Odenkirchen kann mit einigen beeindruckenden Zahlen aufwarten. Er hat gut 50 Berufsjahre auf dem Buckel, ist seit 1975 Konditormeister und betreibt seine Confiserie in Bad Nauheim seit genau drei Jahrzehnten. Die Eröffnung erfolgte 1991 in der Kurstraße, sechs Jahre später zog er in die Parkstraße 2 um.

Als Kind war Edgar Odenkirchen oft in einer Backstube zu Besuch, die sich im Mietshaus seiner Oma befand. Trotzdem war ihm der Beruf nicht in die Wiege gelegt. Zunächst sollte er Elektriker werden, glücklicherweise schlug er einen anderen Weg ein. In seiner langen Karriere hat der Konditor im »Labor« in der Steinfurther Straße gut 60 verschiedene Schokoladen-Sorten kreiert und unzählige Pralinen. Solche Leckereien genießt er nach wie vor, weil Qualität an erster Stelle steht, müssen alle handgefertigten Produkte selbst probiert werden. Schampustrüffel und Pralinen mit Cappuccino schmecken ihm am besten.

Der Meister lässt sich für besondere Anlässe immer wieder etwas Neues einfallen. Seine Foto-Torten sind in der ganzen Region bekannt, spezielle Kreationen gibt es meist zum Elvis- und zum Jugendstil-Festival. Die Ideen kommen ihm oft kurz vor dem Aufwachen, mit etwas Glück weiß er noch, von was er gerade geträumt hat.

Ans Aufhören denkt Edgar Odenkirchen noch nicht. Obwohl er stolze 72 Jahre alt ist, will er weitermachen, solange es Spaß macht und die Gesundheit mitspielt.

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