Kerstin Dutiné, Heilpraktikerin für Psychotherapie, berichtet wie narzisstische Eltern ihre Kinder manipulieren.
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Wir werden das Kind schon schaukeln: Wie Kerstin Dutiné aus ihrer Tätigkeit weiß, können sich große Probleme für die Kinder und in der Erziehung ergeben, wenn ein Elternteil narzisstisch ist. Das gilt vor allem bei Trennung und Scheidung.

Narzissmus

„Häufig wird das Kind manipuliert“: Auch Kinder sind Opfer von Narzissten

  • VonPetra Ihm-Fahle
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Auch Kinder können Opfer narzisstischer Elternteile werden, wie eine 20-Jährige aus der Wetterau erzählt. Kerstin Dutiné hat oft mit diesem Problem zu tun.

Lisa B. (Name geändert) ist 20 Jahre alt und lebt in der Wetterau. Sie war 14, als ihre Eltern sich trennten. Zunächst wohnte sie beim Vater, änderte das allerdings ein Jahr später. Nachdem sie jahrelang Vorfälle ertragen hatte, gab es dafür einen Auslöser. Der Papa ärgerte sich eines Abends über sie und beschimpfte sie unflätig - dies im Beisein ihrer Freundin. Lisa packte eine Tasche und rief nachts ihre Mutter an, die sie abholte.

In der folgenden Zeit ging es dem Teenager sehr schlecht, denn der Vater stellte Forderungen zum Sorgerecht. Er verlangte, die Tochter solle entweder ganz zu ihm zurückkehren oder komplett bei der Mama bleiben. »›Ganz oder gar nicht‹, schrieb er meiner Mutter. Ich wollte mich nicht entscheiden, denn ich hatte ein ganz enges Verhältnis zu ihm.«

Psychischer Missbrauch: Narzissten üben Druck auf ihr Kind aus

Sorgerechtsstreitigkeiten begannen, die das Gericht zugunsten der Mutter entschied. Ähnliche Geschichten wie die von Lisa hört Kerstin Dutiné, Heilpraktikerin für Psychotherapie in Bad Nauheim, immer wieder. »Will das Kind nicht wie der Narzisst, sagen wir mal, der Vater, und bekennt es sich zur Mutter, übt der Narzisst massiven Druck aus. Er ist geschickt, so dass es das Kind nicht merkt. Kinder lieben beide Elternteile.«

Lisa machte seinerzeit eine Therapie bei einer Psychologin. »Ich glaube, das hat mir das Leben gerettet«, sagt sie. Sie hatte Depressionen und Angststörungen, von denen sie bis heute nicht frei ist. »Damals war ich richtig fertig mit den Nerven. In der Therapie habe ich zum ersten Mal verstanden, was mein Vater ist.« Erstmals hörte sie den Begriff Narzissmus.

Narzissmus: Emotionen sind verboten – Manipulation des Kindes

Ihr Vater sei ein »krasser Blender«, der sich sehr gut vor Außenstehenden darstellen könne. Doch er habe auch eine sehr dunkle Seite. Beispielsweise kam er eines Tages in die Schule, weil er wütend auf sie war und schlug sie vor aller Augen.

Ein anderes Mal warf sie versehentlich ein Familienerbstück um. »Da sagte er: ›Wenn es mit dir so weitergeht, kannst du dir auch gleich die Kugel geben‹«, erinnert sich die 20-Jährige. Stets habe sie das Gefühl gehabt, nicht gut genug zu sein: »Alles hätte man immer noch besser machen können.« Als Kind, sagt Lisa, durfte sie keine Emotionen haben. »Wenn ich weinte, nannte er mich Heulsuse. Wurde ich wütend, bezeichnete er mich als neurotisch.« Lisa versuchte, keine Gefühle zu zeigen, die dem Papa nicht passten.

»Er schimpfte viele Stunden vor mir, was für ein Schwein meine Mutter sei und dass sie keine Liebe empfinden könne. Wenn ich dann geweint habe, war es okay. Dann nahm er mich in den Arm und meinte, wie schwer ich es hätte«, erzählt die junge Frau.

Auch Kerstin Dutiné kennt so etwas durch ihre Praxis. »Häufig wird das Kind durch das andere narzisstische Elternteil manipuliert.« Beispiel: Hat das Kind Verhaltensweisen, die die Mutter auch hat, stelle der Papa das als etwas Schlechtes dar.

Narzissmus: Wenn das Kind zum Werkzeug wird

Wie Lisa erzählt, kam der Vater regelmäßig abends in ihr Zimmer. Dann sprach er über seine Probleme und dass er seine neue Partnerin nicht liebe. Auch über weitere Dinge, die für Kinderohren nicht bestimmt sind, redete er. Wie sie schildert, isolierte der Vater sie von anderen Familienmitgliedern.

Nachdem Lisa nicht mehr bei ihm lebte, rief sie ihn gelegentlich an. »Bei diesen Gesprächen redete er übel über meine Mutter: Sie sei Borderlinerin. Und ich ginge in eine ähnliche Richtung.« Irgendwann wollte sie nichts mehr mit ihm zu tun haben, wie sie erklärt. »Mein Vater ist hochgradig gestört. Er hätte mir nichts Positives mehr geben können. Ich habe Glück, dass ich so eine starke Mutter habe.« Das Thema ist der jungen Frau wichtig, sie will darüber informieren. Lisa B. stellt fest: »Ich wurde psychisch missbraucht.« Wie Dutiné konstatiert, sei eine Trennung immer emotional. »Allerdings - und das ist der Unterschied zur Trennung nicht narzisstischer Eltern - macht der Narzisst das Kind zum Werkzeug.«

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