Parasiten, Zecken, Mücken, Fliegen übertragen Krankheiten - auch für Hunde gibt es deshalb Urlaubs-Risikogebiete. FOTO: SK
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Parasiten, Zecken, Mücken, Fliegen übertragen Krankheiten - auch für Hunde gibt es deshalb Urlaubs-Risikogebiete. FOTO: SK

Wetterauer Tierärztin warnt

Auch für Hunde gibt es Risikogebiete

  • vonred Redaktion
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Corona wird , der Hund nicht aus dem Urlaub nach Hause bringen. Aber es gibt andere infektiöse "Reisemitbringsel". Und wie bei Corona gibt es Risikogebiete. Tierärztin Cornelia Renczes berichtet.

Leider müssen wir uns zurzeit fragen, ob wir uns nach der Rückkehr aus dem Urlaub als unliebsames "Reisemitbringsel" eine Infektion mit dem Coronavirus eingefangen haben. Nach einem Aufenthalt in Risikogebieten steht deshalb ein Test an und gegebenenfalls sogar eine Quarantäne. Wie sieht es aus, wenn unser treuer Hund uns in den Urlaub begleitet hat? Für Coronaviren ist der Hund nicht wirklich empfänglich, aber kann auch er mit einer infektiösen Erkrankung heimkehren?

Entscheidend ist die Urlaubsdestination, die wir mit unserem Vierbeiner bereist haben. Für die infrage kommenden importierten Infektionen gibt es bestimmte Risikogebiete. Hier handelt es sich um Regionen mit mediterranem Klima - besonders Italien, Frankreich, Spanien oder Portugal, aber auch Gebiete Ungarns und anderer östlich von uns gelegener Länder sind betroffen. Zumeist sind es Parasiten, die von Zecken, Mücken oder Fliegen, sogenannten Vektoren, übertragen werden.

Gefahr durch die braune Hundezecke

Leider kommen viele verschiedene übertragbare Erkrankungen infrage, deshalb werden nur die wichtigsten hier erwähnt.

Die Babesiose wird durch Einzeller ausgelöst, die durch Zeckenbisse übertragen werden. Zum Glück nicht durch den bei uns heimischen "Gemeinen Holzbock", sondern durch die braune Hundezecke und die Auwaldzecke der südlichen Gefilde. Die kleinen Einzeller zerstören die roten Blutkörperchen des befallenen Hundes und führen zu schubweisem Blutmangel, weswegen die Erkrankung auch Hundemalaria heißt. Hohes Fieber und dunkler Urin sind Hinweise für die Erkrankung, die behandelbar ist. Leider gibt es erste Nachweise für die mögliche Überträgerin, die Auwaldzecke, auch in Deutschland.

Auch die Ehrlichiose wird durch die im Mittelmeerraum ansässige braune Hundezecke in Form von Bakterien übertragen. Hier werden die weißen Blutkörperchen befallen, was zu akuten und chronischen schwerwiegenden Krankheitsbildern führen kann. Durch Stechmücken kann der Hund sich in Risikogebieten auch mit sogenannten Herzwürmern infizieren, beispielsweise in der ungarischen Tiefebene. Diese Parasiten sind, wenn auch mitunter aufwendig, langwierig und risikoreich, behandelbar.

Die bekannteste Mittelmeerkrankheit der Hunde und leider mitunter auch der Menschen ist die Leishmaniose. Sie wird durch bestimmte Sandmücken, sogenannte Schmetterlingsmücken, mittels winziger einzelliger Parasiten übertragen und zwar südlich des 45. Breitengrads. Zwei Monate bis viele Jahre nach der Infektion können die Tiere schwer bis tödlich erkranken. Die Symptome sind vielfältig, unter anderem Haarausfall mit Brillenbildung um die Augen, die Erkrankung ist schwer behandelbar und nicht heilbar. Eine neuere Impfung bekämpft die Erkrankung zwar, schützt aber nicht unbedingt vor der Infektion.

Prophylaxe ein probates Mittel

Wenn also unser felliges Familienmitglied mit uns in solche Risikogebiete reisen soll, dann müssen wir uns wegen der vielfältigen Gesundheitsgefahren unbedingt auf umfangreiche Prophylaxemaßnahmen einstellen. Diese reichen von Mücken und Fliegen abwehrenden Protektorhalsbändern oder Auftropflösungen bis hin zu Moskitonetzen über den Schlafstellen. Zu den Hauptflugzeiten der Stechinsekten von der Dämmerung bis in die frühen Morgenstunden sollte der Hund ins mückenfreie Hausinnere verbracht werden.

Leider gibt all das keine hundertprozentige Sicherheit vor einer Übertragung. Deshalb sollte der Hund nach der Rückkehr aus Risikogebieten vorsichtshalber einem Bluttest beim Tierarzt unterzogen werden.

Allerdings stellt sich die Frage, wie sinnvoll die Mitnahme eines Hundes in südliche Gefilde aus genannten Gründen ist, vielleicht spannt Bello während unseres Mittelmeerurlaubs sicherer unter Kumpanen in der Tierpension aus oder wird von Oma und Opa zu Hause auf Balkonien bespaßt!

Infos über Tierärztin Cornelia Renczes

Tierärztin Cornelia Renczes lebt seit 1983 in der Wetterau. Die WZ-Kolumnistin hat Veterinärmedizin an der Justus-Liebig-Universität Gießen studiert und am Max-Planck-Institut für Herz- und Lungenforschung in Bad Nauheim promoviert. Sie hat zwei Hundesachbücher geschrieben, Fachvorträge für Hundehalter und Züchter gehalten. Sie gibt Hilfestellung bei unterschiedlichen Verhaltensproblemen bei Hunden auch durch Beschäftigungen wie Mantrailing oder Welpenprägestunden.

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