Langeweile in Corona-Zeiten? Für den 14-jährigen Witold Tuszynski kein Thema. Er widmet sich gerne der Comic-Produktion, übt außerdem fleißig mit Bratsche und Klavier.	FOTOS: NICI MERZ/PRIVAT
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Langeweile in Corona-Zeiten? Für den 14-jährigen Witold Tuszynski kein Thema. Er widmet sich gerne der Comic-Produktion, übt außerdem fleißig mit Bratsche und Klavier. FOTOS: NICI MERZ/PRIVAT

Asterix-Schöpfer als Vorbilder

Großer Künstler: 14-jähriger Bad Nauheimer zeichnet Comics

  • Bernd Klühs
    vonBernd Klühs
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Nachwuchs-Comic-Zeichner Witold Tuszynski aus Bad Nauheim ist ein Fan von Asterix und eifert seinen Helden René Goscinny und Albert Uderzo eifrig nach.

Mit Superhelden lassen sich Geschichten einfacher erzählen - sowohl in klassischen Hollywood-Filmen als auch in Comics. Sie dürfen ruhig ein paar Macken haben, müssen aber Außergewöhnliches leisten, um verkaufsfördernd zu sein. An diese Regel hält sich der 14-jährige Zeichner und Texter Witold Tuszynski aus Bad Nauheim nicht, vielleicht noch nicht.

Seine Lieblingsfigur heißt Palle, sein Erfinder bezeichnet ihn als Durchschnittstypen, der zwar locker drauf ist, aber über keine besonderen Eigenschaften verfügt. Er fällt weder durch Schönheit noch durch Geistesblitze auf. Hilfsbereit ist er, aber auch ein wenig einfältig und dumm. »Ich habe einen Typ gewählt, in den sich die Menschen einfühlen können«, sagt der St.-Lioba-Schüler.

Zeichentalent liegt in Familie

Er selbst ist nicht unbedingt Durchschnitt. Welcher 14-Jährige, der mitten in der Pubertät stecken und auf Protest getrimmt sein sollte, widmet schon so viel Freizeit der Kunst? Denn Witold Tuszynski ist nicht nur ein begeisterter Comic-Produzent, sondern lässt sich nach der Schule auch liebend gerne an Bratsche und Klavier »quälen«.

Sein Zeichentalent fiel seinen Eltern früh auf. Schon Witolds Großeltern konnten gut zeichnen und malen, sein Vater weiß ebenfalls, wie’s geht. Wie andere Kinder auch krakelte sein Sprössling auf Papier herum, als er gerade so den Stift halten konnte. Schon in der Grundschule ging Witold eigene künstlerische Wege, lieferte der Lehrerin manchmal verblüffende Ergebnisse. »An die Vorgaben hielt ich mich oft nicht, sondern machte eigene Sachen«, erzählt er. Ab 2017 nahm er für ein, zwei Jahre Unterricht in der Bad Nauheimer Jugendkunstschule, lernte viel über Maltechnik, Perspektiven und Schattierungen. Damals entstanden Landschaftsbilder oder Stillleben, die heute die Wände der Familien-Wohnung im Höhenweg verschönern. An Comics hatte er sich zwar bereits mit neun Jahren erstmals versucht, doch so richtig los ging es erst 2018.

Der Text darf nicht langweilig sein

Da Witold gerne Comics liest, war seine Hinwendung zu diesem Genre nahe liegend. Tipps holte er sich aus vielen Fachbüchern, vor allem was die Darstellung von Gesichtern angeht. Problem: Mit dem zeichnen und malen ist es nicht getan, auch ein zündender, humorvoller Text muss her. »Ein guter Dialog mit einer mäßigen Zeichnung funktioniert, ein schlechter Text sorgt für Langeweile.«

Die Frage, wo seine Ideen herkommen, weiß der 14-Jährige nicht genau zu beantworten. Kürzlich hörte er ein Lied, in dem das Wort »Rollmops« vorkommt. Daraus machte Witold einen Hunde-Comic mit einem Mops. Hat er ein Thema gefunden, entstehen meist erst die Dialoge. Dann entscheidet er darüber, wo die Figuren platziert werden sollen. Eine Skizze folgt, zum Schluss die Reinzeichnung.

Auch Erzählungen über zehn DIN-A 4-Seiten

Witold ist auf Kurzgeschichten spezialisiert. Bei Hauptfigur Palle sind es meist nur drei Zeichnungen mit Sprechblasen - fertig. Doch es gibt auch Erzählungen, die zehn DIN-A 4-Seiten umfassen. Dabei kooperiert er manchmal mit Freunden: Sie schreiben, er zeichnet. »Eine solche Zusammenarbeit läuft zurzeit mit einem Freund in München, wo wir früher gewohnt haben.« Für dieses umfangreichere Comic wurden neue Figuren erfunden. Die Freunde telefonieren, schicken sich Mails, aber auch Briefe.

Bei der Comic-Produktion spielt das Digitale für den Nachwuchskünstler nicht die Hauptrolle. Bis zur Reinzeichnung geschieht in der Regel alles von Hand. Nur bei Schwarz-Weiß-Comics wird die Reinzeichnung manchmal am Computer gefertigt. Farbige Comics werden meist am PC coloriert, vor allem wenn gleichmäßig gestaltete Flächen gefragt sind, die er mit dem Farbstift nicht gut genug hinbekommt.

Inzwischen hat Witold einen dicken Ordner mit eigenen Comics gefüllt. In Corona-Zeiten mit viel Freizeit ist er besonders produktiv. Das Hobby zum Beruf zu machen, könnte er sich durchaus vorstellen. Im Fach Kunst ist er ein besonders guter Schüler, will später einen Leistungskurs besuchen. Ob es ein Kunststudium werden soll, hat der Jugendliche noch nicht entschieden. Bis dahin kann er noch ausgiebig an seiner Zeichentechnik und an seinen Formulierungen feilen - Uderzo und Goscinny immer vor Augen.

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