In der Kita von Krushe e Vogel: Dr. Armond Ghazari (links) mit Kollegen und Schützling.
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In der Kita von Krushe e Vogel: Dr. Armond Ghazari (links) mit Kollegen und Schützling.

Arzt als Entwicklungshelfer: Mehr wert als ein paar Euro

Bad Nauheim (cor). Als Arzt wollte Dr. Armond Ghazari immer auch in der Entwicklungshilfe tätig werden. Der Mediziner möchte Menschen helfen, die aus finanziellen Gründen keinen Zugang zur Behandlung haben. Aktiv geworden ist er kürzlich im Kosovo, wo 650 Ortschaften während des Kosovokriegs in den Jahren 1998 und 1999 teilweise oder komplett zerstört wurden.

Ein Beispiel ist das Dorf Krushe e Vogel in der Nähe der Stadt Prizren. Im September war Armond Ghazari für zwei Wochen in dem vom Krieg zerrütteten Gebiet, wo immer noch Gefahren lauern.

Sein Beruf als Assistenzarzt in der Herzchirurgie der Kerckhoff-Klinik sei vielseitig und spannend. Durch seinen Zivildienst fand Ghazari seine Berufung, während der Studienzeit kam er erstmals mit Entwicklungshilfe in Kontakt, durch die Hilfsorganisation »humedica«. Schnell stand für den Arzt fest, dass er einen Schritt weitergehen möchte. »Wachsen kann man nur, indem man etwas anderes macht«, sagt Ghazari. Sein Weg führte ihn nach Indien und Tansania.

Vor Wochen fasste er einen weiteren Entschluss. Ghazari wollte seinen zweiwöchigen Urlaub in der mobilen Klinik in Krushe e Vogel im Kosovo verbringen, um medizinische Basisversorgung zu leisten. »Viele Kollegen reagierten verblüfft«, erzählt er heute. »Einige gaben mir warnende Worte mit auf den Weg, im Kosovo lauern doch Gefahren.« Noch immer sterben fast täglich Menschen durch Bomben, Sprengfallen oder Blindgänger. Die Gefahr durch Minen sei längst nicht gebannt. Die Risiken nahm der Mediziner bewusst in Kauf, um ehrenamtlich zu helfen: »Mein Entschluss stand fest.«

Am 8. September reiste Ghazari mit der Hilfsorganisation »humedica« in den Kosovo. Sein Weg führte ihn in das kleine Dorf in der Nähe der Stadt Prizren. Hier befindet sich eine Kindertagesstätte, die im Jahr 2000 von Wolfgang Groß (Bruder des Gründers von »humedica«, Dieter Groß) gegründet worden war. Während des Kosovokonflikts sei das Dorf hart vom Krieg getroffen worden. Fast alle Männer gelten als vermisst. »Die Witwen stehen vor enormen Herausforderungen«, berichtet der Mediziner. »Neben der Kita in Krushe e Vogel, die die Betreuung von Mädchen und Jungen im Vorschulalter übernimmt, um die Witwen zu entlasten, stellt ›humedica» eine mobile Klinik zur Verfügung.« Damit werde in den Dörfern die medizinische Basisversorgung sichergestellt. Das Helfer-Team (bestehend aus Arzt und Medizinstudent) sei täglich in einem anderen Dorf präsent. »Im Kosovo haben die Menschen eine gute medizinische Basisversorgung, weshalb die meisten Patienten mit vordiagnostizierten Erkrankungen zu uns kamen. Doch leider können sich viele die Medikamente nicht leisten, um die Therapie fortzusetzen.« Im Kosovo liege die Arbeitslosigkeit weit über 30 Prozent, die finanzielle Situation sei entsprechend schlecht.

»Unsere Hauptaufgabe bestand also darin, chronische Erkrankungen mit verschiedenen Medikamenten zu therapieren und die Bedarfsmedikation auszugeben«, erklärt Ghazari. Innerhalb von zwei Wochen konnten etwa 350 Patienten behandelt werden. »Die Mehrheit waren Erwachsene, die vor allem mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu uns kamen.« Unter den Patienten waren auch Eltern mit Kindern. Dabei standen grippale Infekte im Vordergrund. »Unsere Hilfsmöglichkeiten waren sehr eingeschränkt, Untersuchungsmittel standen nur begrenzt zur Verfügung.« Situationen, die zeigen, wie gut das medizinische System in Deutschland funktioniere. »Die Hilfe, die wir in diesen zwei Wochen geleistet haben, wurde von den Menschen dennoch dankend angenommen.«

Die Meinung seiner skeptischen Kollegen habe sich mittlerweile geändert. Ghazari hat ihnen viel berichtet, Fotos gezeigt. Er selbst ist dankbar für die Erfahrungen. »Meine Erwartungen haben sich erfüllt, da ich nicht nur als Tourist ein mir zuvor unbekanntes Land kennenlernen durfte, sondern als Arzt den unmittelbaren Kontakt mit Menschen aufnehmen konnte.

« Ein Erlebnis, das er gerne wiederholen möchte, auch wenn er die Anreise selbst finanzieren muss. »humedica« engagiere sich dank privater Spenden, finanziere aber nur einen Teil der Unterkünfte.

»Das war es mir wert«, sagt der Arzt. »Die Menschen dort strahlen nach allem, was sie erlebt haben, so viel Optimismus aus – das ist mehr wert als ein paar Euro.«

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