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Antifa-BI sieht Rechtsextremisten hinter »Querdenker«-Demo

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Auch der NPD-Landesvorsitzende Daniel Lachmann (3. v. l.) ist unter den Teilnehmern der Demo. FOTO: PV © pv

Die Antifaschistische Bildungsinitiative (Antifa-BI) hat den Ansatz der Stadt kritisiert, die »Querdenker«-Demonstration am Samstag weitgehend zu ignorieren. 250 von ihnen waren teils lautstark durch Bad Nauheim gelaufen.

Mit Trommeln und Transparenten erregten sie Aufsehen. Die Verteilung von Papier-Herzen und Luftballons »sorgten für eine geschickte Verpackung der reaktionären Ideologien«, sagt Andreas Balser von der Antifa-BI. »Zusätzlich wurde damit verschleiert, dass die Szene seit Anbeginn an nicht nur rechtsextreme, verschwörungstheoretische und antidemokratische Inhalte bis hin zu den unterschiedlichsten Formen des Antisemitismus in der Region verbreitet, sondern auch übergriffig wird. Dutzende Plakate gegen Nazis und für Vielfalt wurden in der Bad Nauheimer Innenstadt zerstört. Journalisten wurden abseits genauso wie Nazi-Gegner/innen bedroht und angegangen.«

Die Demo war von einem AfD-Mann aus Büdingen angemeldet, ein Verbot vor Gericht von einem bekannten NPD-Anwalt verhindert worden.

Neben dem NPD-Landesvorsitzenden Daniel Lachmann entdeckten die Beobachter des Vereins auch den AfD-Landtagsabgeordneten Andreas Lichert im Umzug. Neben mehreren Vertretern der sogenannten Reichsbürger, die die Bundesrepublik nicht anerkennen, sei mit Manuel M. auch ein aus der Region Marburg und Gladenbach bekannter »Autonomer Nationalist« dabei gewesen. Auch den antisemitischen Verschwörungsmythos vom »Great Reset« habe man in Bad Nauheim auf Schildern präsentiert. »Manche der strammen Rechten haben sogar ›Nazis raus‹ gerufen«, schildert ein Beobachter der Redaktion,

Nicht hilfreich findet Balser den vom Bad Nauheimer Magistrat verbreiteten Aufruf, den Durchzug der Querdenker zu ignorieren. Denn »der Versuch, die extreme Rechte zu ignorieren, ist schon immer gescheitert. Diese nutzen die unerwarteten Freiräume aus und werben neue Mitglieder. Dies hat in den letzten zwei Jahren dafür gesorgt, dass Bad Nauheim so interessant für die Szene wurde.« Die Meldungen von Aktivitäten der extremen Rechten in der Stadt häuften sich. Die Szene nutze auch die Freiräume, die ihr seitens der Polizei gegeben würden. Die habe sich am Samstag hauptsächlich auf das Regeln des Verkehrs beschränkt.

500 Flyer verteilt

Dass zahlreiche Vereine, Gruppen und Unternehmen in Bad Nauheim per Zeitungsanzeige Flagge gegen die »Querdenker« zeigen, ist laut Antifa-BI sehr hilfreich. Man müsse sich entschieden gegen die Herausforderung durch Wissenschafts- und Demokratiegegner stellen. Der Verein hat eine neunseitige Recherche zu den »Querdenkern« in der Wetterau auf der Webseite www.antifabi.de veröffentlicht. Zusätzlich wurden am Samstag 500 Flyer mit dem Hinweis auf die Recherche in Bad Nauheim verteilt.

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