Kiespromenade statt Fußgängerzone: Die Selbsthilfe-Meile ist diesmal nicht an der gewohnten Stelle zu finden gewesen.
+
Kiespromenade statt Fußgängerzone: Die Selbsthilfe-Meile ist diesmal nicht an der gewohnten Stelle zu finden gewesen.

Anlaufstelle mit breitem Angebot

  • vonCorinna Weigelt
    schließen

Bad Nauheim(cor). Eigentlich findet die alljährliche Selbsthilfe-Meile stets in der Bad Nauheimer Fußgängerzone statt. Am Samstag wurde sie erstmals parallel zum Elvis-Festival angeboten und musste daher an einen anderen Standort ausweichen. Entlang der Kiespromenade am Kurpark platzierten sich rund 50 Selbsthilfegruppen, Vereine und Beratungsstellen, um über die einzelnen Angebote zu informieren.

Erkrankungen, Behinderungen, psychische Belastungen, ADHS, Demenz, Trauer, Hospiz, Pflege, Sucht - das Themenangebot der Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen im Kreis ist breitgefächert. Viele von ihnen haben ihren festen Platz in der Wetterau, so auch die "SHO" für Lebertransplantierte, Wartepatienten und Angehörige in Florstadt. Als Gruppenleiterin agiert hier Ulrike Gutberlet, die bereits zweimal eine Lebertransplantation benötigt hat. Als Kind erhielt sie eine Blutspende und damit auch den Hepatitis-C-Virus. Damals sei dies noch nicht bekannt gewesen. Auf eine Anfälligkeit gegenüber Infektionen folgte nach Jahren ein Leberschaden. "Und die erste Transplantation 1993", sagte Gutberlet. Der C-Virus sei aber weiterhin aktiv geblieben.

Dance-Mob zum Thema Parkinson

2001 folgte eine zweite Transplantation. "Der Virus war endlich weg." Während der schweren Zeit stand ihr die Familie zur Seite. Ehemann Ewald engagiert sich ebenso für die Gruppe. "Bei uns stehen Begegnungen, Betreuung und Beratung im Mittelpunkt", erklärte Gutberlet. Ebenso sind Angehörige willkommen. Mit einem Dance-Mob warb die deutsche PSP-Gesellschaft auf der Selbsthilfe-Meile für eine bessere Versorgung von Parkinson-Patienten (Morbus Parkinson und Patienten mit atypischen Parkinson-Symptomen) in Kliniken. Die Kampagne "Letzte Ausfahrt Krankenhaus" hatte den Dance-Mob "ParkinMove" in Hamburg gestartet. Nach Bad Nauheim soll dieser in Magdeburg fortgesetzt werden. Anders als in neurologischen Fachkliniken mache das komplexe Krankheitsbild es den Pflegeteams oft schwer, eine optimale Versorgung zu gewährleisten, sagte Eveline Stasch, Ansprechpartnerin der PSP-Gesellschaft. Werde ein chronisch Kranker wegen anderer Erkrankungen in einem Krankenhaus behandelt, fehle es an qualifizierten Fachkräften. "In Deutschland wird die Zusatzqualifikation ›Parkinson Nurse‹ auch nicht wie in anderen europäischen Ländern anerkannt", erläuterte Stasch. Das Gesundheitspersonal müsse daher flächendeckend über Symptomatik und Behandlung von Morbus Parkinson aufgeklärt werden. Ein neues Angebot für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren möchten die Clowndoktoren auf den Weg bringen. "Ein inklusives Clownprojekt", erklärte Hildegard Luzius. Kinder mit und ohne Handicap sollen in Gruppen gemeinsam Tänze und Übungen erlernen, diese im Anschluss auch bei Straßenaktionen oder in Theatern präsentieren.

Viele Besucher nutzten das Angebot der Selbsthilfe-Meile, darunter auch zahlreiche angereiste Elvis-Fans. Das Organisationsteam des Wetteraukreises hatte sich vorab auf diese Nachfrage eingestellt, das Angebot um Bundes- und Landesverbände entsprechend erweitert. "Auch unsere Aktionen wurden sehr gut angenommen", zog Anette Obleser, Ansprechpartnerin des Wetteraukreises, ihr Fazit. Für das kommende Jahr strebe man als Standort aber wieder die Fußgängerzone an, um noch näher am Bürger zu sein - und das ohne große Parallelveranstaltungen in der Innenstadt.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare