Wer reden möchte oder konkrete Tipps in der Corona-Krise braucht, kann die neue Familien-Hotline der Stadt anrufen.
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Wer reden möchte oder konkrete Tipps in der Corona-Krise braucht, kann die neue Familien-Hotline der Stadt anrufen.

Hotline wird angenommen

Alltagsprobleme? Ein Anruf im Rathaus genügt

  • Sabrina Dämon
    vonSabrina Dämon
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Alles spielt sich im Wohnzimmer ab: Arbeit, Schule, Kinderbetreuung. Das erfordert starke Nerven. Die Stadt Bad Nauheim hat für solche Fälle eine Hotline eingerichtet.

Die Nerven liegen blank oder sind zumindest sehr dünn. Seit Wochen sind Schulen und Kitas geschlossen, Eltern arbeiten im Home Office. Die Familie »hängt« den ganzen Tag buchstäblich aufeinander. Das ist anstrengend - Eltern sind plötzlich Lehrer, Erzieher und bleiben Arbeitnehmer. Da sind Konflikte vor programmiert, und hier möchte die Stadt Bad Nauheim helfen. Sie hat ein Krisentelefon für Familien eingerichtet.

Täglich von 12 bis 15 Uhr können alle anrufen, denen die Decke auf den Kopf fällt oder die einfach mal mit jemanden reden möchten. Kurz vor den Osterfeiertagen startete die Hotline. Pädagogin Doris List sitzt am anderen Ende der Leitung, hat ein offenes Ohr für Nöte und Sorgen der Familien. Bisher hätten zwar nur vereinzelt Menschen angerufen, das zeuge aber eher davon, dass die anderen Hilfesystem der Stadt auch in Corona-Zeiten gut funktionierten.

Breites Netzwerk ist bereits vorhanden

So stehen weiterhin die Sozialarbeiter und Pädagogen im Jugendamt zur Verfügung. Sie halten Kontakt zu Familien, die Hilfe benötigen. Viele Eltern würden sich telefonisch auch direkt an die Kitas ihrer Kinder wenden, wenn es Probleme gebe, sagt Jochen Mörler, Fachbereichsleiter Soziales. »Hier ist die Bindung besonders groß. Da wird schnell zum Hörer gegriffen«, sagt er.

Ähnlich ist es mit der Bindung bei den Jugendhäusern. Die Jugendlichen stehen mit den Betreuern und untereinander per Whatsapp in Kontakt. Jetzt werden die Sozialarbeiter auch persönlich auf die Straße oder in den Goldsteinpark gehen und Jugendliche ansprechen. Besonders wenn sich irgendwo größere Gruppen treffen. »Nicht als Ordnungshüter, sondern als Vertrauenspersonen«, sagt List. Die Sozialpädagogen wollen gezielt aufklären, wieso Corona gefährlich sein kann und warum die aktuellen Maßnahmen wichtig sind.

Kindgerechte Worte für die Pandemie finden

Für jüngere Kinder ist das schwieriger zu verstehen, aber Eltern sollten klare, kindgerechte Worte finden, um die Situation zu erklären. »Corona ist ein zu abstrakter Begriff. Die Kinder erleben, dass vieles anders ist, können aber die Lage nicht richtig einordnen. Daher hilft miteinander reden.« Das schließe auch eigene Sorgen ein. »Man darf als Eltern ruhig sagen, dass man die Lage anstrengend findet und man sich Sorgen macht«, sagt Doris List. Wichtig sei dabei, den Kindern zu vermitteln, dass es irgendwann besser und wieder normal wird.

Bei ihr haben sich in den vergangen Tagen Mütter und Väter gemeldet, die«einfach reden wollten«, Tipps benötigten, wie man durch diesen besonderen Alltag kommen kann oder die ein bisschen Aufmunterung brauchten. Anfragen von Menschen mit Existenzsorgen habe es auch gegeben.

Und genau hier setzt die Erfahrung der langjährigen Pädagogin ein. Sie kann die Anrufer gezielt weiter verweisen und ihnen Ansprechpartner nennen. Wie die Arbeitsagentur oder andere Einrichtungen. »Genau das war ein Ziel der Hotline«, sagt Jochen Mörler. »Auf kurzen Wegen auf das Netz an bestehenden Beratungsstellen verweisen.« Und weil klar ist, dass es mit normalen Öffnungen von Schule und Kitas noch eine Weile dauern wird, bleibt auch die Hotline bestehen. Damit Eltern mit möglichst starken Nerven durch die Krise kommen.

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