Agnes Margraf ist seit 60 Jahren Organistin in Maria Himmelfahrt Nieder-Mörlen. In vielen weiteren Kirchen wie etwa in Ockstadt, Ober-Mörlen oder im Mainzer Dom hat sie schon Gottesdienste und Andachten begleitet.	FOTOS: HAUSMANNS
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Agnes Margraf ist seit 60 Jahren Organistin in Maria Himmelfahrt Nieder-Mörlen. In vielen weiteren Kirchen wie etwa in Ockstadt, Ober-Mörlen oder im Mainzer Dom hat sie schon Gottesdienste und Andachten begleitet.

Jubiläum in Nieder-Mörlen

Agnes Margraf spielt seit 60 Jahren die Kirchenorgel in Nieder-Mörlen

  • vonAnnette Hausmanns
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Was passieren kann, wenn ein Pfarrer Eltern auf die Musikalität ihres Kindes anspricht, konnten Gottesdienstbesucher in der Pfarrei Maria Himmelfahrt Nieder-Mörlen erleben.

Am liebsten sitzt Agnes Margraf an der Orgel, wenn sie in der Kirche ist. Behände greift sie in die Manuale, zieht die Register und gibt gut Acht, dass die Gemeinde, dem Anlass entsprechend, musikalisch durch Gottesdienste und Andachten begleitet wird. Seit 60 Jahren ist Verlass auf die Organistin. »Musik ist Freude und ein erfrischendes Lebensgefühl«, sagt Agnes Margraf, und ihre blauen Augen strahlen. Am wichtigsten sei ihr aber immer die Begleitung der Menschen gewesen.

An diesem strahlend schönen Spätfrühlingsabend in Nieder-Mörlen ist Agnes Margraf nicht allein auf der Orgelempore ihrer Heimatkirche Maria Himmelfahrt. Ihr Cousin Norbert Margraf begleitet die Organistin mitunter auf dem Keyboard oder Hansjörg Weckler in seiner Rolle als »Kantor zu Corona-Zeiten«, zu denen im Kirchenschiff niemand sonst singen darf.

Das fällt den Gottesdienstbesuchern an diesem Abend besonders schwer, würden sie sich doch zu gerne von »ihrer Organistin« begleiten lassen.

Stattdessen begleiten Verwandte, Freunde und Pfarreimitglieder Agnes Margraf mit Beifall auf ihrem Weg vom Altarraum zurück auf die Orgelbank, wo sie beim furiosen Finale zum freudigen Lob Gottes noch einmal derart in die Tasten greift, dass die Kirchenmauern beben.

Orgelspielerin Nieder-Mörlen: Am Anfang zitternde Knie

Pfarrer Ryszard Strojek hatte der Jubilarin zuvor für ihr großes Engagement gedankt. In der einfühlsamen musikalischen Begleitung spüre man die Verbundenheit der Organistin mit der Gemeinde. Über sechs Jahrzehnte habe Agnes Margraf viel Kraft, Zeit und Herzblut eingesetzt, nicht nur als Organistin, sondern auch als Leiterin der Schola. »Wir wünschen dir Gottes reichen Segen und dass du noch lange Jahre die Freude an der Musik behältst und uns auf der Orgel begleiten mögest«, schloss Pfarrer Strojek und überreichte der Jubilarin neben der Urkunde des Bistums auch Blumen und ein Geschenk der Pfarrei.

Pfarrer Ryszard Strojek überreicht Jubilarin Agnes Margraf die Urkunde des Bistums zum Dank für 60 Jahre Organistendienst.

Falls Agnes Margraf während des Dankamtes aufgeregt gewesen sein sollte, so hat man es ihr nicht angemerkt.

Sie erinnert sich gut an ihre Premiere. Es war der 28. Mai 1960. Die 15-Jährige sollte im Beisein ihrer Lehrerin, der damaligen Organistin Hildegard Möbs, zum ersten Mal alle Lieder im Gottesdienst spielen. »Ich hatte gut geübt, war aber trotzdem aufgeregt. Frau Möbs kam nicht zum Gottesdienst, und so wurde ich ›ins kalte Wasser geworfen‹ und musste den ganzen Gottesdienst mit Herzklopfen und zitternden Knien alleine bewältigen«, erzählt Agnes Margraf.

Orgelspielerin Nieder-Mörlen: Lehrerin an der Frauenwaldschule

Ein hervorragender Einstieg, wie sich herausstellen sollte. Die blutjunge Organistin übernahm immer häufiger Werktags- und später auch Sonntagsgottesdienste. »Damals fand noch jeden Tag ein Gottesdienst mit Orgelbegleitung statt.« Orgelstunden nahm sie weiter bei Hildegard Möbs, und sie machte ab Dezember 1961 eine dreijährige Ausbildung des Bischöflichen Instituts Mainz unter Leitung von Kirchenmusikdirektor Hans Niklaus und Heinrich Rohr in Friedberg. »Jeden Donnerstag von 14 bis 18 Uhr ging es nach der Schule nach Friedberg. Die Orgelstunden fanden in der Marienkirche statt.«

Nach dem Abitur 1965 nahm Margraf in Gießen das Studium für Lehramt auf und belegte unter anderem das Fach Schulmusik sowie Orgelunterricht bei Domorganist Karl Fritz aus Fulda. Als Lehrerin wirkte Agnes Margraf viele Jahre an der Frauenwaldschule Nieder-Mörlen. Spätestens dann sollte sich herausstellen, dass Nieder-Mörlens damaliger Pfarrer Benedikt Rodach den richtigen Riecher gehabt hatte, als er 1957 die Eltern der zwölfjährigen Agnes ansprach, dass sie doch Klavierspielen lernen und dann eine Orgelausbildung machen sollte. Agnes Margraf: »Nach etlichen Diskussionen wurde ein Klavier gekauft, und 1958 begann ich mit den Klavierstunden, zunächst bei Lehrer Kunkel und später bei unserer Organistin Hildegard Möbs, die zuvor krank gewesen war. Übungen an der Orgel folgten bald.«

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