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Günter B. aus Bad Nauheim ist glücklich und sauer zugleich. Er hat seine Impfung endlich erhalten, wirft dem Wetteraukreis aber Versäumnisse vor.

Corona-Schutzimpfung

Ärger um die Impfung: Wie ein schwerkranker Bad Nauheimer um den Corona-Schutz kämpft

  • vonPetra Ihm-Fahle
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Bei Günter B. überwiegt das Glück, endlich die Corona-Impfung erhalten zu haben. Doch er wirft dem Wetteraukreis vor, nicht genug für Schwerkranke zu tun. Dort sieht man die Sache anders.

Günter B. ist glücklich, denn endlich hat es mit seiner ersten Corona-Impfung geklappt. Einfach war es für den krebskranken Bad Nauheimer nicht, einen Termin zu bekommen, den er kurzfristig bei einem niedergelassenen Allgemeinmediziner aus der Gesundheitsstadt erhielt. Zuvor hatte den 61-Jährigen eine Absage eines Impftermins durch das Land geschockt.

Günter B. beklagt mangelnde Kommunikation vonseiten des Wetteraukreises

»Am 25. Februar registrierte ich mich im hessischen Impfportal, am 5. März erhielt ich eine Terminbestätigung«, sagt B. Die Impfung sollte am 19. März im Impfzentrum Büdingen vollzogen werden. B. war erleichtert, denn die Pandemie belastet ihn enorm. Der Krebs und die Strahlentherapie haben ihn sehr geschwächt, eine mögliche Ansteckung will er keinesfalls riskieren. Daher hatte er sich seit Langem in die freiwillige Quarantäne zurückgezogen. Einkaufen geht er frühmorgens, wenn nur wenige Menschen unterwegs sind. Er ist auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen, doch er zieht es vor, ein Taxi zu nehmen.

Für den alleinstehenden Mann ist dies eine bedrückende, schwer auszuhaltende Situation. Umso geschockter war er, als das Land seinen Impftermin kurzfristig absagte, da die Impfungen mit Astrazeneca vorübergehend ausgesetzt waren. B. war am Boden zerstört. »Jeder Tag ohne die selbst verordnete Quarantäne wäre für mich ein Gewinn gewesen«, betont er.

Ihn empörte daher, durch einen Bericht dieser Zeitung zu erfahren, dass auch der Wetteraukreis Impfungen ausführt, die nicht abgesagt worden sind, da der Kreis den Impfstoff von Biontech verwendet. B. fragt, wieso das Gesundheitsamt diese Möglichkeiten nicht vorher kommuniziert habe. Wie er ferner bemängelt, habe der Kreis nicht den Krankenstatus derjenigen abgefragt, die von den Absagen des Landes betroffen waren, um ihnen einen Impftermin anzubieten.

Kreissprecher Michael Elsaß kontert Günter B.s Kritik

Über das hessische Impfportal hätte es nach Ansicht von B. ohne Weiteres machbar sein müssen, die Betroffenen per E-Mail oder telefonisch zu kontaktieren. Ihn wurmt auch, was er ebenfalls durch diese Zeitung erfuhr: Beschäftigte in Kindertagesstätten und Schulen würden priorisiert. »Da war die eigene Klientel der Kreismitarbeiter wohl wichtiger«, beanstandet er.

B. hatte Glück im Unglück, als ihm ein Bekannter diese Woche einen Impftermin bei einem Allgemeinmediziner besorgte. Schon 36 Stunden später wurde der Schwerkranke geimpft, für Ende Mai steht die zweite Impfung im Terminkalender. B. steckte die Astrazeneca-Spritze gut weg: »Ich bin müde, der Arm tut mir weh, aber das ist normal.«

Wie Kreispressesprecher Michael Elsaß auf Anfrage erklärt, steuere das Land die Impftermine. »Zudem gibt es zusätzliche Aufträge, die die Gesundheitsämter in eigener Regie ausführen.« Dazugehörten unter anderem die Bewohner von Altenheimen und Behinderteneinrichtungen. »Dann gab es den Auftrag, bestimmte Berufsgruppen zu impfen, wie Arztpraxen und Lehrkräfte. Das ist vom Land so vorgegeben«, betont Elsaß.

Wer muss sich bei wem melden?

Parallel habe der Wetteraukreis Hausärzte mit insgesamt 4000 Impfdosen Astrazeneca versorgt. »Bei Herrn B. haben wir keine Karten im Spiel, denn er hatte sich beim Land gemeldet«, bedauert der Kreispressesprecher. Es sei nicht darstellbar, 3000 bis 4000 Impflinge zu kontaktieren, die eine astrazenecabedingte Absage bekommen hätten.

Der Kreis führt laut Elsaß intern eine Liste von Menschen, die besonders gefährdet seien. »Wenn es Impfreste gibt, laden wir sie kurzfristig ins Impfzentrum ein. Das kann auch abends um halb zehn sein, dass wir anrufen und sagen: ›Sie können gleich kommen.‹« Diese Personen hätten sich aber von alleine beim Gesundheitsamt gemeldet. »Es sind ganz viele Menschen, die anrufen und sagen: ›Ich habe diese oder jene Krankheit, ich will geimpft werden.‹« Da die Liste sehr lang sei, habe der Wetteraukreis keine Werbung dafür gemacht. Sofern Herr B. frage, wieso ihn niemand angerufen habe, stelle er, Elsaß, die Gegenfrage: »Wieso hat er sich nicht bei uns gemeldet?«

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