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Für Angehörige ist es ein schmerzhafter Schock, wenn Blumengestecke von Gräbern gestohlen werden. Eine Leserin berichtet von einem neuerlichen Fall. Auf dem Friedhof in Rödgen gibt es ganz andere Probleme. Hier fressen Rehe die Blumen.

Letzte Ruhe?

Ärger auf dem Friedhof: Blumendiebe und hungrige Rehe in Bad Nauheim

  • Jürgen Wagner
    vonJürgen Wagner
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Friedhöfe sind Orte der Ruhe. Wird diese gestört, verursacht dies neues Leid. Auf dem Bad Nauheimer Hauptfriedhof wurden neulich sogar Gestecke und Figuren auf Gräbern vertauscht.

Bad Nauheim – Die Angehörige war geschockt über das, was sie sah: Am Todestag ihrer Mutter stand auf deren Grab eine Engelsfigur. Ein Gesteck, dass sie dort abgelegt hatte, war verschwunden. Stattdessen stand dort eine Keramikschale. Kurz vor dem Geburtstag der Verstorbenen fehlte ein Plastiktopf. Dreimal stellte die Frau solche Veränderungen fest. Von einem Witwer erfuhr sie, dass am Grab von dessen gerade erst beerdigter Frau ebenfalls ein Gesteck gestohlen wurde. Es sei ein »beklemmendes Gefühl« gewesen, als sie die Veränderungen bemerkte.

Die Stadt sprach von einem »absoluten Einzelfall«. Gestecke werden immer mal wieder gestohlen. Aber das sie getauscht werden, sei neu.

Friedhof in Bad Nauheim: „Dass etwas gestohlen wird, passiert immer wieder“

Nun hat sich eine Leserin gemeldet, die von einem ähnliche Erlebnis auf dem Hauptfriedhof berichtet. »Ich gehe wöchentlich ans Grab meiner Mutter und hatte bis auf zwei Ausnahmen keine Diebstähle zu beklagen.« Aber es habe Ausnahmen gegeben, »identisch mit dem, was die Geschädigte in ihrem Artikel berichtete. Sowohl unmittelbar nach dem Geburtstag im Juli 2020 sowie kürzlich nach dem Todestag meiner Mutter am 13. März wurden Pflanzen von ihrem Grab entwendet.« Und genau wie im ersten Fall sei ihre Mutter »erst nach ihrem Tod nach Bad Nauheim überführt« und ihre Asche in einem Einzelurnengrab beigesetzt worden. »Hätten mich Nachbarn nicht auf den Artikel aufmerksam gemacht, wäre ich davon ausgegangen, dass jemand kostenlos seinen Balkon oder Garten verschönern wollte. So aber scheint System dahinter zu stecken.«

Ob dies so ist, kann die Friedhofsverwaltung nicht sagen, wie auch. Üb r 700 Gräbern lassen sich nicht rund um die Uhr bewachen. Jürgen Patsche, Fachbereichsleiter für Stadtentwicklung, kann den Kummer der Angehörigen verstehen. »Dass etwas gestohlen wird, passiert immer wieder. Das ist auch bei anderen Grünflächen in der Stadt der Fall.« Patscha meint die Osterglocken, die gerade gelb leuchten - nicht nur im Kurpark, sondern auch in Privatgärten. Auf den sechs städtischen Friehöfen gebe es keine Security. »Gärtner und Steinmetze sind dort täglich zugegen.« Die jüngsten Fälle von Diebstählen seien wegen der Geburts- und Todestage »mysteriös«. Das einzige, was helfe, sei, dass alle Friedhofsbesucher die Augen aufhalten. »Ich hoffe, dass die Leute genauer hinschauen.« Nur wenn man einen Dieb auf frischer Tat ertappe, könne man ihn auch belangen.

Bad Nauheim-Rödgen: Rehe auf dem Friedhof

Vom Rödgener Friedhof werden ganz andere Probleme gemeldet. Ortsvorsteherin Gisela Babitz-Koch (CDU) berichtet, dass dort wiederholt - und wie im vergangenen Jahr öfter - Rehe gesichtet wurden. Den eigentlich scheuen Wildtieren haben es inbesondere die Stiefmütterchen angetan. »Primeln und andere Blumen wurden verschont.« Was tun? Die Verwaltung habe an einer Stelle einen höheren Zaun aufbauen lassen. Die Rehe hätten trotzdem ein Schlupfloch gefunden, erneut ging es den Stiefmütterchen an den Kragen. Der Friedhof werde teils von Hecken begrenzt. Für Rehe kein Hindernis.

»Wir haben in den Grünanlagen immer wieder Ärger mit Schädlingen«, sagt Patscha. Mal ist es der Eichenprozessionsspinner, mal der Buchsbaumzünsler und nun Rehe, die für Probleme sorgen. Jagen darf man die Tiere auf Friedhöfen nicht. Ein probates Mittel wäre ein hoher Zaun. Patscha: »Die finanziellen Mittel dafür werden wir im nächsten Haushalt einstellen.« Allerdings sei für den Zaun, so er denn kommt, eine Genehmigung der Naturschutzbehörde erfroderlich.

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