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Brigitte Faatz hat sich auf die Spuren der Menschen begeben, die auf dem Alten Friedhof in Bad Nauheim beerdigt worden sind. Zu einigen von ihnen gibt es nun Fotos auf der Internetseite »Alter Friedhof Bad Nauheim«. ARCHIVFOTO: NICI MERZ

Ackermann und Ehrenbürger

Bad Nauheim . Die Homepage »Alter Friedhof Bad Nauheim« umfasst die Sterberegister der Kirchengemeinden von 1802 bis 1902, dazu historische Fotos der Anlage und einzelner Grabstellen. Ergänzt wird dies durch aktuelle Aufnahmen des vom Förderverein »Alter Friedhof - Historischer Bürgerpark« umgestalteten Geländes und mit den Basaltstelen zur Erinnerung an einzelne Verstorbene oder ganze Familienschicksale.

Seit kurzem sind die Seiten um eine Kategorie erweitert worden. Konnte man sich schon vorher umfassend zur Historie des an der Mittelstraße gelegenen Areals informieren, so können Interessierte ab sofort unter der Rubrik »Die Toten auf dem Alten Friedhof / Fotos der Verstorbenen« auch eine Sammlung von zeitgenössischen Bildern ansehen. Vertreten sind unterschiedliche Berufsgruppen und Stände, vom Ackermann bis zum Ehrenbürger.

Handschriften und Nachrufe wichtig

Die neue Rubrik beruht auf einer Idee von Stadtarchivarin Brigitte Faatz, der in Corona-Zeiten vermehrt Familiennachlässe zugehen. Als sich darunter neulich ein beschriftetes Personenfoto aus dem Jahr 1861 befand, ging Faatz mithilfe der Sterberegister des Alten Nauheimer Friedhofs auf die Suche und wurde bald fündig.

»Ganz unvermutet bekam ich Einblick in das Familienleben des Heinrich Schimpf, der sich im 19. Jahrhundert im dörflichen Nauheim als Wagner, Kirchenrechner und Ackermann sein Brot verdiente. Ich war seltsam berührt von der vergilbten Aufnahme des älteren Ehepaares Schimpf, das sich gegenseitig stützend untergehakt hatte. Diesem bald darauf hier ausgestorbenen Familienzweig wollte ich damit ein bleibendes Denkmal setzen.« Zunächst trug Faatz weitere Bilder aus dem Archivbestand zusammen, darunter der erste Polizeisergeant und ein Nauheimer Original, Pioniere des Badewesens, Ärzte, und Ehrenbürger, je ein Schulmeister, Pfarrer, Kapellmeister, Hotelier, und Heilkräutersammler. Inzwischen ist die Zahl auf rund 20 Namen angewachsen (darunter vier Frauen, ohne eigene Berufsangabe).

Zur Verwirklichung sprach die Stadtarchivarin Dr. Thomas Schwab an, der für Pflege und Gestaltung der Homepage verantwortlich zeichnet. Sie stieß dabei auf offene Ohren für das nun schrittweise umgesetzte Projekt.

Den Initiatoren kommt es darauf an, auch andere Zeitdokumente wie Todesanzeigen, Nachrufe oder Handschriften der Abgebildeten einzustellen, um ein umfassendes Ganzes von der jeweiligen Person und deren gesellschaftlicher Stellung aufzuzeigen. Auch der Wandel der Trauerkultur in Wort, Bild und Schrift wird hier ablesbar.

Wer noch ebensolche Fotos von verstorbenen Vorfahren, die auf dem Alten Friedhof an der Bad Nauheimer Mittelstraße beerdigt sind, beisteuern möchte, kann sich an das Stadtarchiv Bad Nauheim unter der Telefonnummer 0 60 32/92 88 04 oder unter Tel. 0 60 32/34 32 35 und außerdem per E-Mail an brigitte.faatz@bad-nauheim.de wenden.

Brigitte Faatz/Dr. Thomas Schwab

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