Abschied vom Neujahrs-Varieté: Hinaus in alle Teile der Welt

Bad Nauheim (pm). Ein wenig Trauer liegt über der Bühne des Dolce-Theaters – es heißt Abschied nehmen. Vor drei Wochen sind die 45 Artisten aus allen Himmelsrichtungen angereist, nun packen sie ihre Koffer, verstauen ihre Requisiten und machen sich nach 35 ausverkauften Vorstellungen wieder auf den Weg in alle Teile der Welt.

"Der Abschied fällt schwer", sagt Meister-Illusionist Christian Farla. "Weil hier alles gestimmt hat: Unterkunft, Theater, Bühnen-Crew, die Betreuung und vor allem der Respekt, den uns die Ovag entgegengebracht hat. Hier darf man sich wirklich als Künstler fühlen. Deshalb wollen alle Artisten, die ich kenne, zum Neujahrs-Varieté." Er selbst beginnt noch in dieser Woche mit seiner "White Magic Tour" durch Holland, hat dann ein Gastspiel in England, ehe er von April bis November im Fantasialand zwei- bis dreimal am Tag zaubert. Sieben Tage in der Woche. Magie im Akkord.

Ehefrau Bianca, die in Bad Nauheim auf der Bühne assistiert hat, ist derweil mit ihren drei Show Girls of Magic im Movie Park engagiert – und hat mit dieser Formation bereits eine Option für das Neujahrs-Varieté 2017 unterzeichnet. Bad Nauheim war eine seltene Gelegenheit für das Ehepaar Farla, einmal zusammenzuarbeiten. Mit dabei war auch der fünfjährige Sohn Ryan. Der saß jeden Abend in der Loge 1 auf dem Schoß von Kirstin Herpel, technische Leiterin der Ovag, um Papa und Mama verschwinden und wieder erscheinen zu sehen.

Eindeutig das Urteil von Comedian Steve Eleki, Publikumsliebling in Bad Nauheim: "Eine vergleichbare Show findet man nicht in Europa." Er selbst hat in den kommenden Wochen nur Gala-Einladungen angenommen, spielt im August für Prinzessin Stephanie in Monaco bei einer Diner-Show.

"Erwartungen übertroffen"

"Vorher hatte ich gehört, Bad Nauheim sei der beste Vertrag, den du bekommen kannst", erzählt Elena Drogaleva, die Jonglage-Queen im Stil von Marlene Dietrich. "Was wir aber hier erlebt haben, hat alle meine Erwartungen übertroffen. Gerne würde ich wiederkommen." Zunächst jedoch fliegt sie zurück nach Moskau, ehe im April die Saison beim Zirkus Krone beginnt.

Zu einem Abstecher nach Istanbul geht es für Seifenblasen-Künstler Ana Yang. "Dort tritt meine Tochter Melody für zwei Wochen mit einer eigenen Show auf. Die möchte ich unbedingt sehen." Hernach ist sie für drei Monate in Malaysia gebucht. Ana Yang: "Dann möchte ich mal wieder für eine Woche meine alte Heimat Vietnam bereisen."

Mit Sorgenfalten auf der Stirn treten Igor Bayback und seine vier Reck-Recken die Heimreise nach Kiew an. "Wir wissen überhaupt nicht, auf welchem Weg wir nach Hause kommen sollen. Wir haben gehört, dass viele Straßen gesperrt sind, weil sich so viele Menschen nach Kiew begeben." Eines steht für ihn fest: "Mit der jetzigen Regierung hat unser Land keine Zukunft."

In ihre angestammten Berufe in der Schweiz kehren die Artisten der Grusel-Comedy-Barren-Nummer D’Holmikkers zurück. Da sie in der Regel im Jahr nur ein Engagement annehmen, haben sie nach ihrem Auftritt in Bad Nauheim nun die Wahl: Zirkus Krone? Monte Carlo? Oder Flic Flac? Dessen Besitzer Benno Kastein kam wie über 40 Branchenkenner ins Dolce, um sich die Show anzusehen. Danach stand für dieses Urgestein des innovativen Zirkus fest: "Diese Schweizer muss ich für meinen nächsten Weihnachtszirkus haben."

Ans nächste Neujahr denken derweil offenbar schon viele Varieté-Besucher in der Wetterau, denn der Vorverkauf für 2015 läuft auf Hochtouren. Auf was sich die Besucher freuen dürfen, wenn sich der Vorhang dann wieder hebt: "Wir haben erstmals eine 14-köpfige Gruppe aus der Mongolei und einen Artisten, der an der Decke des Theaters läuft", macht Anne Naumann von der Ovag jetzt schon mal Lust und dämpft damit ein wenig die derzeitige Wehmut.

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