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Ein solches Bild ist in Corona-Zeiten trotz rückläufiger Zahlen wohl vorerst nicht denkbar. Das CDU-Weinfest in Bad Nauheim muss sehr wahrscheinlich zum zweiten Mal in Folge abgesagt werden. ARCHIVFOTO: CORINNA WEIGELT

Großveranstaltungen

Coronabedingte Absagen in Bad Nauheim? Klarheit herrscht nur beim Weinfest

  • Bernd Klühs
    vonBernd Klühs
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Läge die Corona-Inzidenz in Bad Nauheim derzeit bei 200, würden die Planer von Großveranstaltungen alles absagen. Doch die Zahlen sinken, Bürger hoffen auf etwas mehr Normalität. Zu Recht?

Vor wenigen Tagen sind in der Wetterau als erstem Landkreis Hessens die verschärften Regeln der Bundesnotbremse wieder aufgehoben worden. Die Corona-Inzidenz liegt hier seit geraumer Zeit unter 100, wegen des rasanten Impffortschritts gehen die Zahlen weiter zurück. Angesichts dieser erfreulichen Entwicklung sollte doch in Sachen Großveranstaltungen in Bad Nauheim einiges möglich sein. Doch der positive Trend bereitet den Verantwortlichen viel Kopfzerbrechen.

Zumindest in einem Fall herrscht weitgehende Klarheit. Das CDU-Weinfest Anfang September, größte Einzelveranstaltung in Bad Nauheim, wird sehr wahrscheinlich zum zweiten Mal in Folge abgeblasen. Das kündigt Vorsitzende Annette Wetekam an, auch wenn der Vorstand der Kurstadt-Union erst in knapp drei Wochen offiziell entscheiden wird. »Beim Weinfest wird sehr viel getrunken. Die Einhaltung von Abstandsregeln oder Maskenpflicht kann nicht garantiert werden, wenn reichlich Alkohol im Spiel ist«, sagt Wetekam.

Für ein Superspreader-Ereignis im dichten Gedränge möchte die CDU-Vorsitzende nicht verantwortlich sein. Die endgültige Entscheidung müsse in Kürze fallen, denn ein Event wie das Weinfest lasse sich nicht in sechs Wochen organisieren. Nur ein rasanter Rückgang der Inzidenz könnte laut Wetekam noch zu einem Umdenken führen.

Bad Nauheim: Keine Veranstaltungen im Sprudelhof

Die Christdemokraten müssen bei ihren Überlegungen nicht nur Corona berücksichtigen, sondern auch die Frage des Veranstaltungsorts. Der Sprudelhof wird wegen der Sanierung der Badehäuser mehr und mehr zur Baustelle, steht somit nicht zur Verfügung, »Mit der Stadt müsste über den Goldsteinpark oder die Trinkkuranlage als Alternative gesprochen werden«, sagt Wetekam. Das gilt auch für 2022, dann soll im Sprudelhof nämlich der neue Brunnen gebohrt werden, die Instandsetzung der Gebäude wird ebenfalls noch im Gange sein.

Für die CDU ist mit der Absage des Weinfests ein enormer Einnahmeausfall verbunden. Mit Wehmut denken die Christdemokraten ans erste September-Wochenende 2020 zurück. Bei herrlichem Wetter wären sicherlich rund 10 000 Besucher zum Fest geströmt. Um wenigstens an das Weinfest zu erinnern, wird über Infostände mit Weinausschank im September 2021 nachgedacht. Denkbar wäre das im Bundestagswahlkampf.

Im Bad Nauheimer Rathaus ist der Stand der Dinge ein anderer. »Manche Großveranstaltungen befinden sich im Stadium der Vorplanung, zum Beispiel das Elvis-Festival im August«, erklärt Erster Stadtrat Peter Krank. Verträge seien unterzeichnet, um das Großereignis mit dem gewohnten Programm über die Bühne bringen zu können. Allerdings müssten bei den großen Konzerten im Jugendstiltheater des Hotels Dolce sicherlich Abstriche bezüglich der Besucherzahlen gemacht werden. Laut Krank enthalten die schriftlichen Vereinbarungen mit den Musikern eine Ausstiegsklausel. Das heißt: Der jeweilige Auftritt kann vonseiten der Stadt storniert werden.

Bad Nauheim: Trinkkuranlage als Ausweich-Festmeile?

Über die Gestaltung des Festivals soll recht spät entschieden werden. Ob das von früher gewohnte Programm durchgezogen werden kann oder eine abgespeckte Version präsentiert werden muss, ist von der Entwicklung der Corona-Zahlen abhängig, die Krank vorsichtig optimistisch einschätzt. Gleiches gilt für das Jugendstil-Festival im September oder den Christkindlmarkt im Dezember. Für beide Fälle plant die Stadt mit der Trinkkuranlage samt Rosenallee und Umfeld der Dankeskirche. »Für diese Veranstaltungen ist die Trinkkuranlage ideal geeignet«, sagt der Erste Stadtrat.

Etwas anders gelagert sind die Voraussetzungen für die Bad Nauheimer Straßenkerb Anfang Oktober. Bei dieser Veranstaltung dürfte es weit schwieriger sein, Corona-konforme Bedingungen zu schaffen, auch wenn arg gebeutelte Schausteller, Gastronomen und Einzelhändler dieses Volksfest herbeisehnen. Bezüglich der Kerb möchte sich Krank nicht festlegen: »Das steht noch in den Sternen.«

Insgesamt will die Stadt möglichst flexibel reagieren, die endgültigen Entscheidungen weit nach hinten schieben. »Wir möchten nicht ganz so schnell alles absagen. Das eine oder andere wird den Leuten auf jeden Fall geboten«, betont der Erste Stadtrat.

2020: Ausfall oder Ersatzprogramme in Bad Nauheim

Im Corona-Jahr 2020 hatte sich die Stadtverwaltung bemüht, einen Teil der Großveranstaltungen zumindest nicht sang- und klanglos abzublasen. Das galt beispielsweise für das Elvis-Festival, das zu einem Wochenende mit deutlich abgespecktem, dezentralem Programm wurde. Dieses Mini-Programm kam trotzdem recht gut an. Aus dem Jugendstil-Festival wurde ebenfalls ein Wochenende, das zusammen mit dem Verein Erlebnis Bad Nauheim organisiert wurde. Im Fokus standen Auftritte der Salontänzer und ein verkaufsoffener Sonntag. Die Kooperation von Stadt und Erlebnis Bad Nauheim kam auch in der Adventszeit zum Tragen. Weil der Christkindlmarkt mitten in der zweiten Corona-Welle nicht veranstaltet werden konnte, gab es einige Stände, Musik und Kinderspiele in der City, um für etwas vorweihnachtlichen Flair zu sorgen.

Keine Chance und keine kleinere Alternative gab es dagegen für zwei weitere Großereignisse. Das Weinfest der CDU im September musste ebenso ersatzlos gestrichen werden wie die Kerb einen Monat später.

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