bk_Schnelltests1_170421_4c
+
Marc Englert (l.) und Jörg Mathes von der Solgrabenschule begrüßen die Schnelltests, damit Präsenzunterricht wieder angeboten werden kann.

Zweimal pro Woche

Ab Montag neues Schulfach im Wetteraukreis: Corona-Test

  • vonPetra Ihm-Fahle
    schließen

Am Montag beginnt in der Wetterau die Schule wieder. Kinder und Jugendliche, die zum Präsenzunterricht gehen, müssen künftig ebenso wie Lehrer Corona-Schnelltests in der Schule machen.

Bad Nauheim – Noch ist der Pausenhof der Bad Nauheimer Solgrabenschule leer, aber das Leitungsteam ist bereits vor Ort. Auch die Packungen mit Corona-Schnelltests für Schüler und Lehrkräfte sind bereits eingetroffen. Die Haltung von Solgraben-Schulleiter Jörg Mathes ist eindeutig: »Ich bin froh, dass es diese Tests gibt, und glaube, wir sollten am Montag einfach mal damit anfangen. Die ganzen Bedenken, Ängste und Kritik sollten wir beiseitelegen - dann lernen wir aus den ersten Tagen.«

Die Tests böten mehr Sicherheit, weshalb die Schule hoffe, schnell noch mehr Schülern Präsenzunterricht ermöglichen zu können. Es bringt nach Ansicht von Mathes nichts, im Vorfeld alles schlechtzureden. Seine beiden Kinder hätten den Test zu Hause hingekriegt. »Wir sollten optimistisch sein«, appelliert der 45-Jährige.

Sein Stellvertreter Marc Englert sagt: »Wir haben einen eigenen Elternbrief rausgeschickt und darin das Wesentliche niedergeschrieben.« »Darf mein Kind kommen?«, »Wird es getestet?« oder »Wie funktioniert der Test?« - solche und ähnliche Fragen seien beantwortet worden. Eltern müssten melden, ob ihr Kind sich am Test beteiligen dürfe. Bei Zustimmung müsse ein Formular zum Datenschutz ausgefüllt werden.

Mütter und Väter könnten aber auch eine Bescheinigung mitgeben, dass ihr Kind an einem kostenlosen Bürgertest teilgenommen hat. »Die Kur-Apotheke in Bad Nauheim bietet an, sich einmal pro Woche in der Garage testen zu lassen«, nennt der 35-Jährige ein Beispiel. Eine andere Möglichkeit sei das Covid-19-Testcenter der Johanniter auf dem Parkdeck Sprudelhof. Die Tests zu kaufen und selbst zu Hause vorzunehmen reiche hingegen nicht aus.

Corona-Testungen an Schulen im Wetteraukreis: Lieferung vom Schulamt

Die Tests habe die Bildungseinrichtung vom Staatlichen Schulamt in Bad Vilbel erhalten. Englert: »Wir haben so viel, dass es für die nächsten zwei bis drei Wochen reichen dürfte.« Momentan gingen die Rückmeldungen der Familien ein, wobei eine positive Resonanz zu beobachten sei. »Es herrscht bei den Kindern eine gewisse Neugier, die Tests zusammen zu machen«, schildert der stellvertretende Schulleiter.

Rund 700 Kinder und Jugendliche besuchen die Solgrabenschule. Nur die 5. und 6. Jahrgangsstufen sollen zunächst am Wechselunterricht teilnehmen. »Die Abschlussklassen kommen immer, aber werden in zwei Gruppen aufgeteilt. 7. und 8. Klasse sowie die 9. Realschulklasse haben Distanzunterricht.«

Getestet wird vermutlich montags und donnerstags. Geplant sei, den ersten Teil der ersten Stunde dafür zu verwenden, wobei Lehrer oder die Schulleitung für die Koordination verantwortlich zeichnen. Die Kinder müssten den Test selbst ausführen, Lehrer dürften es nicht machen. Per E-Mail habe die Schule Erklärvideos verschickt. »In einigen Klassenräumen ist es auch möglich, die Videos zu zeigen«, sagt Englert.

Sobald der Test gemacht sei, werde mit Abstand und Lüften gewartet, bis das Ergebnis vorliege. »Sollte ein Kind positiv getestet werden, wird ein Schulsozialarbeiter kommen und das Kind in einen sicheren Raum bringen. Die Schulleitung wird informiert und mit Gesundheits- sowie Schulamt und den Eltern in Verbindung treten.«

Corona-Testungen an Schulen im Wetteraukreis: Konrektorin kritisiert Strategie

Vor den Tests erkläre der Lehrer die Verhaltensregeln. »Wie wir den Kindern erläutern, kann ein positiver Test immer noch bedeuten, dass es nicht stimmt. Denn das Kind muss danach noch einen PCR-Test machen, um absolute Sicherheit zu bekommen.«

Die Schüler verhielten sich erfahrungsgemäß respektvoll. Das habe sich gezeigt, als mitunter Kinder mit Grippe- und Erkältungssymptomen abgeholt wurden. »Da haben die Schüler niemanden ausgelacht. Falls doch, erwarten wir von den Kollegen, entsprechend einzugreifen.«

Eine Konrektorin an einer Schule im Wetteraukreis, die namentlich nicht genannt werden will, hält von der Teststrategie indes nichts. »Ich sehe es nicht, dass die Kinder ihre Stäbchen selbst auspacken und den Test komplett vornehmen. Es gibt auch Eltern, die den Test für ihre Kinder nicht wollen.«

Corona-Testungen an Schulen im Wetteraukreis: Teilnahmepflicht

Laut hessischem Kultusministerium sind in den Schulen Möglichkeiten zu schaffen, damit sich Schüler und Lehrkräfte zweimal wöchentlich testen lassen können. Alternativ dürfen Schüler und Mitarbeiter von Schulen an einem kostenlosen Bürgertest in einer Teststelle teilnehmen. Die Teilnahme ist obligatorisch. Akzeptiert werden Nachweise, die mit zeitlichem Bezug auf den Beginn des jeweiligen Schultags nicht älter als 72 Stunden sind. Das bedeutet, dass alle Schüler, die weder einen Test vorweisen können, noch ihn in der Schule machen, zu Hause im Distanzunterricht beschult werden.

Eine Übersicht über alle Corona-Bürgerteststellen in Hessen gibt es unter folgendem Link: https://www.corona-test-hessen.de.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare