Noch bis zum 6. Oktober absolviert Florian Weyand seine Reha in Bad Nauheim. Er tut alles, um geistig und körperlich wieder der zu werden, der er vor seiner Covid-19-Erkrankung gewesen ist.
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Noch bis zum 6. Oktober absolviert Florian Weyand seine Reha in Bad Nauheim. Er tut alles, um geistig und körperlich wieder der zu werden, der er vor seiner Covid-19-Erkrankung gewesen ist.

Coronavirus

Long-Covid: 38-Jähriger macht Reha in Bad Nauheim

  • Christoph Agel
    VonChristoph Agel
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38 Jahre alt, keine Vorerkrankungen - Redakteur Florian Weyand wurde dennoch von Corona umgehauen. Auch zehn Monate später ist er noch lange nicht der Alte. In Bad Nauheim ist er zur Reha.

Bad Nauheim – Florian Weyand hatte über den ersten Corona-Fall in seinem Landkreis berichtet. Der 38-Jährige ist Redakteur in Bünde bei der Zeitung »Neue Westfälische«. Nun wird über ihn selbst berichtet. Weil ihn Corona getroffen hat. Heftig getroffen. Und weil er derzeit an der Median-Klinik am Südpark in Bad Nauheim eine Reha macht, die bis zum 6. Oktober verlängert wurde.

»Ich habe immer gedacht, es trifft nur die ältere Generation. Wenn ich mich infiziere, dann habe ich den berühmten Schnupfen«, sagt Weyand. Seit November vergangenen Jahres weiß er es besser. Mit Husten fing alles an, es ging ihm nicht gut, er war schlapp. Ein Test brachte das positive Ergebnis. Das Fieber stieg auf 40,5. »Völlige Abgeschlagenheit war das dann«, sagt Weyand. Und: »Nach und nach veränderte sich der Geschmack.« Er ging ganz weg, ebenso der Geruchssinn. Mehrere Monate lang machte der Mann aus Nordrhein-Westfalen Riechübungen, schnupperte dreimal am Tag an Kaffee, Nelke, Zimt und Knoblauch. Alles Zutaten mit markantem Geruch. Nicht so für Weyand, er roch gar nichts. Die Zeit verging, es wurde April. Der Redakteur stand am Herd, briet sich Pilze. »Das war das Erste, was ich wieder riechen konnte, das war wie ein Kick«, erinnert sich der 38-Jährige.

Rehe in Bad Nauheim: Noch immer Folgen des Coronavirus zu spüren

Der Geruchssinn ist wieder da, die körperliche und die geistige Abgeschlagenheit sind geblieben. Florian Weyand nahm im Laufe seiner Covid-Erkrankung 15 Kilo ab, viele Muskeln wurden abgebaut. »Einen Kilometer jogge ich, mehr geht nicht«, sagt der Patient zehn Monate nach Beginn seiner Krankheit. Im April hatte er mal versucht, Fußball zu spielen. »Nach drei Minuten habe ich es abgebrochen, weil ich gemerkt habe, dass meine Lunge brennt.« Dieses Brennen habe er jetzt zwar nicht mehr, er merke aber von der Luft her sein Ausdauer-Defizit. Und der Puls gehe sofort nach oben, obwohl er langsam laufe. Neulich ging Weyand in Bad Nauheim den Johannisberg hoch, legte Pausen ein, schaffte es.

Zusätzlich zu seinem Reha-Programm ist Florian Weyand so ehrgeizig, dass er jeden Tag ins Schwimmbad und ins Fitnessstudio geht. Sein Gewicht habe sich bei 76 Kilo eingependelt, vor Corona seien es 88 gewesen, sagt er. Die Kondition ist ebenfalls noch weit entfernt von der in früheren Zeiten.

Corona-Reha in Bad Nauheim: »Ich habe Namen vergessen, auch von Verwandten“

Nicht mehr fit zu sein, das nagte und nagt an dem Redakteur. Dabei geht es auch um geistige Fitness: »Ich habe Namen vergessen, auch von Verwandten, konnte mich an der Arbeit nicht mehr konzentrieren, hatte Nebel vor dem Kopf.« Das Selbstbewusstsein leide extrem darunter. In der Median-Klinik am Südpark werde so etwas in Einzel- und Gruppengesprächen thematisiert, sagt Weyand. Seit dem 18. August läuft seine Reha. Auf dem Programm stehen beispielsweise Entspannungsübungen, Musiktherapie, Gedächtnistraining. Wassergymnastik, Massagen, Bäderbehandlung. »Ich mache hier so viel Sport wie ich kriegen kann«, sagt Weyand. Er setzt darauf, dass er mit zunehmender körperlicher Fitness auch geistig wieder besser dabei sein wird.

Noch kann er sich nicht allzu sehr konzentrieren, »Lange Autofahrten, ab einer Stunde, ermüden mich schwer«, sagt Weyand. Nach Gruppengespräch und anschließendem Gehirntraining habe er sich erst mal hinlegen müssen. »Das sind so Sachen, die ich von früher nicht kannte.«

Das alles wegen eines Virus, von dem der 38-Jährige nicht weiß, wie er es sich eingefangen hat. Im März wurde er vier Tage lang in der Corona-Ambulanz durchgecheckt. »Ich habe keine Vorerkrankung, und ich weiß nicht, warum es mich getroffen hat - und die Ärzte wissen es auch nicht.« Sie vermuten, dass Weyand eine große Virenlast abbekommen hat. »Ich weiß jetzt, dass es ein langer Weg sein wird. Wahrscheinlich dauert es bis nächsten Sommer, bis ich ansatzweise das Niveau von vorher habe«, sagt Florian Weyand »Die Ärzte geben mir gute Signale.«

Was ihn wütend macht

»Wir haben uns sehr an die Regeln gehalten«, sagt Florian Weyand und meint damit seine Freundin, sich und den Umgang der beiden mit der Corona-Pandemie. Das Paar aus Nordrhein-Westfalen hat niemanden besucht und keine Gäste bei sich empfangen. Trotzdem infizierte sich Weyand mit dem Virus. Bei den Menschen, mit denen er Kontakt hatte, fiel der Test negativ aus. Seit August tut der 38-Jährige in seiner Reha in Bad Nauheim alles, um wieder der zu werden, der er vor seiner Erkrankung war. Umso mehr ärgert er sich über Schmierereien, die jemand in der Zanderstraße auf die Fahrbahn gesprüht habe, wie er sagt. Die Impfung sei lebensgefährlich, Corona sei für Kinder ungefährlich - solche Botschaften seien dort zu lesen gewesen. »Das hat mich wütend gemacht - mit Blick auf meinen Verlauf und mit Blick auf die, die gestorben sind.«

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