Kein Zutritt für Ungeimpfte - auch nicht mit tagesaktuellem Corona-Test. Das besagt die 2 G-Regel. Immer mehr Veranstaltungen setzen jetzt darauf.
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Kein Zutritt für Ungeimpfte - auch nicht mit tagesaktuellem Corona-Test. Das besagt die 2 G-Regel. Immer mehr Veranstaltungen setzen jetzt darauf.

Corona-Regeln

„Denkanstoß für Unentschlossene“: Acht Wetterauer sagen, was sie von 2G und 3G halten

  • VonLarissa Wolf
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2G oder 3G – Gastronomen und viele andere Betriebe können aktuell wählen, welchem Modell sie folgen. Aber: Setzen sie es auch durch? Acht Wetterauer erzählen von ihren Erfahrungen.

Friedberg – Wer zurzeit ausgehen will, der muss sich mit einer grundlegenden Frage beschäftigen: Folgt das Restaurant, das Hotel, der Club, der Friseur, zu dem ich will, der 2 G- oder 3 G-Regel? Die Betriebe in Hessen dürfen seit Mitte September wählen, welche Regel sie anwenden. In der Praxis bedeutet das: Ungeimpfte kommen auch mit tagesaktuellem Test nicht mehr überall rein, müssen sich vorher informieren, ob 3 G gilt. Die WZ hat acht Wetterauer Bürger und Bürgerinnen zu ihrer Meinung und ihren Erfahrungen befragt.

Siri Schäffler (15) ist nicht geimpft. Die Schülerin kann demnach nur dahin, wo die 3 G-Regel gilt. »Ich war letztens mit Freundinnen in einem Bad Vilbeler Restaurant. Wir wurden zwar nach einem Nachweis gefragt, aber nicht überprüft«, sagt sie. Unsicherer habe sie sich dadurch nicht gefühlt. »Ich habe nicht weiter darüber nachgedacht. Aber es macht einfach sehr wenig Sinn, zu fragen und nicht zu prüfen, ob es auch stimmt.« In ihrem Turnverein hingegen müsse sie sich testen, was sehr genau und konsequent überprüft werde. »Ich will mich auf jeden Fall bald impfen lassen«, sagt sie.

Karlheinz Wolf (73) hatte beim letzten Friseurbesuch unter 2 G seinen Impfpass vergessen. »Ich bin dort seit 15 Jahren Kunde, trotzdem haben sie mich heimgeschickt, um den Nachweis zu holen«, sagt er. Diese Konsequenz finde er gut - das spreche für den Laden. Dass die Regeln nicht einheitlich für alle Betriebe gelten, verunsichere ihn. »Ich bin für 2 G. Es erhöht die Sicherheit der Allgemeinheit, wenn viele geimpft sind«, sagt er. Bei einem Restaurant mit 3 G sei er zuletzt nicht kontrolliert worden. »Man fühlt sich gleich unsicherer, obwohl die Abstandsregeln eingehalten wurden.« Die Konsequenz? »Ich werde meine Enkel nicht mehr dahin mitnehmen.«

Umfrage in der Wetterau zu 2G und 3G: „Denkanstoß für Unentschlossene“

Kim Berner (27) ist immer unterwegs. Die Jura-Studentin hat verschiedene Erfahrungen gemacht. »In einem Frankfurter Restaurant wurde ich kontrolliert und musste wieder gehen, weil es noch drei Tage bis zum vollen Impfschutz waren«, erzählt sie. Aber nicht alle prüfen so konsequent. »Woanders hieß es nur ›Ihr seid doch geimpft, oder?‹, ohne, dass jemand den Nachweis sehen wollte. So könnte ja jeder sagen, dass er geimpft ist.« Wieder andere hätten nicht danach gefragt. »Es kann nicht sein, dass einer die Regeln einhält und der andere fragt erst gar nicht. Da ist es vollkommen egal, ob 2 G oder 3 G«, sagt sie. »Es sollte einfach einheitlich sein.«

Conny Jäger (54) hat in Bad Nauheim sehr gute Erfahrungen gemacht. »Wir waren noch nicht viel unterwegs, seit wieder alles geöffnet hat. Wir sind vorsichtig, weil unsere Tochter Risikopatientin ist«, sagt die Steinfurtherin. Das Bad Nauheimer Restaurant, in dem sie zuletzt war, könne sie da nur empfehlen. »Wir wurden kontrolliert und haben gesehen, dass Leute ohne 3 G-Nachweis weggeschickt wurden«, sagt sie. So habe sie sich wohl und sicher gefühlt. »Betriebe sollten außerdem darauf hinweisen, welche Regel bei ihnen gilt.«

Christian Wölflick (40) ist im Schützenverein aktiv. Dort habe der Vorstand vor kurzem die 2 G-Regel eingeführt. »Jetzt können wir alle Schießstände wieder voll besetzen, was unter 3 G nicht möglich war«, sagt der Zerspanungsmechaniker. So hätten auch keinerlei Wettkämpfe stattfinden können. Für Wölflick sei die 2 G-Regel eine geeignete Übergangslösung. »Normalität und Lebensqualität hängen zusammen. 2 G ist ein Denkanstoß für die Unentschlossenen.«

Umfrage in der Wetterau zu 2G und 3G: „Kein Garant für ein geringeres Risiko“

Vivien Burkhardt (26) ist nicht geimpft. Eine Nadel- und Spritzenphobie halte sie davon ab. »Ich gehe zum Glück nicht viel aus. Aber wenn es wichtig ist, dann bezahlt man den Test«, sagt die Chemielaborantin. »Das ist alles eine Sache von Prioritäten.« Ihrer Meinung nach müssten auch Geimpfte und Genesene regelmäßig getestet werden. »Sie können das Virus ja trotzdem noch übertragen. 2 G ist kein Garant für ein geringeres Risiko.«

Ute Ehlenberger (50) wundert sich, dass viele Betriebe die Nachweise nicht richtig überprüfen. »Es gibt ja eine Vorgabe. Ob es nun 2 G oder 3 G ist, es muss kontrolliert werden.« Wer das nicht mache, setze sich selbst einem Risiko aus. »Ich könnte ja auch kein Gast, sondern eine Kontrolleurin sein. Dann gibt’s Ärger.« Den Trend zur 2 G-Regel findet die Lehrerin gut. »Das ist die logische Fortführung aller Maßnahmen, damit wir etwas Normalität zurückbekommen.« Jeder müsse die Entscheidung selbst treffen, ob er oder sie sich impfen lassen möchte. »Aber die geimpften 75 Prozent der Menschen werden nicht ewig Rücksicht darauf nehmen können.«

Jan Frische (33) sieht die 2 G-Regel besonders in der Kulturbranche im Kommen. Der Dirigent von sechs Wetterauer Chören sagt, er sei froh über diese Entwicklung. »Die Vereine und Chöre können so endlich Veranstaltungen machen, die Sinn ergeben«, sagt er. Unter 3 G hätte man weder den Saal vollmachen, noch offene Speisen und Getränke verkaufen können. Und das Wichtigste: »Man hätte unter 3 G im geschlossenen Raum so gar nicht singen dürfen. Unter 2 G müssen wir uns über nichts mehr Gedanken machen.« Für die Kulturbranche sei die Einführung der 2 G-Regel die Rettung. Frische: »Noch ein Jahr wie das letzte, und mit den Vereinen ist es vorbei.«

Für Diskussionen sorgte jüngst, dass die Stadt Bad Nauheim für ihre Kulturveranstaltungen die 2G-Regel angekündigt hat. Die Corona-Regel gilt ab Ende Oktober.

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