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Dieses Bild ist anlässlich der Fahnenweihe des Gesangvereins Frohsinn im Jahre 1913 aufgenommen worden. Auch heute noch befindet sich die Fahne in Vereinsbeitz und wird zu besonderen Anlässen präsentiert.

175 Jahre wird im Rosendorf gesungen

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Bad Nauheim-Steinfurth (pm). Sechs Männern ist es zu verdanken, dass der Gesangverein Frohsinn Steinfurth auf sein 175-jähriges Vereinsbestehen zurückblicken kann, denn sie haben im Jahre 1846 den Verein gegründet. Der Lehrer Johann Christian Müller wurde erster Dirigent und dirigierte fortan 16 Männer in seinem Chor. Der Gesangverein wurde zu einem kulturellen Mittelpunkt in Steinfurth.

Die Familie Freiherr von Löw stiftete die erste Vereinsfahne, die bis ins Jahr 1913 in Ehren gehalten wurde. Diese ist leider nicht mehr vorhanden, alte Urkunden sind verloren gegangen, und es hat sich nur wenig Greifbares aus jener Zeit in die Gegenwart retten können. So zum Beispiel ein handgeschriebenes, selbst gebundenes Liederbuch aus dem Gründungsjahr - ein wertvolles Erinnerungsstück mit wahren Liedschätzen, die teilweise heute noch gesungen werden.

Amerikaner erlaubten Neustart

Im Juni 1913 feierte der Verein die zweite Fahnenweihe. Die ältesten verbliebenen Fotografien stammen von diesem Fest, an dem große Teile der umliegenden Bevölkerung teilnahmen. Noch heute befindet sich die Fahne in Vereinsbesitz und wird zu besonderen Anlässen präsentiert.

Während des Ersten Weltkriegs ruhte das Vereinsleben zwangsläufig, und erst in den Goldenen 20er Jahren wuchs der Verein wieder auf 89 Sänger an. Die Entwicklung verlief zunächst sehr erfolgreich: Der Verein nahm am ersten und am zweiten Hessischen Bundes-Sängerfest 1926 in Mainz und am Deutschen Sängerbundfest 1932 in Frankfurt teil. Aber mit dem Zweiten Weltkrieg wurde es erneut still um die Steinfurther Sänger. 1947 reichte der Verein bei der amerikanischen Besatzungsmacht einen »Bewerbungsantrag zur Bildung eines Erwachsenenclubs« ein. Der Antrag wurde genehmigt - diese Genehmigung ist noch heute im Vereinsarchiv einsehbar. In den nachfolgenden Jahrzehnten gedieh der Frohsinn förmlich. In einem Artikel der WZ vom Dezember 1954 äußerte sich Dirigent und Hauptlehrer Gesser: »Ich kenne die Dialektschwierigkeiten der Wetterauer Vereine und lege deshalb besonderen Wert auf Stimmbildung und gute Aussprache. Ein reiner und ausgeglichener voller Chorklang in Verbindung mit einer schön scharf artikulierten Aussprache ist die Grundlage eines vorbildlichen Chorgesangs.« Dass sich die Stimmbildung lohnte, zeigten die Erfolge: Der Chor erarbeitete sich 1957 die Verleihung der Zelterplakette durch den damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuss. 1958 verlieh das Regierungspräsidium Darmstadt dem Chor die silberne Ehrenplakette. Außerdem trat der Chor bei vielen Bundesleistungs- und Wertungssingen auf.

Theater, Karneval und Rosenfeste

Aus dem dörflichen Vereinsleben war der Gesangverein Frohsinn 1846 Steinfurth nicht mehr wegzudenken. Ab den 50er Jahren fanden jährlich Theater- und Familienabende statt, aus denen 1960 die erste Karnevalssitzung hervorging. Die damals noch jährlich stattfindenden Rosenfeste wurden mit Gesang und eigenen Rosenkorsowagen begleitet - das ist noch heute so. Weinfeste, Liederabende, öffentliche und private Auftritte jeder Art prägen den geselligen Verein.

1985 wurden ein Frauenchor gegründet und das Repertoire erweitert. Zu besonderen Gelegenheiten konnte man so auch mit dem Männerchor als gemischter Chor auftreten. Im November 1997 wurden der Chor Crescendo gegründet, ein zweiter Frauenchor, der sich vom ersten durch die Präferenz weltlicher Chorliteratur unterscheidet.

130 aktive und passive Mitglieder halten dem Verein heute die Treue. Frauen- und Männerchor werden seit zwölf Jahren von Volker Kolle aus Frankfurt dirigiert, die »Crescendos« haben vor fünf Jahren den Bönstädter Dirigenten Jan Frische gewinnen können. Seit 2013 hat Regina Wolf aus Steinfurth den Vorsitz: die erste Frau in der langen Geschichte des Gesangvereins.

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