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Samuel Punto will Geschichten erzählen. Um das umzusetzen, hat der 17-Jährige das Filmen als Form gewählt. Bilder, Ton und Musik kann er dabei vereinen.

In LA eigenen Film präsentiert

17-jähriger Bad Nauheimer zeigt seinen Film in Los Angeles

  • VonPetra Ihm-Fahle
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Was Zuschauer im Kinosessel als Ausbruch aus dem Trott empfinden mögen, gehört für Samuel Punto fest zum Leben. Der 17-jährige Bad Nauheimer dreht Filme, womit er sehr erfolgreich ist.

Bad Nauheim – Der Moment, wenn das Licht ausgeht und der Film beginnt. Samuel Punto ist noch voller Eindrücke von Los Angeles. Dort war der 17-jährige Bad Nauheimer kürzlich mit seiner Mutter, denn in der kalifornischen Stadt wurde sein zweiter Film aufgeführt. Schauplatz war das »Dances with Films Festival«. Der siebenminütige Kurzfilm heißt »Verzerrung«. Bereits Samuels erster Film »The Cycle« gewann auf Anhieb zwei wichtige Filmpreise (diese Zeitung berichtete).

Der junge Mann war schon immer daran interessiert, Geschichten zu erfinden, wie er im Fotostudio seines Stiefvaters Marwan El-Mozayen in Bad Nauheim schildert. »Das macht mir Spaß. Wenn ich mit meinem Bruder gespielt habe etwa. Dann haben wir Rollenspiele gemacht.« Er überlegte sich dabei verschiedene Arten des Erzählens. Kurzzeitig erwog er, zu schreiben. »Aber dann sagte ich mir, das Filmemachen ist besser. Es beinhaltet Bilder, Ton und Musik. Ich kann dabei verschiedene Arten der Geschichtserzählung kombinieren, alles in einem. Das finde ich am Filmen so genial.«

Bad Nauheimer Filmemacher präsentiert „Verzerrung“: Gewalt, die eskaliert

»Verzerrung« ist ein experimenteller Streifen. Es geht um zwei Gruppen maskierter Figuren, die anfangen, einander als Feinde anzusehen, obwohl sie es nicht müssen. »Der Plot befasst sich mit der Eskalation von Gewalt. Man sieht so oft, wie sich Streitigkeiten grundlos zuspitzen. Und die Menschen scheinen sich gegenseitig die Schuld zuzuschieben«, sagt Samuel.

Er und seine Mutter flogen am Donnerstag vorletzter Woche zu dem Filmereignis in die USA, kamen am Dienstag vergangener Woche zurück. »Es war schön, sowohl das Festival, als auch die Stadt«, erzählt Samuel.

Viele interessante Beiträge gab es dort, die ihn teilweise inspirierten. »Andere Filmemacher kennenzulernen, war toll.« Das Gefühl, in der Stadt der Filme zu sein, fand er großartig. Als sie ankamen, war das Festival schon voll am Laufen. »Es war spannend, meinen Film in so einem großen Kino zu sehen. Die Leute, die da waren, schienen ihn sehr zu mögen.« Samuel wurde auf die Bühne im »TCL Chinese Theatre« gerufen, wo er Fragen beantwortete.

Mittlerweile arbeitet er schon am dritten Projekt. Im Sommer fingen er und die anderen Beteiligten damit an. Samuel hat dabei die Funktionen des Drehbuchschreibers, des Regisseurs und des Editors, sprich, er arbeitet am Schnitt. Es handelt sich um ein Produkt der Gattung Film Noire. »Es geht um Detektive, die versuchen, ein Rätsel zu lösen, und um den Effekt, den das Rätsel auf den Hauptcharakter hat.« Einen Film über Corona und Verschwörungstheorien, zurückverlegt in die 50er Jahre, hat er erst mal auf Eis gelegt.

Samuel Punto aus Bad Nauheim will verstärkt als Regisseur arbeiten

Bisher schauspielerte Samuel in seinen Filmen. Im ersten hatte er die Hauptrolle, im zweiten und dem aktuellen sind es aber nur kleinere Auftritte. Künftig will er sich vermehrt auf den Job des Regisseurs konzentrieren. Bei »Verzerrung« wirken seine Familienangehörigen und Freunde mit, Stiefvater Marwan, Mutter Charys Schuler, Bruder Ethan, Klassenkamerad Thorben Neuheuser und Akemi Mercer-Nierwöhner, eine Freundin der Mama. Filmische Vorbilder sind für Samuel Alfred Hitchcock, Stanley Kubrick und Martin Scorsese. »Ich könnte eine ganz Seite vollschreiben mit Namen, die mich inspiriert haben«, sagt er und strahlt.

Samuel Punto möchte Filme drehen, die er selbst schauen würde. Kinder- und Jugendfilme sind das nicht. Das ist der Grund, weshalb an seinen Produktionen vornehmlich Erwachsene beteiligt sind. Seine Filme sind sehr künstlerisch. Die Musik zu »Verzerrung« mixten er und seine Mutter, die Geige im HR-Sinfonieorchester spielt.

Beruflich plant Samuel Punto momentan, etwas mit Filmen zu machen und eine entsprechende Hochschule zu besuchen. Woher er die Ideen hat, kann er nicht genau sagen. »Es gibt dafür keinen Zeitpunkt, sondern es passiert hin und wieder einfach.« Das Filmen sieht er nicht als Hobby oder schönes Familienprojekt, sondern als Arbeit. Er will es professionell machen und entsprechend verlaufen die Drehs. Samuel dreht, um zu erzählen.

Bald auf Youtube

Der Film »Verzerrung«, auf Englisch »Distortion«, wird bald auf Youtube zu sehen sein. »Pinkseal Productions« heißt der Kanal. Dort findet man auch den ersten Film »The Cycle« von Samuel Punto. Mit »Verzerrung« war der junge Bad Nauheimer übrigens nicht nur in Los Angeles beim »Dances with Films Festival« eingeladen, sondern er erhielt auch den »Silver Award« bei den »Latitude Film Awards« und verschiedene andere Auszeichnungen.

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