"Warum gibt es Eltern, die im Schwimmbad nicht auf ihre Kinder aufpassen?" Zum Glück war Tamara Gebsattel zur Stelle, als der fünfjährige Junge zu ertrinken drohte
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"Warum gibt es Eltern, die im Schwimmbad nicht auf ihre Kinder aufpassen?" Zum Glück war Tamara Gebsattel zur Stelle, als der fünfjährige Junge zu ertrinken drohte

15-jährige Bad Nauheimerin rettet Jungen das Leben

Bad Nauheim/Friedberg (cor). "Groß nachgedacht habe ich nicht, ich habe einfach gehandelt", sagt die 15-jährige Tamara Gebsattel heute, wenn sie sich an die Situation im letzten Urlaub erinnert.

Die Bad Nauheimerin hat einen fünfjährigen Jungen im Schwimmbad vor dem Ertrinken gerettet. Zugute kam der Schülerin dabei ihre langjährige Erfahrung bei der DLRG Friedberg-Bad Nauheim. "Tamara konnte die Situation schon früh genug als Gefahr für den Schwimmer erkennen und dementsprechend handeln", sagt die Vorsitzende Marlies Krell-Moder. Die DLRG ehrte die junge Lebensretterin bereits, ein Dankeschön von der Familie des Geretteten hat Tamara aber nicht erhalten.

Juni 2013: Gemeinsam mit ihren Eltern verbringt die Realschülerin ihren Urlaub in Bad Münstereifel. Tamara, zu jener Zeit noch Jugendschwimmerin bei der DLRG, besucht an einem Nachmittag das städtische Schwimmbad. Während sie ihre Bahnen zieht, bemerkt sie einen kleinen Jungen alleine im Wasser. Kurze Zeit später ist er plötzlich verschwunden. "Ich bin sofort abgetaucht, sah ihn strampelnd unten im Wasser." Die Schülerin schwimmt zu ihm und holt ihn an die Wasseroberfläche. Sie spricht ihn an, erklärt ihm, er solle sich an ihren Schultern festhalten. Der Kleine umklammert ihren Hals, Tamara schwimmt mit ihm zum Beckenrand. Dort ist der Bademeister gleich zur Stelle, er nimmt ihr den Jungen ab, spricht mit ihm und übergibt ihn seiner Mutter.

Die sei während des Vorfalls abgelenkt gewesen, habe ihr Kind dann aber gleich umarmt – und sei gegangen. Ob sie überhaupt erkannt hat, dass Tamara zuvor ihren Sohn gerettet hat, weiß die Schülerin nicht. "Sie stand wohl unter Schock."

Als Marion und Harald Gebsattel später ihre Tochter aus dem Schwimmbad abholen, stellt Tamara im Auto eine wichtige Frage: "Warum gibt es Eltern, die im Schwimmbad nicht auf ihre Kinder aufpassen?"

Die Schülerin, seit 2005 bei der DLRG, erzählt ihren Eltern von dem Vorfall. Die sind schockiert. "Mit dem Seepferdchen ist das doch nicht getan", sagt Marion Gebsattel und appelliert an die Aufmerksamkeit der Eltern. "Kinder gehören im Schwimmbad überwacht."

"Eine außergewöhnliche Situation", sagen Thomas Mahr (technischer Leiter) und Arved Bielmeier (Rettungsschwimmausbilder) von der hiesigen DLRG. "Was Tamara da geleistet hat, ist etwas Besonderes, das Anerkennung verdient." Ohne Schulung hätte nicht jeder Schwimmer so reagieren können. Gerade die Ehrung junger Mitglieder sei daher wichtig. "Sie hat in der Situation instinktiv richtig gehandelt." Krell-Moder: "Ich bin stolz auf solche Mitglieder. Es zeigt sich, dass unsere Ausbildung Früchte trägt."

Rund 800 Mitglieder zählt der örtliche Schwimmverein derzeit. Vom Schwimmkurs über das Seepferdchen bis hin zum Deutschen Jugendschwimmabzeichen in allen drei Leistungsstufen erstreckt sich das Angebot für Kinder und Jugendliche. Kinder ab fünf Jahren lernen im Badbrunnen, im Außenbecken und auf vier Bahnen das Schwimmen und steigern sich bis zum Junior-Retterabzeichen. Auch Tamara ging diesen Weg. Fortlaufend werden auch Rettungsschwimmausbildung und Fortbildungen bei der DLRG angeboten. Zusätzlich gibt es ein Konditionstraining für Rettungsschwimmer.

Tamara hat das Erlebte motiviert. Mittlerweile ist sie bei den Rettungsschwimmern, absolviert gerade das Deutsche Rettungsschwimmabzeichen in silber. "Ins Schwimmbad gehe ich nach wie vor ganz entspannt", sagt sie heute. "Trotz allem hoffe ich, dass so etwas nicht noch einmal passiert."

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