Früher eine Plage, stehen Feldhamster heute unter Schutz. Bei Beienheim leben noch etwa 20 Exemplare. FOTOS: DPA/JWN
+
Früher eine Plage, stehen Feldhamster heute unter Schutz. Bei Beienheim leben noch etwa 20 Exemplare. FOTOS: DPA/JWN

Nur noch wenige Tiere

Vom Aussterben bedroht: Feldhamster in Not

  • vonJürgen W. Niehoff
    schließen

Früher vielerorts zu finden, ist der Feldhamster heute vom Aussterben bedroht. In der Wetterau gibt es noch einige Tiere. Ob und wie die Art überleben kann, erklärt Hamsterschützerin Melanie Albert.

Der Feldhamster ist unser Berggorilla. Er ist inzwischen genauso selten. Aber stirbt einer der Gorillas, gibt es weltweit Aufregung. Soweit haben es unsere Feldhamster noch nicht gebracht", sagte Biologin Melanie Albert. Sie leitete die Exkursion am Sonntagmorgen, zu der die Arbeitsgemeinschaft Feldhamsterschutz der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz nach Beienheim eingeladen hatte. Die Wetterau ist einer der wenigen verbliebenen Lebensräume der Feldhamster in Hessen.

1998 hat sich die AG als Initiative von Ehrenamtlichen gebildet, die sich dem Schutz des Hamsters verschrieben hat. Die Gruppe hat viele Entwicklungen angestoßen, etwa die landesweite Erfassung, das Erstellen von Artenhilfskonzepten und den Aufbau einer Auffangstation und Erhaltungszucht. Um auf den bedrohten Nager aufmerksam zu machen, bietet die AG auch Ausflüge in Gebiete an, in denen Feldhamster noch vorkommen - wie in Beienheim. Hier soll es etwa 20 Tiere geben.

Auch wenn er als Kuscheltier in vielen Kinderzimmern zu finden ist, hatte doch keiner der neun Exkursionsteilnehmer je einen lebenden Feldhamster gesehen. "Zum einen gibt es nur noch sehr wenige Exemplare, zum anderen sind Hamster nachtaktiv, weil sie ideale Beutetiere für Greifvögel, Füchse und andere Raubtiere sind", sagte Albert. Zwei Bauern ergänzten: "Und ganz besonders für Störche. Sie richten inzwischen großen Schaden in der Tierwelt an, weil sie alles fressen, was ihnen in die Quere kommt."

Ursprünglich waren die Feldhamster in Europa und Asien bis Sibirien millionenfach heimisch. In dieser großen Anzahl waren die kleinen "Architekten unter dem Acker" für die Bauern eine Plage, weil sie die Felder meist bis in eine Tiefe von zwei Metern untertunneln und die Ernte auffressen. Für jeden erlegten Hamster wurden deshalb Prämien gezahlt. Ihre Felle wurden für das Innenfutter von Kleidungsstücken verwendet.

Weniger Nachwuchs

Nach Schätzungen von Umweltverbänden soll die Population der Feldhamster seit den 50er Jahren um 99 Prozent zurückgegangen sein. Demnach soll es nur noch geschätzte 10 000 Exemplare in ganz Deutschland geben. "Wenn sich nichts ändert, wird der Feldhamster in den nächsten 30 Jahren aussterben", warnt auch die IUCN, die Weltnaturschutzunion; sie erstellt die Rote Liste der gefährdeten Tier- und Pflanzenarten.

Fachleute führen den Populationsrückgang in Westeuropa unter anderem darauf zurück, dass den Tieren die riesigen Monokulturen auf den Feldern nicht guttun. Auch werde anders als früher schneller geerntet und den Hamstern damit innerhalb von Stunden der Lebensraum genommen. Zwar seien viele deutsche Bauern längst hamsterfreundlich, weil sie seit etwa 20 Jahren Streifen mit Wildpflanzen zwischen Feldern stehen lassen oder auch nur später ernten. "Doch das hat den Rückgang allenfalls verlangsamt, nicht aber gestoppt", sagt Albert, die als Regionalkoordinatorin "Feldhamsterland" die einzige hauptamtliche Hamsterschützerin Hessens ist.

Der Populationsrückgang ist ihrer Meinung nach auch darauf zurückzuführen, dass viele Feldhamster nicht mehr zweimal im Jahr Nachwuchs bekämen, sondern nur noch einmal. Dann brächten sie auch nicht mehr acht oder zehn Junge zur Welt, sondern höchstens drei.

Warum braucht die Welt überhaupt Feldhamster? "Sie sind als klassische Beutetiere in eine riesige Nahrungskette eingebunden", erklärt Albert. Raubvögel, die keine Hamster mehr finden, müssten kleinere Nager jagen und dafür öfter ausfliegen, was auch ihr Leben durcheinanderbringe. Außerdem würden die Hamster durch das Graben ihrer tiefen Bauten die Äcker "belüften".

Da es nur noch wenige Orte in Deutschland mit Hamstern gebe, sollte vor allem auf großflächige Monokulturen verzichtet werden, fordert Albert. Lieber sollte man wieder auf kleinteiligere Anbaufläche mit zwei bis drei Hektar setzen. Eine Größenordnung, die sich aber höchstens für Landwirte im Nebenerwerb rechnet.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare