dab_geo2_170921
+
Das riesige Bohrgerät ist mit einem Tieflader angeliefert worden. Die Bohrung wird voraussichtlich noch bis Montag andauern.

Auf der Suche nach Erdwärme

  • VonRedaktion
    schließen

Lohnt es sich, das geplante Baugebiet »Eichmorgen« in Düdelsheim mit Erdwärme zu versorgen? Um diese Frage zu beantworten, wird dort gerade eine Erkundungsbohrung durchgeführt. Büdingen ist die einzige Wetterauer Kommune, in der die Landes-Energie-Agentur entsprechende Arbeiten beauftragt hat.

Erdwärme bezeichnet die im Erdinneren gespeicherte Wärme sowie deren energetische Nutzung. Erdwärme zählt zu den erneuerbaren Energien. Damit können Gebäude klimafreundlich geheizt und gekühlt werden - nachhaltig, effizient und immer verfügbar.

Nur: Das Nutzungspotenzial ist nicht an allen Stellen gleich, sondern abhängig von der Bodenbeschaffenheit. Um zu klären, ob das Neubaugebiet in Düdelsheim mit Erdwärme versorgt werden könnte, hat die Stadt Büdingen sich erfolgreich um die Teilnahme an einem landesweiten Projekt beworben. Seit Donnerstag wird dort gebohrt - bis in eine Tiefe von 100 Metern.

Insgesamt führt die Landes-Energie-Agentur im Auftrag des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen in diesem und kommendem Jahr in 17 hessischen Kommunen solche oberflächennahe Erkundungsbohrungen durch.

Bürger dürfen zuschauen

Aus den Daten ermittelt das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie dann das nutzbare Erdwärmepotenzial. Die Ergebnisse werden im Anschluss veröffentlicht und sollen Kommunen sowie privaten Bauherren als Planungsgrundlage für Geothermieanlagen dienen.

Im vorigen Jahr hatte Büdingen Interesse bekundet, Teil des Projekts zu werden. Denn die Stadt prüft bereits gemeinsam mit den Stadtwerken, ob für das Düdelsheimer Baugebiet ebenso wie für das Baugebiet »Vorm Weides« in Eckartshausen eine zentrale Nahwärmeversorgung unter Nutzung regenerativer Energiequellen realisiert werden könnte. Neben Holz und Solarthermie könnte auch Geothermie eine Option für eine nachhaltige und klimaschonende Wärmeerzeugung sein. Die Ergebnisse der Bohruntersuchung sollen in die weiteren Überlegungen einbezogen werden.

Aber nicht nur für Fachleute ist das Projekt interessant: Auch die Bürger sind eingeladen, die Bohrstelle oberhalb der Straße »Am Kraftenborn« zu besuchen und sich ein Bild von den Arbeiten zu machen. »Gleichartige Bohrungen werden durchgeführt, wenn ein Gebäude mit Energie aus Erdwärme versorgt werden soll«, erklärt Jochen Heyermann, Betriebsleiter Gas, Wasser, Wärme der Büdinger Stadtwerke.

Das riesige Bohrgerät ist mit einem Tieflader angeliefert und am Mittwochabend aufgebaut worden, sodass die Bohrung wie geplant am Donnerstagmorgen beginnen konnte. Weil die Arbeiten gut vorankamen, konnten sie noch am selben Tag abgeschlossen werden. Ursprünglich war die Bohrung bis Montag vorgesehen.

Wärmeleitfähigkeit wird bestimmt

Heyermann erklärt den Vorgang: »Ein Bohrmeißel an der Spitze des Bohrgestänges arbeitet sich bis auf eine Tiefe von 100 Meter vor. In der Bergmannsprache nennt man dies ›abteufen‹.« Das dadurch gelöste Gesteinsmaterial werde mit Wasser nach oben befördert. Dabei würden kontinuierlich Proben zur geologischen Beschreibung entnommen.

Wenn die geplante Bohrtiefe erreicht ist, wird das Bohrgestänge ausgebaut. Danach wird eine Erdwärmesonde in das Bohrloch eingelassen. Sie besteht aus zwei U-förmigen Kunststoffrohren. Das Bohrloch wird anschließend mit einer Zement-Bentonit-Suspension verfüllt. Heyermann: »Das ist erforderlich, um die Erdwärmesonde mit dem umgebenden Gestein fest zu verbinden. Damit wird ein hoher Wärmeaustausch zwischen Sonde und Erdreich erreicht. Zudem wird das Bohrloch gegen grundwasserführende Schichten abgedichtet.«

Danach untersucht das Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie die Proben. Eine Fachfirma führt ein bis zwei Wochen nach Einbau der Erdwärmesonde einen »Thermal-Response-Test« durch. »Dafür wird die Erdwärmesonde an eine Versuchsanlage angeschlossen«, erläutert Heyermann. »Mit diesem Test wird die Wärmeleitfähigkeit des Untergrunds bestimmt. Ergänzend wird in der Erdwärmesonde die Temperatur des Untergrunds ermittelt.« Danach wird sich genauer sagen lassen, ob Erdwärme in dem Baugebiet genutzt werden kann.

Wie hoch ist das Erdwärmepotenzial? Eine Erkundungsbohrung in Düdelsheim soll die Planung von Geothermieanlagen in der Region erleichtern.
Zwei Mitarbeiter der mit der Bohrung beauftragten Firma Geowell verlängern gerade das Bohrgestänge.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare