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Heimatforscher Erich Harth hat in akribischer Arbeit das Dauernheimer Familienbuch, eines der ältesten in Hessen, transkribiert und digitalisiert. Er ermöglicht damit lebenden und kommenden Generationen einen Zugang zu ihren Wurzeln.

Auf der Suche nach den Wurzeln

  • VonInge Schneider
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Der Ober-Mockstädter Heimatforscher Erich Harth ist eine Ausnahmeerscheinung in dieser Serie. Wo andere ihre Leidenschaft für Briefmarken und Münzen entdecken, konzentriert er sich auf die Familien im alten Dauernheim - und somit auf die Wurzeln vieler Menschen in der Wetterau und in der weiten Welt, die nach ihrer Herkunft fragen.

Erich Harth ist gebürtiger Dauernheimer, dessen Eltern aus Ober-Mockstadt stammten. Er interessierte sich schon während seiner Laufbahn als Postbeamter für die Vergangenheit beider Dörfer. »Nachdem ich wiederum nach Ober-Mockstadt eingeheiratet hatte, zeigte mir mein Schwiegervater Karl Mickel seine Unterlagen zu den Familien des Ortes«, berichtet Harth. Was er damit vor sich hatte, waren die Wurzeln des modernen Ober-Mockstädter Familienbuches, das mit über 18 000 Einträgen heute online zu finden ist.

Harth hebt die Verdienste seines Ober-Mockstädter Forscherkollegen Hans Zaminer hervor, der diese Sammlung in jahrzehntelanger Arbeit aus historischen Kirchenbüchern transkribiert, bearbeitet, zu Familien zusammengestellt und digitalisiert hat. Beide Männer sind Mitglieder der 1995 gegründeten Abteilung Heimatgeschichte des Kulturvereins Dauernheim. »Hans sagte zu mir: ›Wenn ich mich auf Ober-Mockstadt konzentriere, dann übernimm du doch das Familienbuch von Dauernheim.‹ «

Rarität in Hessen

Tatsächlich verfügte Harth erst nach seiner Pensionierung über ausreichend Zeit, diese Mammutaufgabe anzugehen. Er konzentrierte sich auf die Bücher der evangelischen Kirchengemeinde Dauernheim, die in Hessen eine Rarität darstellen. »Die meisten Kirchenbücher setzen erst nach dem Dreißigjährigen Krieg, also nach 1648 ein«, erzählt der Heimatforscher. »Alles, was davor war, fiel den ungeheuren Kriegsverwüstungen in unseren Dörfern anheim.«

Zum Glück blieben die sorgfältigen Aufzeichnungen des ersten evangelischen Pfarrers in Dauernheim, dem aus Berstadt stammenden Philipp David Draudt (1528-1597), erhalten. Hier konnte Harth ansetzen und zudem, da Draudt bei Trauungen auch die Namen der Eltern des Brautpaars aufgeführt hatte, viele Ahnenreihen bis in die Zeit der Dauernheimer Reformation 1536 zurückverfolgen. Allenthalben spricht man daher vom Dauernheimer Familienbuch als einem der ältesten in Hessen.

12 139 Personen und 3473 Familien mit den hinter den Namen und Daten verborgenen Geschichten, Berufen, Titeln und Funktionen beinhaltet heute seine Sammlung. Dieser ging nicht nur ein Studium alter Handschriften und die Einarbeitung in die moderne genealogische Software voraus, sondern immer wieder auch Recherchen und archivarische Tätigkeiten, das Sammeln von Fotografien und Gemälden.

Parallel entstand das Häuserbuch »Dauernheim - Das alte Dorf«, in dem fast alle Anwesen des Ortskerns enthalten und ihren Erbauern und Bewohnern zugeordnet sind. »Es gab ja bis gegen Ende des 18. Jahrhunderts keine Hausnummern, Adressen sind in den Kirchenbüchern nicht verzeichnet«, erklärt der 80-jährige Pensionär, der als Mitglied in der Hessischen familiengeschichtlichen Vereinigung in seiner Arbeit stets kompetent begleitet wurde. Er verdeutlicht, dass man erst spät eine linksläufigen Durchnummerierung aller Häuser durchführte, beginnend am Ortseingang mit der Dauernheimer Mühle, endend am gegenüberliegenden Anwesen.

Heimat im Namen

»Auch die Standesämter wurden erst 1875/76 eingeführt. Sie übernahmen die Aufgabe, rechtlich gültige Trauungen zu vollziehen und die Familiendaten zu erfassen«, erklärt Harth. »Zuvor galt allein die kirchliche Trauung. Auch Geburten wurden nur kirchlicherseits und erst mit der Taufe erfasst, ebenso die Sterbedaten.«

Somit endet das Dauernheimer Familienbuch um das Jahr 1900. »Ganz fertig werden wird diese Arbeit nie«, stellt Harth nüchtern fest. Seine »Sammelleidenschaft« ist von unschätzbarem Wert für die Lebenden und kommende Generationen. Immer wieder erreichen ihn Anfragen aus Deutschland, dem europäischen Ausland und gelegentlich auch von Übersee. Menschen suchen nach ihren Wetterauer Wurzeln oder gehen der Frage nach, warum sie »Dauernheim« oder »Daunheimer« heißen. »Im Ort selbst hieß niemand so«, weiß Harth. »Es sind die Nachfahren von ausgewanderten Alteingesessenen, die bis nach Polen, der Ukraine und Ungarn, bis nach Kanada, Brasilien und China gelangt sind und ihre Heimat im Namen behalten haben.«

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Dies ist der Grabstein von Marie Elisabeth Höpp, geborene Beilstein; sie lebte von 1699 bis 1752.

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