Die Vorsitzende Heike Lasch und Bürgermeister Gerhard Schultheiß enthüllen die Tafel, die zum geplanten Ärchäologischen Pfad in Erbstadt gehören soll. FOTOS: JÜRGEN W. NIEHOFF
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Die Vorsitzende Heike Lasch und Bürgermeister Gerhard Schultheiß enthüllen die Tafel, die zum geplanten Ärchäologischen Pfad in Erbstadt gehören soll. FOTOS: JÜRGEN W. NIEHOFF

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Archäologischer Pfad entsteht

  • vonJürgen W. Niehoff
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Nidderau ist nicht nur eine lebendige Stadt mit Historie, sondern sie verfügt auch über sehenswerte Denkmäler. Um die Nidderauer und ihre Gäste über die zahlreichen Funde zu informieren, stellt der Verein für Vor- und Frühgeschichte im unteren Niddertal nun Schautafeln auf.

Ziel des Vor- und Frühgeschichtsvereins ist es, in Zusammenarbeit mit der Stadt in naher Zukunft in Nidderau einen Archäologischen Pfad anzulegen, auf dem die geplanten elf Tafeln stehen, und die dann Auskunft über die historischen Funde an dem jeweiligen Ort und die geschichtlichen Zusammenhänge geben. Die erste Infotafel wurde bereits vor etwa drei Jahren bei der Eröffnung des Familienparks in Heldenbergen aufgestellt. Seither sind vier weitere Tafeln hinzugekommen. "Bei den ersten beiden Tafeln hat uns noch die Stadt finanziell unter die Arme gegriffen, die nächsten drei Tafeln gingen hingegen zulasten des Vereins", verriet die Vereinsvorsitzende und studierte Archäologin Heike Lasch bei der Enthüllung der fünften Schautafel in Erbstadt. Die drei Tafeln seien ein Geschenk an die Stadt zu ihrem 50-jährigen Bestehen als Großgemeinde in diesem Jahr. Für die restlichen sechs Tafeln bat die Vorsitzende dann jedoch wieder um Unterstützung der Stadt. Eine Bitte, die Bürgermeister Gerhard Schultheiß (SPD) kaum abschlagen konnte, schließlich geht es auch um den Ausbau des Tourismus-Sektors der Stadt.

Überreste eines Langhauses

Dass Nidderau, beziehungsweise deren fünf Stadtteile, eine lange Historie haben, zeigt allein die Tatsache, dass die Gegenstände bei allen bisherigen Fundorten aus längst vergangenen Zeiten herrühren. Die erste Tafel im Familienpark Heldenbergen beispielsweise erklärt das historische Pflaster vom Ende des 14. Jahrhunderts und informiert über die sich an dieser Stelle kreuzenden Handelswege und sogar über die Beschaffenheit der damals üblichen Transportmittel.

Tafel zwei, ebenfalls im Familienpark in Heldenberger, verweist auf ein großes eisenzeitliches Gräberfeld aus dem Zeitraum 750 vor Christus bis 400 Jahre nach Christus mit einer Reihe unterschiedlicher Ahnengräber. Die dritte Tafel im Bereich der Neuen Mitte informiert über die vorgeschichtliche Besiedlung dieses Raumes. So konnten an dieser Stelle Überreste eines bandkeramischen Langhauses aus der Zeit um 5000 vor Christus. Die vierte Tafel gibt Auskunft über ein Keltengrab aus der Zeit ungefähr 500 Jahre vor Christus. Fundstelle war auf einem Acker am Rande von Windecken. Die fünfte nun von Lasch und dem Bürgermeister enthüllte Tafel trägt den Titel "Das römische Erbstadt" und zeigt, dass in Erbstadt zu Römerzeiten einst viele größere Villen gestanden haben mussten.

Sie alle lagen an einer Straße, die von den Archäologen deshalb auch Römische Straße genannt wurde und die Verbindung zwischen den Kastellen Friedberg und Marköbel darstellte. Überlieferte Geschichten berichten von einem "geradlinigen Stück der "Hanauer Straße" in Erbstadt, auf dem Messtischblatt Altenstadt als "alte Römerstraße" bezeichnet, und zwar zwischen dem "Raubschloss Naumburg" und der Landstraße zwischen Ilbenstadt und Stammheim, auf der im Jahr 1915 eine Basaltbepflasterung gefunden wurde.

Eine Tafel für jeden Stadtteil

Nach Ansicht der Experten scheint dies die These einer einstigen Römerstraße durch Erbstadt zu erhärten. Das soll auch die an dieser Stelle nachgewiesene Wasserversorgung erklären helfen. Ziel des Vereins unter Leitung von Lasch ist es, in jedem Stadtteil mindestens eine Hinweistafel aufstellen zu lassen. Im Idealfall sollen nach Abschluss des Projektes alle Tafeln über einen Rundwanderweg zu erreichen seien. "Dieser Archäologische Pfad hat aber nichts mit den zurzeit geplanten Geschichtswegen der Stadt zu tun. Sie ergänzen sich jedoch vorzüglich", versichert Lasch, die auch dem Arbeitskreis Stadtgeschichte angehört und die Geschichtswege mit plant.

Dem Bürgermeister ist es einerlei, wer die einzelnen Maßnahmen umsetzt, denn beide dienen letztlich dem Zweck, den Tourismus in der Stadt zu beleben und dem Motto der Stadt "eine lebendige Stadt mit Geschichte" gerecht zu werden.

Neben der Alten Schmiede, dem Schloss Naumburg und der barocken evangelischen Kirche zählt der "Pfaffenhof", ein ehemaliger Wirtschaftshof des Klosters Ilbenstadt, zu den Sehenswürdigkeiten Erbstadts. Im Volksmund heißt er bis heute nach seinen ehemaligen Besitzern. Im "Pfaffenhof" tagte bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts das Kohlengericht. Im Jahr 1803 fiel der Besitz an die Grafen von Leiningen-Westerburg. Nach dem Ersten Weltkrieg erwarb die Gemeinde Erbstadt den "Pfaffenhof", der heute vorwiegend dem Vereinsleben dient. jwn

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