Eine Aufnahme aus den 1960er Jahren: ein Ostheimer Diamantschleifer bei seiner Arbeit.
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Eine Aufnahme aus den 1960er Jahren: ein Ostheimer Diamantschleifer bei seiner Arbeit.

Arbeit mit Glanz und Glitzer

  • vonJürgen W. Niehoff
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Ihre Entstehungsgeschichte und ihr "Lebensweg" werden verfolgt, als ginge es um Königshäuser oder Adelsgeschlechter. Dabei sind es "nur" Diamanten. Und der Kleinste unter ihnen kommt dazu noch aus Ostheim. Die Episode der Diamantschleifer ist ein Stopp des neuen Nidderauer Geschichtsweges.

Diamantschleifereien und -handel gab es in Hanau und Umgebung seit dem Ende des 16. Jahrhunderts. Mitte der 1920er Jahre waren sogar 2000 Schleifer in 120 Betrieben mit der Bearbeitung der wertvollen Steine beschäftigt.

Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass sich 1926/27 im nahen Ostheim die Mehrling-Brüder Karl und Fritz mit kleinen Diamantschleifereien selbstständig machten. Im Laufe der Jahre folgten weitere sieben Schleifereien mit insgesamt über 100 Beschäftigten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es nur noch wenige Personen, die in Heim- und Lohnarbeit kleine Schleifereien in Ostheim betrieben. Ein Grund war auch ein internationaler Boykottaufruf, der den Handel mit in Deutschland geschliffenen Diamanten stark einschränkte.

Mini-Brilliant wiegt 0,000173644 Gramm

Um dem Beruf in den 1960er Jahren wieder zu mehr Popularität zu verhelfen, rief eine Hanauer Diamantenvertriebsgesellschaft zu einem Wettbewerb auf. Gesucht wurde der kleinste beschliffene Diamant. 1963 entstand er in der Werkstatt von Heinrich Östreich an der Kirchgasse 23 in Ostheim. Nur gerade einmal 0,000173644 Gramm brachte der Mini-Brilli auf die Waage.

Zum Schleifen, Wiegen und Messen dieser Kleinigkeit waren deshalb sogar Spezialgeräte notwendig. Die Leistung der Ostheimer Diamantschleifer sorgte damals in der Fachwelt für großes Aufsehen. Und sogar das Fernsehen rückte an und machte einen Beitrag darüber. Den Meisterschleifer gibt es zwar heute nicht mehr, aber sein Handwerkzeug kann im Ostheimer Heimatmuseum weiterhin betrachtet werden.

"Der Motor läuft noch, und auch ein Teil der Originalwerkzeuge gibt es noch", sagt Heinrich Pieh, Mitglied des Heimat- und Geschichtsvereins Ostheim. Der 80-Jährige ist einer der Gründerväter des Vereins und des kleinen Dorfmuseums.

Als der Heimatverein 1987 gegründet wurde, forderte Pieh die Mitglieder sofort dazu auf, alles, was alt und geschichtsträchtig aussieht, zu sammeln und in einem ehemaligen Schweinestall zusammenzutragen. "Bei vielen erregte dieser Aufruf nur mitleidiges Lächeln, weil nach deren Verständnis Altes in die Mülltonne gehörte", erinnert sich Pieh. Er ließ nicht locker, sammelte und sorgte dafür, dass die Stadt einen alten Bauernhof mitten im Ort kaufte und dem Verein einen Flügel für sein "Museum" zur Verfügung stellte. Es seien viele dicke Bretter gewesen, die er dafür bohren musste, denn es gab Gegenwind in der Politik. Zu teuer, kaum Interesse - Argumente dagegen gab es genug.

Pieh und sein Heimatverein gaben nicht nach. Erst holten sie den Bürgermeister auf ihre Seite und dann den Landtagsabgeordneten. Als auch noch Fördermittel von 150 000 Euro zugesagt wurden, war der Knoten geplatzt. Inzwischen hat sich der ehemalige Bauernhof zu einem Bürgerhof gewandelt mit Begegnungsmöglichkeiten. Und auch das Dorfmuseum hat 2014 seinen Flügel im Anwesen öffnen können.

"Geschichtswege" für mehr Besucher

"Momentan haben wir zwischen 1200 und 1300 Besucher im Jahr. Aber wir wollen mehr", sagt Pieh. Dazu müsste das kleine Museum mit seinen inzwischen rund 4000 Exponaten bekannter werden. "Und zwar nicht nur in Ostheim oder den anderen Stadtteilen von Nidderau, sondern in der umliegenden Region", erklärt Horst Körzinger, Vorsitzender der Bürgerstiftung Nidderau und Mitinitiator der geplanten "Geschichtswege". Das Ostheimer Dorfmuseum erhalte sicherlich einen der 70 QR-Codes, mit denen auf die Schönheiten Nidderaus hingedeutet und über die man sofort die notwendigen Informationen erhalten kann. Pieh und Körzinger sind sich einig: "Hier, im Ostheimer Dorfmuseum, ist so viel Sehenswertes. Das ist schon eine Reise wert."

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