Entscheidung vertagt: Wo jetzt noch Feld ist, könnte auf fast 16 Hektar in Büdesheim möglicherweise demnächst ein Wohngebiet entstehen.
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Entscheidung vertagt: Wo jetzt noch Feld ist, könnte auf fast 16 Hektar in Büdesheim möglicherweise demnächst ein Wohngebiet entstehen.

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"Anfang eines sehr langen Weges"

  • vonJürgen W. Niehoff
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Ja, aber. Ja zur Baulanderweiterung in Schöneck - aber zur Art und Weise der Umsetzung. So lautete das Ergebnis der zweistündigen Beratung im Ortsbeirat Büdesheim über eine mögliche Erweiterung der Gemeinde.

D en Beratungen im Ortsbeirat Büdesheim lagen am Dienstagabend im großen Saal des Bürgertreffs zwei Anträge zur weiteren Vorgehensweise in Sachen Baulanderweiterung zugrunde. Zum einen handelt es sich dabei um die Beschlussvorlage des Gemeindevorstandes, die der Gemeindevertretung eine Priorisierung bei der Auswahl unter drei möglichen Bauerweiterungsflächen in Kilianstädten, Büdesheim und Oberdorfelden vorschlägt. Sowie um einen Antrag der Grünen, die die Entscheidung gern noch hinauszögern möchten, bis die Fragen etwa zur Größe, zur Verkehrsanbindung, zur Bauweise oder auch nur zum generellen Bedarf geklärt sind.

Alles eine Frage des Bedarfs

Hinsichtlich des Antrages "auf Verbleib im Geschäftsgang", so das Behördendeutsch für möglichst "noch keine Entscheidung treffen", waren sich die sieben Ortsbeiräte von Büdesheim sofort einig. "Grundsätzlich sind wir von der WAS für Neuausweisung eines Neubaugebietes in Schöneck, nur hinsichtlich der Details gibt es noch jede Menge Fragen", plädierte beispielsweise Peter Nickel (WAS) für die Annahme des Grünen-Antrages. Auch die Vertreter der übrigen Fraktionen geben zu erkennen, das noch sehr viele Fragen offen seien und man deshalb vor einer endgültigen Entscheidung noch mehr Informationen brauche. "Wir stehen am Anfang eines sehr langen Weges und der kann in alle Richtungen führen. Nur wir als Gemeindeverwaltung brauchen das Signal, dass wie losgehen sollen und mit den ersten Vorarbeiten beginnen können", erklärte Bürgermeisterin Conny Rück (SPD) noch einmal ausführlich den Antrag ihres Gemeindevorstandes.

Keine endgültige Entscheidung

Denn bisher läge lediglich eine erste Machbarkeitsstudie der Baulandoffensive Hessen vor, die jeweils eine Erweiterungsfläche in jedem der drei Ortsteile ausweise. Für Büdesheim ist nach dieser Studie eine Fläche im Anschluss an die Baugebiete Riedwiese, Am Naßling und Froschbachstraße vorgesehen. Auf dieser Fläche könnten bis zu 400 Wohneinheiten für circa 1070 Einwohner entstehen. 131 Wohnungen davon mit sozialverträglichen Mieten. Hinzukommen eine Kindertagesstätte und ein Lebensmittelversorger. "Doch wer sagt, ob wir dafür auch tatsächlich Bedarf haben", meldete sich wiederum das WAS-Ortsbeiratsmitglied Nickel zu Wort. Die Zahlen der Baulandoffensive basierten auf einer Erhebung von 2016 und seien damit womöglich längst überholt. Auch Andreas Zeller (CDU) will die Machbarkeitsstudie nicht allein zur Grundlage seiner Entscheidung machen. "131 Wohneinheiten bezahlbarer Wohnraum für Büdesheim, das ist möglicherweise zu viel", so der CDU-Politiker. Er möchte, dass mehr Platz für junge Familien und Häuslebauer aus der Mittelschicht vorgesehen wird, damit auch die eine Chance hätten, sich in Schöneck anzusiedeln. Grundsätzlich begrüßt aber auch Zeller eine Erweiterung Schönecks und auch Büdesheims, weil dadurch der ortsansässige Einzelhandel auch gestärkt werde.

Die entscheidende Frage und das wurde im Laufe der Sitzung immer deutlicher ist die nach dem Bedarf. Erst wenn der feststehe und genau analysiert sei, könne über die weiteren Fragen wie Standort, Anzahl der Wohneinheiten und deren Ausstattung sowie Verkehrsanbindung und Ausbau der dazugehörigen Infrastruktur wie Kits, Schulen und Altenheimen nachgedacht werden. Am Ende der Sitzung, als es um die Abstimmung der Beschlussvorlagen ging, zeigte sich, dass man die ganze Zeit aneinander vorbeigeredet hatte.

Denn während die Mehrheit im Ortsbeirat über die grundsätzliche Erweiterung Schönecks ohne jegliche Priorisierung eines bestimmten Baugebietes abstimmen wollte, erinnerte Protokollführer Gerald Diehl (Grüne), dass man doch im Ortsbeirat Büdesheim sitze und eigentlich nur über dessen Angelegenheiten abstimmen könne. Zumal die Beschlussfassung nicht mal verbindlichen sondern nur empfehlenden Charakter für die Gemeindevertretung habe.

Nach erneuter Beratung einigte man sich schließlich darauf, vorerst überhaupt keine Entscheidung zu treffen, sondern dem Gemeindevorstand zunächst erst einmal etliche Fragen zu Bedarf, Art und Umfang zu stellen. Erst dann wolle man in einer der kommenden Sitzungen über die Standortfrage entscheiden.

Bis zum Jahr 2035 werden in Hessen voraussichtlich 500 000 neue Wohnungen gebraucht, da die Anzahl der Personen in einem Haushalt immer geringer werde. Die Prognosen gehen zurzeit von 2,1 Personen pro Haushalt aus. Die Schönecker Bevölkerung würde danach bis zum Jahr 2035 um voraussichtlich 5,1 Prozent zunehmen, und zwar auf etwa 12 415 Einwohner. Und auch die Anzahl der Haushalte werde steigen auf etwa 6100. Da schon jetzt in Schöneck ein Bedarf von 127 Wohnungen bestehe, müssten laut der Studie mindestens 500 Wohneinheiten bis zum Jahr 2035 hinzukommen.

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