Nach vielen Jahren im politischen Ehrenamt will er seine Leidenschaft zum Beruf machen. SPD-Bürgermeisterkandidat Andreas Bär auf den Stufen zum Schulhof seiner ehemaligen Grundschule in Windecken. FOTO: JÜRGEN W. NIEHOFF
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Nach vielen Jahren im politischen Ehrenamt will er seine Leidenschaft zum Beruf machen. SPD-Bürgermeisterkandidat Andreas Bär auf den Stufen zum Schulhof seiner ehemaligen Grundschule in Windecken. FOTO: JÜRGEN W. NIEHOFF

Andreas Bär: Ich bin ein authentischer Typ

  • vonJürgen W. Niehoff
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Nidderau(jwn). Andreas Bär, Oberstudienrat an einem Hanauer Gymnasium, möchte seine Leidenschaft zum Beruf machen. Der SPD-Kommunalpolitiker kandidiert für den Chefsessel im Nidderauer Rathaus. Gewählt wird am 29. November.

In der Kindheit von Andreas Bär, der 1982 als drittes Kind der Eheleute Inge und Harald Bär auf die Welt kam, deutete noch nichts auf eine politische Karriere hin. Zwar war das aktuelle Geschehen oftmals Gesprächsthema am Küchentisch, aber nach seinen Erinnerungen habe Politik keine größere Rolle im Alltag der Familie gespielt, erinnert sich Bär. "Heute sind mein Bruder Michael und ich in der SPD aktiv. Und auch unser dritter Bruder ist ein politischer Kopf", berichtet der Bürgermeisterkandidat.

Bär war bei den Pfadfindern, spielte in Windecken Fußball und schwamm bei der örtlichen DLRG. Er besuchte die Windecker Kurt-Schumacher-Schule und ging anschließend auf das Gymnasium in Hanau. Geblieben sind nicht nur Erinnerungen an diese Zeit, sondern auch tiefe Freundschaften: "Ich bin glücklich darüber, dass einige Freundschaften die Jahrzehnte überdauert haben. Gemeinsame Wanderungen oder Abende, an denen wir zusammen kochen und über Gott und die Welt reden, bedeuten mir sehr viel", berichtet der 37-Jährige.

Geprägt vom Nein zum Irakkrieg

Obwohl er auch während seiner Schulzeit immer politischer wurde, kam die Entscheidung, selbst aktiv zu werden, erst 2002. Es war die Diskussion um den Irakkrieg, in der der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder die Teilnahme Deutschlands an militärischen Einsätzen verweigerte. "Es war das glaubhafte Eintreten der SPD gegen Krieg, das mich beeindruckte. Das passte zu den Erzählungen meiner Großeltern vom Zweiten Weltkrieg. Dazu kamen ihre stolze Geschichte und ihre Werte, so dass für mich keine andere Partei infrage kam", lautet Bärs Antwort auf die Frage, warum er damals der SPD beitrat.

Konsequenterweise leistete er seinen Zivildienst in einer geriatrischen Abteilung. Eine Erfahrung, die Bärs Lebensweg entscheidend beeinflussen sollte: "Die Arbeit mit Schlaganfallpatienten hat mich sehr geprägt und mir klargemacht, dass ich einen Beruf erlernen möchte, in dem man mit Menschen arbeitet." Deshalb habe er auf das geplante Wirtschaftsstudium verzichtet und stattdessen Mathematik und Politikwissenschaften studiert - mit dem Ziel, Gymnasiallehrer zu werden. "So konnte ich eine Arbeit mit Menschen mit meinem Faible für Zahlen und Politik verbinden", sagte Bär.

Seit dieser Zeit engagierte er sich auch kontinuierlich in der SPD: Er erweckte 2003 die Nidderauer Jusos zu neuem Leben, wurde 2005 Juso-Kreisvorsitzender und zog 2006 in den Main-Kinzig-Kreistag ein. Dort schaffte er es bis zum stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden. 2016 wechselte Bär vom Kreistag ins Parlament nach Nidderau, um sich als Fraktionsvorsitzender nun ganz der Lokalpolitik zu widmen: "Ich will zusammen mit den Menschen unsere Stadt gestalten", beantwortet Bär die Frage, warum er seine ganze Freizeit der Politik opfert. Denn viel Zeit bleibt neben dem Beruf und dem politischen Engagement nicht übrig. Entsprechend kostbar sei für ihn die Zeit, die er mit Familie, Freunden und seinen Hobbys verbringen könne: "Man muss aufpassen, dass man das Privatleben nicht vernachlässigt. Dies erfordert eine straffe Organisation. Und trotzdem kommt es vor, dass die Zeit für nahestehende Menschen fehlt."

Dass ihn dies nicht kaltlässt, zeigt die kleine Gesprächspause in seinen Ausführungen. Bär, der einen neunjährigen Sohn hat, ist es wichtig, sein Privatleben im Hintergrund zu halten.

Bürgermeisteramt als logischer Schritt

Die drei SPD-Bundeskanzler Willy Brandt, Helmut Schmidt und Gerhard Schröder seien seine politischen Vorbilder, sagt Bär. Brandt stehe für den Visionär, Schmidt für den Charakter und Schröder für den Macher. Eigenschaften, die Wegbegleiter auch in Bär sehen. "Beinahe mein halbes Leben engagiere ich mich schon im Ehrenamt in Nidderau. Das macht man nicht der Karriere, sondern der Sache wegen."

Sollte die Wahl am 29. November auf ihn fallen, so wird er auf sein restliches Freizeitvergnügen, wie Radfahren, Wandern oder Gitarrespielen wohl noch mehr verzichten müssen. Bleibt die Frage, warum sein Slogan "Natürlich: Andreas Bär" lautet. Antwort: Es solle betonen, "dass ich ein authentischer Typ bin. Aber es steht auch dafür, dass mir unserer Natur am Herzen liegt und dass nach den vielen Jahren im politischen Ehrenamt der Weg zum Bürgermeister der logische Schritt ist".

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