Ob die Kita Zwergenhaus an einen freien Träger übergeben wird, sollen die Gemeindevertreter noch dieses Jahr entscheiden. Bürgermeister Syguda macht keinen Hehl daraus, dass das Modell in Altenstadt Schule machen könnte. 	(Foto: pv)
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Ob die Kita Zwergenhaus an einen freien Träger übergeben wird, sollen die Gemeindevertreter noch dieses Jahr entscheiden. Bürgermeister Syguda macht keinen Hehl daraus, dass das Modell in Altenstadt Schule machen könnte. (Foto: pv)

Kita Zwergenhaus soll in freie Trägerschaft

Altenstadt (mlu). Bürgermeister Norbert Syguda verspricht sich von der Übergabe der Kita Zwergenhaus an einen freien Träger eine Verbesserung der Betreuungssituation. Der Elternbeirat befürchtet das Gegenteil und beklagt, auf viele Fragen keine Antworten zu bekommen.

Der Elternbeirat der Kita Zwergenhaus (Waldsiedlung) ist in großer Sorge. Im Rathaus wird erwogen, die kommunale Betreungseinrichtung zu privatisieren. Die Elternvertreter befürchten »schleichende Gebührenerhöhungen, versteckte Kosten, Stellenabbau, zukünftig fehlende Kontinuität in der Betreuung und eine Verschlechterung der Betreuungsqualität«. Elternbeiratsvorsitzende Katrin Renner räumt ein, dass es sich dabei um Vermutungen handelt und beklagt, dass die Gemeinde die Eltern über ihre Absichten bislang kaum informiert habe, obschon man den Bürgermeister wie auch den Haupt- und Finanzausschuss um Stellungnahmen gebeten habe. Dementsprechend groß sei die Verunsicherung, weshalb der Beirat eine Unterschriftenaktion »gegen die geplante Übernahme durch einen freien Träger« initiiert habe.

Laut Bürgermeister Norbert Syguda wird seit einem Jahr über die Ausgliederung einer Kita als Modellversuch nachgedacht. Sechs persönliche Treffen hatte der Rathauschef nach eigenen Angaben mit Vertretern des Internationalen Bunds (IB) und der Kinderzentren Kunterbunt. In vier weiteren Sitzungen hätten die Dienstleister dem Gemeindevorstand ihre Konzepte vorgestellt.

Zudem wurden gemeinsam mit Elternvertretern Betreuungseinrichtungen in Rüsselsheim (Kinderzentren) und Frankfurt (IB) besucht. Was Renner zu sehen bekam, konnte sie nicht überzeugen: »Die Einrichtungen waren viel größer, in Frankfurt waren Hort und Familienzentrum angegliedert – das ist mit Altenstadt nicht vergleichbar, schon gar nicht mit Blick auf die Zuschüsse.«

Die Bezuschussung der freien Träger durch das Land Hessen ist aus Sygudas Sicht ein wichtiges Argument für die Ausgliederung, da kommunale Einrichtungen schlechter gefördert würden als freie Träger. Dessen ungeachtet will der Bürgermeister an den Qualitätsstandards der Gemeinde in Sachen Kinderbetreuung festhalten: »Wir wollen unser bewährtes Personal beibehalten und die Betreuungsgebühren werden auch in Zukunft einheitlich sein, es wird also keine schleichende Erhöhung im Zwergenhaus geben.« Altenstadt habe mit zwei Betreuerinnen pro Gruppe einen überdurchschnittlich hohen Betreuungsschlüssel und das solle auch so bleiben. Mit beiden Trägern sei er sich über diese Punkte einig geworden.

Demnächst in den Ausschüssen

Syguda: »Beide Träger haben einen ausgezeichneten Ruf, es gibt ein hohes Maß an Fortbildung, sie sind aufgrund ihrer Größe auch juristisch sehr kompetent, was bezüglich des Themas Kindeswohlgefährdung ein wichtiges Argument ist. Alles spricht also eher für eine Verbesserung der Betreuungssituation. Und wenn die Gemeinde das unterm Strich noch günstiger kommt, warum soll man es dann nicht machen?«

Mündliche Versprechen können die Elternvertreter indes nicht beschwichtigen. Schriftführerin Daniela Hack bezweifelt auch die Verbindlichkeit der Aussagen: »Wie lange laufen die Verträge mit den Privaten, was kommt danach? Bislang wurden wir mit unseren Fragen hingehalten. Die Träger haben tolle Portfolios, aber die wollen ja auch ihre Plätze besetzen. Dabei ist bekannt, dass sie mit Zeitverträgen und jungem Personal arbeiten, es gibt häufige Betreuerwechsel.«

Um endlich mehr Klarheit zu bekommen, will der Elternbeirat den Gemeindevorstand zu einem Gespräch in die Kita einladen. Diesen Monat soll das Thema auch im Haupt- und Finanz- sowie im Sozialausschuss diskutiert werden. Eine Entscheidung erwartet der Bürgermeister noch in diesem Jahr.

Falls die Kita Zwergenhaus nächstes Jahr privatisiert wird und sich das Modell bewährt, könnte es in Altenstadt Schule machen. Syguda weist darauf hin, dass die Stadt Frankfurt inzwischen alle Kitas an den IB übergeben habe. Demnach könne das Modell so schlecht nicht sein.

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