Bienensterben

Imker wollen gegen Gärten des Grauens vorgehen

  • VonInge Schneider
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Um 14 Uhr ist die Bienenwelt noch in Ordnung – so scheint es zumindest an diesem Frühsommertag in den Wiesen oberhalb von Altenstadt. Fragt sich nur, wie lange noch.

Alexander Wolf, frisch gewählter Schriftführer des Bienenzuchtvereins Altenstadt und Umgebung, freut sich über das rege Treiben seiner Bienen. »Ein solcher Tag ist ideal zum Ausschwärmen«, unterstreicht auch Vorsitzender Werner Stöltzing. »Die zurückkehrenden Arbeiterinnen sind durch ihre bienentypischen Tanzformen in der Lage, ihrem Volk sowohl naheliegende als auch neue, entferntere Futterquellen präzise anzuzeigen.«

Allein diese Ausführungen zu den Kommunikationsformen der Bienen verraten, wie komplex das Sozialleben des kleinen Nutztieres ist, dessen Honig der Mensch seit über 10 000 Jahren schätzt. »Unsere Honigbienen leben im Prinzip so, wie sie ohne uns auch existieren würden«, betont Wolf. »Der Unterschied der domestizierten zur wilden Lebensform besteht lediglich darin, dass wir von ihrem Honig profitieren, den wir durch speziell aufgeschlossenen Zuckersirup ersetzen. Und darin, dass wir unsere Tiere bei den vielfältigen Aufgaben der Stockpflege, der Fortpflanzung, der Bildung neuer Völker und der Gesunderhaltung unterstützen.«

Preisgekrönter Honig

Die Wahrnehmung dieses Arbeitsbereichs scheint den Altenstädter Imkern perfekt zu gelingen: 2017 bescheinigte der Deutsche Imkerbund dem Verein bei einer zufällig entnommenen Honig-Stichprobe 4,6 von fünf Punkten auf seiner Qualitätsskala – ein exzellentes Zeugnis, das zum Führen des Titels »Echter Deutscher Honig« berechtigt.

Doch bis zur Entnahme der honiggefüllten Wabe ist es ein weiter Weg. Zudem ist Fachwissen erforderlich, um Probleme wie den Klimawandel, den Befall eines Stocks mit der berüchtigten Varroa-Milbe, die Bienen-Darmerkrankung Nosemose, Fehlentwicklungen der Brut, Kontakt mit Insektiziden oder das immer noch rätselhafte Massensterben CCD (Colony Collapse Disorder) zu bewältigen. Auf diesen Gebieten können die ortsansässigen Imker sich stets auf die Hilfe des Landesverbands Hessischer Imker und des Hessischen Bieneninstituts verlassen.

Mehr Naturnähe beim Gärtnern

Bei der Lösung des Problems »Bienensterben«, an dem mutmaßlich viele verschiedene Ursachen beteiligt sind, müssten auch zahlreiche Faktoren zusammenwirken, um es in den Griff zu bekommen. Es nutze nichts, mit dem Finger allein auf die Landwirtschaft zu zeigen, betonen die beiden Imker. »Wenn man die vielen modernen Steinwüsten vor den Häusern sieht – das sind ›Gärten des Grauens‹ für unsere Bienen«, kritisiert Wolf.

Etwas mehr Naturnähe beim Gärtnern, breite Grünstreifen um die Felder und Wildblumen auf kommunalen Flächen wären dagegen vorbildhaft und wichtige Ansätze zu einer Trendwende in Sachen Biene, die in unseren Breitengeraden zu den wichtigsten Bestäubern gehöre. Ihre Bedeutung für die Gewinnung menschlicher Nahrung sei so unverzichtbar, dass die Rede von »des Menschen kleinstem Nutztier« absolut zutreffe.

Der Bienenzuchtverein Altenstadt und Umgebung hat aktuell 68 Mitglieder; insgesmat kümmern sie sich um 458 Bienenvölker. Kontakt: www.biene-altenstadt.de.

Info

Ehrentag der fleißigen Insekten

Viele Pflanzen sind auf die Bestäubung von Bienen angewiesen. Wie wichtig die kleinen Tiere für unser Ökosystem und die Landwirtschaft sind, soll auch der Weltbienentag unterstreichen, der am 20. Mai begangen wurde. Die Vereinten Nationen hatten den Tag erstmals ausgerufen. Mit ihrer Bestäubung sorgen Bienen und andere Insekten nach Angaben des Weltrats für Biologische Vielfalt jedes Jahr weltweit für Nahrungsmittel im Wert von bis zu 500 Milliarden Euro. Doch allein in Deutschland gitl über die Hälfte der fast 600 Wildbienenarten als gefährdet. Anders sieht es bei der Honigbiene aus, die der Mensch gezüchtet hat. Die Zahl der Völker nimmt seit Jahren wieder zu, weil mehr Menschen das Imkern als Hobby entdeckt haben. Etwa 870 000 Völker schwirren laut Deutschem Imkerbund hierzulande herum. (dpa)

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