Austausch über das schwierige Schaustellergewerbe (v. l.): Tim Roie, Roger Simak, Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich, Andreas Walldorf, Peter Roie und Andre Walldorf. FOTO: PM
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Austausch über das schwierige Schaustellergewerbe (v. l.): Tim Roie, Roger Simak, Regierungspräsident Dr. Christoph Ullrich, Andreas Walldorf, Peter Roie und Andre Walldorf. FOTO: PM

Alle Aufträge weg

Harte Zeiten für Schausteller: Ist ein mobiler Freizeitpark die Lösung?

  • vonred Redaktion
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Von einem komplett ausgebuchten Terminkalender auf null: Das ist seit dem Lockdown die berufliche Realität von Peter Roie und seinen Schaustellerkollegen.

Der Altenstädter hat diesen Beruf gelernt - in siebter Generation. "Die Aufträge sind zu 100 Prozent eingebrochen, das war erst mal ein unglaublicher Schock", berichtet er im Gespräch mit dem Gießener Regierungspräsidenten Dr. Christoph Ullrich.

Bei seinem Besuch hat sich der Regierungspräsident vor Ort einen Eindruck von einer Branche verschafft, die von der Corona-Pandemie besonders stark betroffen ist. In einer Pressemitteilung berichtet das Regierungspräsidium nun von dem Besuch.

"Ich besuche Unternehmen, die in der Krise nicht den Kopf in den Sand stecken und weitermachen. Mich interessiert, wie die Dinge angegangen werden", sagt Ullrich. Stellvertretend für rund 600 größere und kleinere Schaustellerbetriebe in Hessen waren bei dem Besuch anwesend: Peter und dessen Sohn Tim Roie (Schaustellerverband Frankfurt - Rhein/Main), Roger Simak (Geschäftsführer des Landesverbandes für Markthandel und Schausteller Hessen) sowie Schausteller Andreas Walldorf und dessen Sohn Andre aus Gießen.

Im Gespräch schildern die Anwesenden, mit welchen Widrigkeiten sie in der momentanen Situation zu kämpfen haben. "Besonders belastend sind derzeit langwierige Genehmigungsprozesse für Innovationen sowie bestehende Unklarheiten aufgrund unterschiedlicher Regelungen in den einzelnen Bundesländern", sagt Andreas Walldorf.

Mit innovativen Ideen und Konzepten versuchen sie nun, neue Geschäftsfelder zu erschließen, beispielsweise mobile Freizeitparks. "Fraglich ist allerdings, ob sich das Risiko für den Aufbau eines mobilen Freizeitparks mit einigen Fahrgeschäften und Attraktionen wirtschaftlich bezahlt macht", sagt Roie. Im Vorfeld seien enorme Investitionen für den Auf- und Abbau sowie den Transport der Gerätschaften erforderlich.

Mobile Freizeitparks im Gespräch

Problem hierbei sei: Die Konsumlaune bei den Bürgern beschränke sich derzeit auf das Notwendige, merkt Roger Simak an. Fahrgeschäfte und Jahrmarkt-Stände träfen leider oft nicht auf das erforderliche Interesse in der Bevölkerung, wenn diese nur einzeln irgendwo aufgebaut würden. Volksfeste und Jahrmärkte wirkten stets nur in der Gesamtheit. Auch Hürden zur Erfüllung von Auflagen seien derzeit sehr hoch und schwer zu erfüllen.

Daher nutzt Roie mit seinen Kollegen die jetzige verordnete Ruhephase, um den Fuhrpark und die aufwändigen Gerätschaften instandzuhalten und umzubauen. "Die Sicherheit unserer Besucher und Fahrgäste ist uns ein besonderes Anliegen", erzählt Roie. "Insofern ist die Erfordernis von behördlichen Genehmigungen und Abnahmeprüfungen zu begrüßen."

Andreas Walldorf hob die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Regierungspräsidium Gießen hervor. Aber was hat das Regierungspräsidium (RP) Gießen überhaupt hiermit zu tun? "Unser Auftrag ist der Schutz der Menschen, die auf Jahrmärkten ihren Spaß haben sollen", beschreibt Christoph Ullrich die Aufgabe des RP Gießen stellvertretend für die Gruppe, die die Fahrgeschäfte je nach Auftrag begutachten. Fliegende Bauten mit Mängeln, die die Sicherheit beeinträchtigen können, sollen dadurch erst gar nicht in Betrieb gehen. Fliegende Bauten sind nach der Hessischen Bauordnung bauliche Anlagen, die geeignet und bestimmt sind, wiederholt aufgestellt und zerlegt zu werden.

Bevor sie erstmals aufgestellt und in Gebrauch genommen werden, benötigen genehmigungspflichtige Fliegende Bauten eine Ausführungsgenehmigung in Form eines Prüfbuches. Das Regierungspräsidium Gießen ist dafür zuständig, diese zu erteilen, zu verlängern sowie zu übertragen.

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