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Hilfreiche Tipps vom Experten: Schriftsteller Robert Stripling (links) unterstützt zwei Schülerinnen beim Schreiben.

Fantasieren und Formulieren

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Altenstadt (pm). Im »grünen Klassenzimmer« der Limesschule herrscht konzentrierte Stille. Neun Mädchen und ein Junge im Alter zwischen zwölf und 13 Jahren sind über ihre Notizbücher gebeugt, die grauen Zellen arbeiten auf Hochtouren. Sie kritzeln Sätze aufs Papier, streichen sie wieder durch, stellen Passagen um, kichern auch mal leise vor sich hin.

Es ist der erste Tag einer kreativen Schreibwerkstatt, an der Schülerinnen und Schüler im Rahmen des Projekts »Lautschriften - Vom Film zum Buch« teilnehmen, das vom Hessischen Literaturforum im Mousonturm ausgerichtet und durch das hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst finanziert wird.

Einblicke ins Schriftstellerleben

Da dieses besondere Angebot sehr begehrt ist, müssen sich die Schulen bewerben. Die Schreibgruppe der Limesschule ist dabei eine von vier teilnehmenden Gruppen in Hessen. »Wir sind froh und dankbar, dass wir den Zuschlag bekommen haben«, sagt Lehrerin Tanja Schäfer-Auth, die die Bewerbung eingereicht hat. Der mehrfach ausgezeichnete Autor Robert Stripling leitet die zehnköpfige Gruppe während der Schreibwerkstatt an, gibt Tipps und Einblicke in das Leben eines Schriftstellers.

Um das Ganze nachhaltig zu gestalten, wird sich die Gruppe bis zum Sommer sechsmal für anderthalb Stunden zu Gedankenaustausch und schriftlicher Umsetzung treffen. Die Basis der sechs Schreibsitzungen bildet ein Kurzfilm. Vorgeführt ohne Ton, soll dieser bei den Schülern Ideen wecken. Der Kreativität seien keine Grenzen gesetzt und auch das literarische Endprodukt sei freigestellt, erläutert Stripling abschließend.

Mit seiner unaufgeregten Art gelingt es dem 32-Jährigen sofort, bei den Workshop-Teilnehmern Schreibprozesse anzustoßen, die vielfältig kreativ sind. Seine Tipps und Empfehlungen saugen die Jugendlichen begierig auf. »Wenn es um die Schulung der Ausdrucksfähigkeit geht, genießt ein echter Autor doch größeres Ansehen bei Jugendlichen als ein Lehrer«, stellt Schäfer-Auth fest. Am Ende gehen die Schüler begeistert und motiviert aus der Veranstaltung. »Ich habe direkt Lust, mehr zu schreiben«, äußert sich Sechstklässlerin Naja Jost. »Der Workshop ist toll«, schwärmt auch Nicole Kiel. Vor allem die Idee mit dem Film findet die Zwölfjährige gut: »Das war spannend mit all den Szenen, zu denen man etwas schreiben kann.« Mit einem Profi zusammenzuarbeiten sei besonders interessant, meint Mitschüler Paul Sommer.

Veröffentlichung ausgewählter Texte

Auch Profi-Schreiber Stripling, der sich von der Wortgewandtheit der Schüler und von ihrem Einfallsreichtum beeindruckt zeigt, findet lobende Worte. »Der Start ist gelungen. Wir haben sehr konstruktiv und kreativ diskutiert - das ist sehr selten bei dieser Altersstufe«, sagt der gebürtige Berliner, der regelmäßig Schreibworkshops leitet.

Im Herbst sollen alle Geschichten in einer Abschlusspräsentation vorgestellt und einzelne der von den Schülern geschriebenen Texte sogar veröffentlicht werden. Doch noch ist das alles Zukunftsmusik. Denn in den nächsten Wochen heißt es zunächst einmal: fantasieren, fabulieren und formulieren.

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