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Roman Kuperschmidt ist der Meister an der Klarinette. Michel Gershwin beherrscht die Violine.

Durch das Universum der Musik

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Altenstadt(im). Es war ein Sommerabend wie geschaffen für Chopin, und so gelang es dem international bekannten Pianisten Georgi Mundrov schon mit den ersten flirrenden Tönen des Nocturno Op. 55 No. 2 auf dem hauseigenen Steinway-Flügel von 1907, sein Publikum in der Abteikirche Kloster Engelthal zu verzaubern. Das Konzert "Chopin und die Folgen" war ein würdiger Auftakt für die 6. Engelthaler Musik- und Kulturtage, wie auch Äbtissin Elisabeth Kralemann und der Vorsitzende der Altenstädter Gesellschaft für Geschichte und Kultur, Hans-Erich Seum, als Veranstalter unterstrichen.

Der Zauber des Anfangs sollte bis zum begeisterten Schlussapplaus nicht weichen, sondern sich steigern: Auch als Moderator verstand sich der gebürtige Bulgare Georgi Mundrov darauf, jedes Musikstück in seinem Stellenwert für Frédéric Chopin, vor dem Hintergrund von dessen kurzer Lebensspanne, wie auch in seinen emotionalen Tiefen auszuloten. Dem eröffnenden Nocturno folgte ein temperamentvolles Scherzo (Op. 31), sodann "Drei Tänze aus Polen" - der Valse Grande brillante, eine Mazurka und eine Polonaise. Die Sonate h-Moll (Op. 58) gehört mit ihren vier Sätzen zu den schwersten Stücken romantischer Klavierliteratur überhaupt, wie Mundrov betonte.

Abschließend stellte der Pianist den Einfluss Chopins auf die beiden russischen Komponisten Alexander Skrjabin und Sergei Rachmaninow in Form von Etüden und Preludien vor sowie deren Weg in die musikalische Eigenständigkeit. "Wenn ich einmal reich wär" aus dem Musical "Anatevka" gab Georgi Mundrov die erste Zugabe und zugleich einen Ausblick auf das Klassik-Klezmer-Konzert am Folgetag, um den Abend mit der "Träumerei" aus den Kinderszenen von Chopins Zeitgenossen Robert Schumann wundervoll stimmig ausklingen zu lassen.

Mit stehendem Beifall belohnte das Publikum anderntags die Musiker, die ihm beim zweiten Konzertabend eine atemberaubende Rundreise durch das Universum der Musik geboten hatten. "Von Klassik bis Klezmer" lautete das Motto des Abends.

Starke Kontraste

Zeitlich und räumlich übersprang das Repertoire des Konzertes nicht nur mühelos den Abstand zwischen Klassik und Klezmer, sondern auch zwischen argentinischem Tango Nuevo und zartem koreanischen Volkslied, kurdischem Säbeltanz und dem ungarischem Czardas des neapolitanischen Komponisten Vittorio Monti. Und so erlebten die Zuhörer zunächst zarte Vivaldi-Sätze, gefolgt vom Concertino für Klarinette und Orchester in Es-Dur von Carl Maria von Weber. Tschaikowskis "Neapolitanischer Tanz" aus dem weltberühmten Ballett "Schwanensee" eröffnete mit seinem Changieren zwischen überbordendem Temperament und leiser Melancholie den Reigen der anspruchsvollen Tanz-Partituren, gefolgt von den "Ungarischen Tänzen" von Johannes Brahms, einer rumänischen Einlage und einem südkoreanischen Volkslied, zelebriert in zarten Tönen von unglaublicher Höhe.

Mit fröhlichen Liedern und dem bittersüßen Hochzeitswalzer aus dem Musical "Anatevka" bog man in die Zielgerade zum Finale ein. Roman Kuperschmidt überraschte mit Obertonreichtum und schier endlos gehaltenen Tönen.

Mehrere Zugaben, Jubel und Standing Ovations beschlossen die Musik- und Kulturtage der Extraklasse.

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