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Nils Koch (l.) und Sebastian Schepp sind als »Galgenbrüder« auf Mittelalter-Veranstaltungen unterwegs. Dort spielen sie ihre selbstgebauten Instrumente, präsentieren ihre Gaukelei und - so erzählen sie - machen auch schon mal einer Fürstentochter Aufwartungen.

»Galgenbrüder«

Die Spielmänner und ihre Abenteuer

  • vonInge Schneider
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Sebastian Schepp aus Ranstadt und Nils Koch aus Heegheim sind treten als »Galgenbrüder« auf - mit Todesschaukel, historischen Instrumenten und Geschichten über Fürstentöchter.

Wollt ihr die Todesschaukel sehen?«, ruft Sebastian Schepp, genannt »Taran, der Bauwütige«, ins coronagerecht auf dem Platz vor der Stockheimer Kulturhalle verteilte Publikum hinein. »Ja!«, kommt lautstark die Antwort, Vorab-Applaus brandet auf. Schepps Musikerkollege Nils Koch, genannt »Remus Trommelsturm«, erklimmt eine wacklige Wippe aus Brett und Rolle und hält zur Freude der Zuschauer kunstvoll sowohl das Gleichgewicht als auch den Trommeltakt.

Bauchtrommeln und Sackpfeifen

Bei einem der ersten Mittelalter-Events des Jahres 2021, dem Zeitreisen-Special im Rahmen der HSK-Live-Shows an der Kulturhalle Stockheim, hat das Spielmanns-Duo »Die Galgenbrüder« mit seinem Mix aus Musik, Anekdoten, Gaukelei, Akrobatik und Zauberei begeistert und überzeugt.

»Es tut so gut, wieder vor Publikum zu agieren«, sagen die beiden jungen Allrounder Schepp und Koch. »Die Zwangspause war nützlich als Auszeit - aber jetzt ist es definitiv genug!«

Unter dem Motto »Wer schneller spielt, ist früher an der Taverne« haben die beiden ehemaligen Schulfreunde 2010 zunächst locker zum Duo zusammengefunden. »Man erzählt sich, dass der Name ›Die Galgenbrüder‹ bei einem der vielen Abenteuer der beiden Spielmänner zustande kam«, berichtet Sebastian Schepp aus der Entstehungslegende. »Nach einem wilden Trinkgelage hatten sie sich dazu entschlossen, einer schönen Fürstentochter mitten in der Nacht mit lautstarken Klängen den Hof zu machen. Ein Vorhaben, das beinahe am Galgen geendet hätte.« Dergleichen Anekdoten wie auch die Erzählungen von Märkten und Festen zwischen der Ronneburg und dem Hayner Burgfest, dem Hohenstaufer Spektakulum und dem Hexenwerk am Vogelsberg, zwischen der Final Destination in Frankfurt sowie vielen Mittelalter-Events zwischen Büdingen und Speyer, Hanau und Gleiberg, Bodensee und Luxemburg kommen beim Publikum bestens an. Nicht zu vergessen die Musik. Sie speist sich hauptsächlich aus Quellen des Mittelalters und der Renaissance, aus dem Deutschen, dem Französischen und dem Balkanraum, aus Adaptionen und Eigenkompositionen.

Sebastian Schepp, 26 Jahre alt und gebürtiger Ranstädter, verfügt über eine klassische Ausbildung am Klavier, gefolgt vom Saxophon, was er unter anderem im Jugend- und im Stammorchester Florstadt gespielt hat. Mit 15 Jahren packte den vom Mittelalter-Flair begeisterten Jugendlichen der Klang der Bordunmusik, und so baute er sich seine ersten Sackpfeifen selbst in der heimischen Gartenhütte. Der Instrumentenbau gehört für den gelernten Meister und Techniker im Garten- und Landschaftsbau bis heute zu den wichtigen Hobbys.

Die frühe Begeisterung für die Musik teilt der 27-jährige Nils Koch aus Heegheim mit seinem Kollegen, er setzte sich mit sechs Jahren ans Schlagzeug. »Schuld daran ist mit Sicherheit auch das Erbe unserer Väter, Andreas Schepp und Erhard Koch, beides ambitionierte Bassisten«, berichtet Koch, der in der realen Welt über einen Bachelorabschluss in Forstwirtschaft verfügt und als Revierförster tätig ist. Seine Hobbys sind Triathlon, Bouldern, die Jagd und die Feuerwehr.

2013 fasste das Duo den Entschluss, sich entschiedener als bisher dem Mittelalter und der zugehörigen Szene der Gegenwart zuzuwenden. »Also zogen wir barfuß und mit umgeschneiderten Schlafanzughosen als Gewänder auf dem Himbacher Mittelaltermarkt ein und legten los - für ein paar Taler, die in den Hut flogen«, erinnert sich Sebastian Schepp mit einem Lächeln. »Darauf folgten viele weitere Entwicklungsschritte. Nils’ erste Davul/Bauchtrommel haben wir selbst hergestellt, ebenso wie unser Bühnenbild mit Galgen, Kisten und den meisten Requisiten.«

Das Duo erzählt: »Die Zeit der Pandemie war für uns ein hartes Brot und Erholung zugleich. Umso mehr freuen wir uns auf das, was in diesem Sommer möglich sein wird, und auf unser Publikum.« Und, versprechen die beiden: »Wir werden unser Bestes geben, des seid gewiss!«

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