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Brüder floppen mit Drogenanbau

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Mehrere 100 000 Euro hätte das Cannabis einbringen können, das ein 56-Jähriger in einer Halle in Altenstadt angebaut hat.
Mehrere 100 000 Euro hätte das Cannabis einbringen können, das ein 56-Jähriger in einer Halle in Altenstadt angebaut hat. © Red

Altenstadt/Büdingen (sax). Er baute in einer Lagerhalle in Altenstadt im großen Stil Cannabis an und wurde erwischt. Am Donnerstag saß der 56-jährige Düdelsheimer auf der Anklagebank des Büdinger Amtsgerichts. Der Vorwurf: gewerbsmäßiger Anbau von Drogen. Er wurde zu einer Strafe von zwei Jahren auf Bewährung verurteilt.

Ebenfalls angeklagt: sein 62-jähriger Bruder. Das Gericht verurteilte den Großostheimer zu einer Geldstrafe in Höhe von 4500 Euro (90 Tagessätze zu je 50 Euro). Schöffen und Richterin gingen davon aus, dass der 62-Jährige seinem kleinen Bruder lediglich bei der Anmietung der Lagerhalle geholfen hatte.

473 junge Cannabispflanzen hatten Beamte des Friedberger Rauschgiftkommissariats im März 2013 in einer Halle in Altenstadt entdeckt. Polizeipressesprecher Jörg Reinemer teilte mit, ausgewachsen könnten die Pflanzen zwischen 25 und 75 Kilogramm Marihuana liefern, bei einem Straßenpreis von 6 Euro pro Gramm wären das bis zu 300 000 Euro.

Während der Verhandlung wurde deutlich, die Idee, Cannabis zu züchten, um Geldsorgen zu beseitigen, kam dem 56-Jährigen. Dessen inzwischen verstorbener Sohn hatte wohl mit Hilfe zweier Tschechen, die in anderen Verfahren angeklagt sind, eine solche Anlage in Gründau betrieben. Als der Sohn aufflog, konnte er die technische Ausstattung retten. Diese habe der eine Tscheche in einer Halle aufgebaut, die der ältere Bruder angemietet hatte. Der 56-Jährige betonte, sein Bruder habe nicht gewusst, wozu die Halle genutzt werden sollte. Ganz unwissend war der 62-Jährige aber wohl doch nicht. Er räumte nach einigem Hin und Her ein, von dem geplanten Drogenanbau gewusst zu haben. Die Pflanzen habe einer der Tschechen im Auftrag des 56-Jährigen großgezogen. Doch die Plantage wurde entdeckt, noch bevor die erste Ernte eingefahren werden konnte. Der Grund: Die Pflanzen benötigten jede Menge Licht. Zwischen 20 und 25 Leuchten mit jeweils 600 Watt versorgten sie, berichtete der Tscheche im Zeugenstand. Entsprechend dicke Kabel seien vom Sicherungskasten in den Teil der Halle verlegt worden, wo sie wuchsen. Dieser Teil sei vom Rest der Fläche abgetrennt gewesen, berichtete die Vermieterin.

Doch es wurde zu viel Strom verbraucht, immer wieder flogen die Sicherungen raus. Ein Elektriker habe eine starke Überlastung festgestellt. Kaum habe er die Sicherung eingeschaltet, sei sie wieder heiß geworden, schilderte die Vermieterin. Zudem stellte die Frau bei einer Zwischenablesung fest, dass innerhalb von drei Monaten 4000 Kilowattstunden Strom verbraucht worden waren (Anm. der Red.: Im Schnitt verbraucht ein Zwei-Personen-Haushalt pro Jahr 2200 Kilowattstunden). Die Frau bat die Polizei um Hilfe, die Plantage wurde entdeckt. Die Beamten trafen in der Nähe der Halle zudem auf den 56-Jährigen, der im Auto, aber ohne Führerschein unterwegs war.

Unklar blieb während des Prozesses die Rolle des Tschechen. Der behauptete, lediglich Helfer gewesen zu sein. Sein Wissen über Plantagen habe er aus einem Buch und Gesprächen mit dem 56-Jährigen. Der wiederum sagte, der Tscheche habe das Wissen zum Aufbau und Betrieb der Anlage ins Geschäft eingebracht. Auch ließ sich nicht aufklären, wem die in der Lagerhalle gefundenen 242 Gramm Marihuana gehörten.

Barbara Lachmann und die Schöffen folgten dem Antrag der Staatsanwaltschaft und verurteilten den 56-Jährigen – auch wegen Fahrens ohne Führerschein – zur 24-monatigen Freiheitsstrafe auf Bewährung. Er muss zudem 1500 Euro in Raten an die Jugendberatung Suchthilfe des Wetteraukreises zahlen. Der Mann stand bereits 2001 wegen Drogenhandels vor Gericht. Es war zudem nicht das erste Mal, dass er ohne Führerschein hinterm Steuer erwischt worden war.

Der 62-Jährige wurde zur Geldstrafe verurteilt. Staatsanwaltschaft und Gericht glaubten ihm, dass er durch die Anmietung der Halle nur seinem Bruder, der eine eidesstattliche Versicherung abgegeben hatte, helfen wollte. Neben den Kosten für das Gerichtsverfahren und der Geldstrafe muss der Mann noch mehrere Tausend Euro Miet- und Stromkosten begleichen. (Foto: WZ-Archiv)

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