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Der Besitz einer Ziege bedeutet für die Familien eine Verbesserung der Ernährung durch Milch und die Produktion von Käse - der Start in den Aufbau einer bescheidenen, aber langfristig nachhaltigen bäuerlichen Existenz. FOTO-REPROS: INGE SCHNEIDER

»Bock auf Ziege«

  • vonInge Schneider
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Altenstadt (im). Existenzielle Nöte lindern, Hilfe zur Selbsthilfe und Zukunftsperspektiven geben - das ist Sinn und Zweck des vielseitigen Uganda-Engagements von Familie Seum aus Oberau. Als Vorsitzender der Altenstädter Gesellschaft für Geschichte und Kultur (AGGK) sieht Hans Seum seine Aufgaben keineswegs auf den lokalen und regionalen Bereich begrenzt, sondern denkt bewusst weiter.

Nachhaltig beeindruckt von den Verhältnissen in Uganda wollte Seum gemeinsam mit seiner Frau Beatrix konkrete, messbare und seriöse Hilfe ohne Umwege und direkt vor Ort leisten.

Verzahnte Hilfsprojekte

»Über einen ehemaligen Arbeitskollegen kamen wir in Kontakt mit einem pensionierten Pastor aus Fritzlar, Reinhard Berle und seiner Gattin, die im Jahr 2016 das Hilfswerk Tabitha Global Care ins Leben gerufen haben«, berichtet der Pensionär. »Die Organisation ist benannt nach einer sozial engagierten Jüngerin Jesu, von der die Apostelgeschichte zu erzählen weiß. Sie soll vor allem Frauen, Witwen und Waisen tatkräftig unterstützt haben.« In dieser Tradition fördert Tabitha Global Care eine Vielzahl systematisch ineinandergreifender Projekte wie die Trinkwasserbeschaffung durch Brunnenbohrungen, die Einrichtung von Help-Centern als Dorfmittelpunkte, die Ermöglichung einer Näherinnenausbildung für Frauen und Familienmütter, die Beihilfe zur kleinbäuerlichen Existenzgründung durch die Spende einer Ziege und die Patenschaften für Kinder und deren Familien, um einen Schulbesuch zu finanzieren. Besonders hebt Hans Seum die Seriösität von Tabitha Global Care hervor. »Mir war es sehr wichtig, jede Art von Spende absolut sinnvoll eingesetzt zu wissen. Ich wollte weder, dass Geld im Land in dubiosen Kanälen versickert, noch dass eine Großorganisation Teile davon in eine aufwendige Verwaltung investiert.«

Tabitha Global Care besitzt das DZI-Spendensiegel des Deutschen Instituts für soziale Fragen, das Vertrauenswürdigkeit, Transparenz und Effizienz bescheinigt und nach Vorlage eines Sach- und Finanzberichtes durch externe Wirtschaftsprüfer jährlich neu vergeben wird.

Auf der Basis dieses Vertrauens haben Hans Seum und seine Frau sich im Jahr 2019 entschlossen, zunächst eine Patenschaft für ein damals achtjähriges Mädchen zu übernehmen. Die Aids-Waise lebte bei ihren Großeltern in ärmlichen Verhältnissen, da die Eltern an dem HIV/AIDS Virus gestorben waren. »Die Aufnahme in das Patenprogramm ermöglichte ihr für einen Euro pro Tag nicht nur eine bessere Ernährung, sondern auch die Aufnahme in die örtliche, von Tabitha Global Care begründete Schule - und somit eine Zukunftsperspektive«, freut sich Seum. Der Schulbesuch bedeutet für das Patenkind nicht nur den Zugang zu Bildung, sondern auch zu Impfungen, medizinischer Versorgung und einer warmen Mahlzeit am Tag.

Gezielter Einsatz der Spendengelder

Für den gezielten Einsatz der Spendengelder vor Ort, die Begleitung und Unterstützung ist mit Linda Mukisa eine einheimische Projektleiterin verantwortlich, ein Beweis für die Bedeutung weiblicher Führung, die nicht dem traditionellen Status der Frau im Land entspricht und doch die Dorfgemeinschaften entscheidend voranbringt.

Ein weiteres Projekt hat Hans Seum seit dem Beginn des Jahres 2020 und seinem ersten persönlichen Besuch vor Ort gemeinsam mit Pastor Berle weiter forciert: Unter dem Motto »Bock auf Ziege« oder »Bock auf Gutestun« ist es möglich, für eine Einmalspende von 50 Euro über Tabitha Global Care eine Ziege zu erwerben und diese einer Dorffamilie in Uganda zur Verfügung zu stellen.

Der Besitz einer Ziege bedeutet für die Familien eine Verbesserung der Ernährung durch Milch und die Produktion von Käse sowie die Möglichkeit, eine kleine Zucht aufzubauen und durch Verkauf junger Zicklein schließlich die Mittel für den Erwerb eines Kalbs zusammenzubekommen. Der Aufbau einer bescheidenen, aber langfristig nachhaltigen bäuerlichen Existenz. Seit Anfang 2020 sind dank Seum über 50 Ziegen an ugandische Familien vermittelt worden.

Hans Seum bei seinem ersten Besuch in Uganda inmitten von Dorfkindern.

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