Dieser Bienenfresser hat diesmal keine Biene, sondern eine Libelle gefangen. FOTO: WILHELM
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Dieser Bienenfresser hat diesmal keine Biene, sondern eine Libelle gefangen. FOTO: WILHELM

Seltener Vogel

Bienenfresser im Auenverbund gesichtet

  • vonred Redaktion
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Ein exotisch anmutender, farbenprächtiger Vogel ist kürzlich im Auenverbund Wetterau gesichtet worden: der Bienenfresser.

Johann Wilhelm, Schutzgebietsbetreuer und Ehrenvorsitzende des Naturschutzrings Waldsiedlung, hat den seltenen Bienenfresser an den Teichen der Nachtweide entdeckt. Genauer gesagt waren es sogar mehrere.

"Zuerst war es ein Pärchen, eine Woche später zwei", berichtet Wilhelm. "Schon von Weitem hörte man ihr Rufen - prüt prüt prüt." Nach einigen Tagen beobachtete der Naturschützer auf einer Überlandleitung die Balz beider Paare. Die Weibchen wurden mit Libellen, Hummeln und kleinen Insekten verwöhnt. Immer wieder saßen die vier Vögel auch auf den Weiden an den Teichen des Gebiets und hielten nach Nahrung Ausschau.

Von seinem Versteck aus konnte Weilhelm mit dem Spektiv beobachten, wie die Vögel immer wieder eine bestimmte Stelle an der Nidder anflogen und verschwanden. Von seinen Urlaubsreisen nach Portugal und in die Provence wusste er, dass Bienenfresser am liebsten an Steilhängen und Steilufern brüten. So konnte er die Bruthöhlen nach einiger Zeit lokalisieren und die Vögel weiter beobachten - ohne sie zu beunruhigen und zu stören, betont Wilhelm.

Mit Futter zum Ausfliegen locken

Nach drei Wochen - so lange dauert die Brut - konnte er die vier Vögel dabei beobachten, wie sie in kurzen Abständen die Brutröhren anflogen. "Nach lauten Rufen ›prüt prüt‹, welche die Fütterung ankündigten, ging es im Sturzflug in oder an die Höhle."

Nach der Nestlingszeit von 28 Tagen flogen die Altvögel immer wieder mit Futter im Schnabel am Eingang vorbei, nachdem sie vorher lange gerufen und gelockt hatten. So wollten sie die Jungen zum Ausfliegen bewegen, "was sehr spannend zu beobachten war".

Vor zwei Wochen war es dann soweit: An einem Vormittag zählte Wilhelm fünf Jungvögel eines Brutpaars. Das andere Paar sei auf unerklärliche Weise verschwunden, nachdem es kurze Zeit nach dem Ausflug der Jungen noch gesehen worden war. Ob daran sechs Turmfalken beteiligt waren, die er gesehen hatte, die natürlichen Feinde der Bienenfresser, fragt sich Wilhelm.

Die verbliebenen Bienenfresser setzten sich schnell immer weiter Richtung Hainchen ab und blieben fortan für ihn unsichtbar. Wilhelm hofft, dass sie überlebt haben. Insgesamt hat er die seltenen Vögel 125 Stunden beobachtet und seine Erkenntnisse im "Ornitho"-Programm festgehalten. Wilhelm dankt Stefan Stübing von der HGON und Sven Eric Wagner für die Unterstützung.

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