dab_biber1_190421
+
Der Biberdamm ist kaputt, das Wasser im Schwarzlachgraben abgesunken.

Vandalismus

Wetterau: Unbekannte zerstören Biberdamm in Höchst

  • Dagmar Bertram
    vonDagmar Bertram
    schließen

Unbekannte haben in Höchst einen Biberdamm zerstört. »Das ist kein Kavaliersdelikt«, ärgert sich BUND-Vorsitzender Dr. Werner Neumann. Der Verband habe Anzeige erstattet.

Altenstadt – Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Altenstadt hatte mehrere Hinweise auf die Biber aus der Bevölkerung erhalten: In Höchst hatte eine Biberfamilie in unmittelbarer Nähe zum dortigen Naturschutzgebiet einen Damm gebaut. Das Wasser im Schwarzlachgraben, der dort zugleich die Grenze zu Nidderau darstellt, war 30 bis 50 Zentimeter aufgestaut worden. Nordöstlich hatte sich dort, wo sich sonst das Hochwasser der Nidder staut, ein Teich gebildet. Dies war die Situation vor etwa zehn Tagen, wie BUND-Vorsitzender Neumann berichtet.

Eine Woche später besuchte er gemeinsam mit der Umweltbeauftragen der Gemeinde, Sabine Schubert, den Graben mit Biberdamm. »Das Erschrecken war groß, hatte doch jemand den Damm des Bibers aus Weidengeflecht zerstört, damit das Wasser abfließt«, berichtet Neumann.

Wetterau: Weiden an Biberdamm in Höchst abgesägt

Zur selben Zeit sei eine Gruppe von Schülerinnen und Schülern der Grundschule vor Ort gewesen, die lebhaft ihre Kenntnisse vom Biber mitgeteilt hätten - zum Beispiel dass er das zweitgrößte Nagetier der Welt ist. »Doch auch sie staunten, denn die Schnittstellen der abgeschnitten Weidenbäume wiesen keine Spuren von Biberzähnen auf, sondern waren glatt durch eine von Menschenhand bediente Säge abgetrennt« Zudem war durch die Absenkung des Wassers der Eingang der Biberburg freigelegt worden.

Die Zerstörung des Damms sei kein Kavaliersdelikt, betont Neumann. »Es ist ein schwerwiegender Eingriff in die Natur, denn der Biber steht unter besonderem Schutz.« Festgelegt sei dies im Bundesnaturschutzgesetz, wonach Fortpflanzungs- und Ruhestätten streng geschützter Arten nicht zerstört werden dürften. Dies könne als Ordnungswidrigkeit mit einer Strafe bis zu 50 000 Euro geahndet werden.

»Wird die Zerstörung sogar vorsätzlich vorgenommen, was hier offensichtlich ist, kann dies sogar als Strafe mit Geldbuße oder Freiheitsstrafe gewertet werden.« Beispiele aus anderen Orten zeigten, dass die Strafen zwischen 2000 und 8000 Euro liegen könnten.

Wetterau: Anzeige wegen zerstörtem Biberdamm erstattet

Die Gemeinde habe sofort die Untere Naturschutzbehörde des Wetteraukreises informiert. Der BUND habe zudem eine Anzeige wegen Verstoß gegen den Naturschutz beim Kreis und beim Regierungspräsidium Darmstadt erstattet.

»Vielleicht hat sich jemand über die Aufstauung des Wassers geärgert«, überlegt Neumann. »Auf der anderen Seite sollten wir froh sein, wenn sich seltene Arten, die im Mittelalter fast ausgerottet worden waren, wieder ansiedeln.« Denn der Biber sei eine Art, die mithelfe bei der Renaturierung der Bäche und Flüsse.

Aber Neumann hat auch eine gute Nachricht: Bei einer weiteren Sichtung gemeinsam mit dem vom Regierungspräsidium beauftragen »Bibermanager« hätten sie gesehen, dass der Biber den beschädigten Damm teilweise wieder abgedichtet habe. »Das sollte auch so bleiben«, hofft Neumann. Es hätten sich auch weitere Spuren gezeigt, die darauf hinwiesen, dass die Biber sich dort schon längere Zeit aufhielten.

Der BUND-Vorsitzende betont, dass man sich freuen sollte, dass seltene Tiere sich in den Bereichen ausbreiten, die man dafür unter Schutz gestellt habe. »Denn eine intakte Natur ist letztlich die Grundlage, dass es auch für die Menschen gesunde Lebensverhältnisse gibt.« Sein Rat: Falls es zu Konflikten komme, sei es in der Landwirtschaft oder zum Beispiel durch Wespen oder andere Tiere, sollte man sich an die Naturschutzverbände und die Umweltberatung in Altenstadt wenden, »bevor man in irgendeiner Weise zerstörend eingreift«.

Der Biber kehrt zurück: In Hessen zu Hause

Jahrhunderte lang galt der Biber auf dem Gebiet des heutigen Hessens als ausgestorben. Mittlerweile ist er wieder im ganzen Land verbreitet. Nach seiner Auswilderung in den 1980er Jahren trat er einen Siegeszug an. »Inzwischen sind fast alle hessischen Gewässer von der Mümling im Süden bis zur Eder im Norden zumindest mit Einzeltieren besiedelt«, sagte dieser Tage eine Sprecherin des Umweltministeriums. In etwa 300 Biberrevieren leben demnach heute rund 1000 Tiere, und die Population wächst jedes Jahr um 20 Prozent.

Der Biber ist nicht der einzige Rückkehrer: Auch Wölfe und Luchse sind wieder in Hessens Wäldern unterwegs. Mehrere Jahrzehnte war auch der Uhu nicht mehr im Land gesichtet worden, bevor die größte Eulenart durch strengen Schutz wieder heimisch werden konnte. dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare