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Nach den bundesweiten Turbulenzen um die Wahl eines Vertreters der rechtsextremen NPD zum Ortsvorsteher im Altenstädter Stadtteil Waldsiedlung werden die Karten bei den Kommunalwahlen am 14. März neu gemischt.

NPD-Funktionär als Kurzzeit-Ortsvorsteher

Altenstadt-Waldsiedlung seit dem Wahleklat: »In kürzester Zeit zur Sacharbeit zurückgekehrt«

  • vonDPA
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Bei der Kommunalwahl wird auch in Altenstadt-Waldsiedlung ein neuer Ortsbeirat gewählt. Die Wahl eines NPD-Funktionärs zum Ortsvorsteher hatte im vergangenen Jahr noch für Aufsehen gesorgt.

Bei den anstehenden Kommunalwahlen am 14. März wird auch über die neue Zusammensetzung der Ortsbeiräte entschieden, die in den Stadtteilen die Anliegen von Bürgern vertreten. Auf eine teils aufsehenerregende Zeit blickt dabei der Ortsbeirat von Altenstadt-Waldsiedlung zurück.

Das Gremium war im Herbst 2019 bundesweit in die Schlagzeilen geraten, weil es mit Stefan Jagsch einen Vertreter der rechtsextremen NPD zum Ortsvorsteher gewählt hatte. Angesichts der Welle der Empörung wurde dieser wenig später wieder abgesetzt.

»Es war auf jeden Fall aufregend und manchmal turbulent«, berichtet nun Tatjana Cyrulnikov (CDU). Die heute 24-Jährige war nach dem Eklat zur neuen Ortsvorsteherin gewählt worden. »Gott sei Dank beruhigte sich dann die Lage wieder und wir konnten nach kürzester Zeit zur Sacharbeit zurückkehren. Denn dafür ist ein Ortsbeirat schließlich da - sich für die Belange der Bürger und Bürgerinnen im Ortsteil einzusetzen.«

Durch die Umstrukturierungen infolge der Wahl Jagschs kamen neben Cyrulnikov weitere neue Gesichter in den Ortsbeirat - laut der 24-jährigen CDU-Politikerin tat das der Arbeit »extrem gut, denn durch neue, frische Ideen konnten wir völlig neue Projekte anstoßen, die unseren Ortsteil aufwerten werden«.

Natürlich stünden Themen wie Schlaglöcher, Verkehrsaufkommen oder Mäh- und Schnittarbeiten weiter auf der Tagesordnung, doch auch familienfreundliche Projekte wie etwa die Umgestaltung des in die Jahre gekommenen Bolzplatzes seien jetzt auf der Agenda.

Altenstadt-Waldsiedlung: Mehr Beteiligung seit Wahleklat im Herbst 2020

Die Ortsvorsteherin freut sich zudem darüber , dass die Zusammenarbeit mit Vereinen, der Kirche sowie den Gewerbetreibenden in der Waldsiedlung wieder »in ruhiges Fahrwasser gelenkt« werden konnte. Ein weiterer positiver Aspekt der Aufregung um die Wahl Jagschs: »In den vergangenen Jahren waren noch nie so viele Bürger in den Sitzungen des Ortsbeirats wie in den letzten sechs Monaten. Dabei ist das maßgeblich«, sagt die Ortsvorsteherin, die sich deshalb wünscht, dass auch weiterhin »Interessierte zu unseren Sitzungen kommen, um Probleme anzusprechen, mit uns gemeinsam Lösungen zu diskutieren und diese dann per Antrag an die Gemeinde weiterzugeben«.

Cyrulnikov kündigte die nächste Sitzung für die Zeit nach der Kommunalwahl an - mit entsprechendem Vorlauf, wie sie mit Blick auf die Kritik an der zuletzt oft kurzfristigen Terminansetzung betont. Ob sie dann erneut als Ortsvorsteherin kandidiert, machte sie von der Zusammensetzung des zukünftigen Ortsbeirates abhängig.

Der »Fall Jagsch« beschäftigt derweil weiterhin das Verwaltungsgericht Gießen. Der als Ortsvorsteher wieder abgesetzte stellvertretende Landesvorsitzende der NPD Hessen klagte gegen seine Abwahl. Ein Urteil wird laut eines Gerichtssprechers bald erwartet.

Jagsch war im September 2019 von den damals anwesenden Vertretern des Ortsbeirats von CDU, SPD und FDP zum Ortsvorsteher gewählt worden. Sie begründeten damals die Wahl unter anderem mit fehlenden anderen Kandidaten. Das Parteibuch habe dabei keine Rolle gespielt.

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