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Alles auf null im Jubiläumsjahr

  • vonHarald Schuchardt
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Patienten in Kliniken besuchen, mit ihnen reden und kleine Besorgungen erledigen - das haben sich die Grünen Damen Wetterau auf ihre Fahnen geschrieben. Doch seit Mitte März gilt auch für die aktuell 53 grünen Damen und den einen grünen Mann das absolute Besuchsverbot in allen Kliniken.

Unser Jubiläumsjahr haben wir uns natürlich ganz anders vorgestellt. Jetzt ist alles auf null«, sagt Stephanie Amend, die im Februar den Vorsitz der Grünen Damen Wetterau von Dorothee Langsdorf übernommen hat, Langsdorf hatte den Verein acht Jahre lang geführt. Gegründet wurde der gemeinnützige Verein am 23. Juni 1995 von fünf Frauen unter der Leitung von Ingeborg Stricker.

17 Jahre stand Stricker an der Spitze des mildtätigen Vereins, dessen Aufgabe es bis heute ist, »Mitmenschen den Aufenthalt im Krankenhaus zu erleichtern«, wie es einmal in einem Flyer der Grünen Damen gestanden hat. Zunächst wurden Patienten im Friedberger Bürgerhospital und dem Bad Nauheimer Hochwaldkrankenhaus betreut. Dazukamen im Laufe der Jahre die Kerckhoff-, Harvey- und Diabetesklinik. Auch in Seniorenresidenzen und Altenpflegeheimen waren die Grünen Damen bis zum Lockdown aktiv, unter anderem in den Bad Nauheimer Seniorenresidenzen Kaiserberg und Kurstraße sowie im Florstädter Marie-Jucharz-Haus der AWO und in der Seniorenresidenz Bisses.

Unterwäsche für den Notfall

Die Einsätze werden von der Vorsitzenden koordiniert. In jedem Krankenhaus haben die Grünen Damen einen Fundus aufgebaut, unter anderem mit neuer Unterwäsche, Trainingshosen und Shirts, aber auch Toilettenartikeln aller Art. Einen Teil dieser Artikel stellt die Drogeriekette DM kostenlos zur Verfügung. Der Fundus wird immer dann genutzt, wenn Menschen in eine Klinik eingeliefert werden, die nicht mal eine Nachthemd oder eine Zahnbürste dabei haben. Für seine Arbeit erhielt der Verein schon mehrere Preise, wie den Sozialpreis des Wetteraukreises, den Ehrenamtspreis der Wetterauer SPD und die Auszeichnung »Helfende Herzen« der DM-Drogeriekette.

»Wir hoffen, dass wir bald wieder loslegen können«, sagte die Vorsitzende im Gespräch mit der WZ, zu dem auch die zweite Vorsitzende Brigitte Kress gekommen ist. Schriftführerin Elke Glockengiesser-Puth und Kassenwartin Margret Kirchner ergänzen aktuell den geschäftsführenden Vorstand.

Kress spricht eine unerwartete Folge der Pandemie an: »Unsere ganze Arbeit wird durch Spenden finanziert, aber seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie erhalten wir so gut wie keine Spenden mehr.« Zu den regelmäßigen Spendern gehören Stiftungen, Vereine, Firmen und Privatpersonen. »Wir wären für jede Spende gerade jetzt sehr dankbar«, sagt Amend, die seit dem Besuchsverbot in den Gesundheitseinrichtungen regen Kontakt mit ihren Vorstandskollegen hält.

Junge Neuzugänge sind erwünscht

»Auch unsere Mitglieder melden sich bei uns, und bei Geburtstagen gratuliere ich telefonisch«, sagt Amend, die hofft, dass die Grünen Damen nach den Sommerferien ihre Arbeit wieder aufnehmen können. Geplant ist, dann alle Einrichtungen anzuschreiben, sich für die geleistete Arbeit des Personals in dieser schwierigen Zeit zu bedanken und das weitere Vorgehen abzusprechen.

Ein anderes Problem des Vereins ist die Altersstruktur der aktiven Grünen Damen. Kress: »Wir werden ja alle nicht jünger und würden uns über jüngere Neuzugänge sehr freuen.«

Absagen musste der Vorstand die am Gründungstag geplante Festveranstaltung im Hochwaldkrankenhaus. Ob diese nachgeholt werden kann, ist momentan mehr als fraglich. »Mal sehen, was wir machen. Wichtiger ist, dass wir unsere Tätigkeit bald wiederaufnehmen können«, sagt Amend - und Kress ergänzt: »Gerade in dieser Zeit wären unsere Anwesenheit und Unterstützung des Personals so wichtig gewesen.«

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