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Prozess am Friedberger Amtsgericht: Der Angeklagte benennt Drogen als Ursache für seine Straftaten. SYMBOLFOTO

Aggressionen, Drogen und Reue

  • VonSophie Mahr
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Eine Messerattacke, die Zerstörung einer Ampel mit einer Axt, Körperverletzungen und Bedrohungen gehören zu den neun Straftaten, die einem 25-Jährigen vorgeworfen werden, der sich dafür am Friedberger Amtsgericht verantworten muss. Zeugen bestätigen die Taten. Doch der Angeklagte kann sich nicht an alles erinnern.

Ich bereue alles, was passiert ist, und möchte mich entschuldigen. Ich war durch die Drogen beeinflusst. Ich möchte von den Drogen befreit werden. Ich bin im Grunde genommen kein schlechter Mensch«, übersetzt der Dolmetscher des Angeklagten. »Bitte geben Sie mir eine Chance. Ich möchte geheilt werden und brauche Hilfe.« Mit diesen Worten endet die Aussage des 25-Jährigen vor dem Amtsgericht in Friedberg.

Dem Angeklagten werden versuchte gefährliche Körperverletzung, mehrfache Körperverletzung, Bedrohung und Sachbeschädigung vorgeworfen. Die Taten sollen sich im vergangenen Sommer in Friedberg und Bad Nauheim zugetragen haben. Der Prozess hat am 27. April begonnen. Für den zweiten Verhandlungstag am Dienstag waren elf Zeugen geladen.

Der erste Zeuge, der aufgerufen wurde, ist gleichzeitig eine der geschädigten Personen. Laut Anklageschrift habe der Beschuldigte den 35-Jährigen grundlos auf seinem Weg zur Arbeit in Höhe de s Lidl-Marktes in Fauerbach mit einem Kopfstoß angegriffen. »Ich war total überrascht, als das passiert ist«, sagt der Geschädigte. »Ich kenne ihn nicht mal.« In diesem Punkt widersprechen sich die Aussagen.

Der Beschuldigte hatte gesagt, dass er an einem anderen Tag vor der Auseinandersetzung mit einem Freund zu dem Zeugen gegangen sei, um Kokain zu kaufen. Doch noch während er auf der Treppe gewartet habe, sei der 35-Jährige aus seiner Wohnung gekommen und habe eine Schusswaffe auf den Angeklagten gerichtet. Zudem habe er diesen mit Fäusten und Tritten attackiert. »Ich wusste nicht, warum er mich angreift, und hatte Angst, dass er abdrüc kt«, schildert der Angeklagte. »Als ich ihn auf der Straße getroffen habe, hatte ich Angst, dass er auf mich schießen würde.« Der Geschädigte und sein Arbeitskollege hätten den Angeklagten angegriffen. »Ich habe versucht, mich mit einem Kopfstoß zu verteidigen. Ich habe keineswegs die Absicht gehabt, ihn zu misshandeln. Die Situation, als er mich mit der Waffe bedroht hat, geht nicht aus meinem Kopf.«

Doch diese Situation habe sich nach Aussagen des Zeugen nicht ereignet. Er habe sich weder mit dem Angeklagten getroffen, noch kenne er seinen Freund, und er habe nichts mit Drogen zu tun.

Wochen später seien die beiden erneut aufeinander getroffen. Der Zeuge habe mit seiner Freundin spazieren gehen wollen, als der Angeklagte aufgetaucht sei. »Da habe ich ihn gefragt, was das beim letzten Mal sollte«, sagt der Zeuge. Plötzlich sei der Angeklagte durch ein offen stehendes Fenster in eine Wohnung gesprungen und mit einem 20 Zentimeter langen Küchenmesser bewaffnet wieder herausgekommen. D er Zeuge habe jedoch ausweichen können, sodass nur ein Auto beschädigt worden sei. Bevor die Polizei eintraf, sei der Angeklagte erneut in die Wohnung gesprungen und von dort geflohen. Der Angeklagte wurde noch am selben Tag von der Polizei gefasst, da er mit einer Axt auf eine Ampel eingeschlagen haben soll. An die vorangegangene Tat könne er sich nicht erinnern. Ein Grund dafür könne der Drogeneinfluss sein.

Streit um Maske

Aus der Aussage des Angeklagten geht hervor, dass er bei fast allen Taten unter Drogen gestanden habe. Mal seien es Amphetamine, mal Ecstasy, Marihuana, LSD oder Kokain gewesen. So auch bei einer Tat auf der Kaiserstraße. »Mir ging es nicht gut«, sagt der iranische Staatsbürger. »Ich hatte drei Nächte nicht geschlafen, war auf Kokain und wusste nicht, wie ich von Frankfurt nach Friedberg gekommen bin.« Auf der Kaiserstraße sei er dann in einen Bus nach Bad Nauheim eingestiegen. Doch der Busfahrer habe ihn nicht mitnehmen wollen, weil er keine Maske getragen habe. »Sie wussten doch von der Maskenpflicht«, sagt Richter Dr. Marcus Bange und weist darauf hin, dass zu der Zeit die Corona-Fallzahl angestiegen und kaum jemand geimpft gewesen sei. »Sie hätten viele Menschen anstecken können.« Daraufhin entschuldigt sich der Angeklagte für die Tat, die der Busfahrer im Zeugenstand schildert: »Gegen 17 Uhr ist ein Mann ohne Maske eingestiegen. Ich habe ihn angesprochen, und dann fing der ganze Stress an.« Der Angeklagte habe unter anderen gesagt: »Wenn du nicht weiterfährst, bist du tot.« Der Busfahrer habe die Polizei gerufen. »Während wir gewartet haben, ist eine Frau mit ihren kleinen Kindern ausgestiegen. Ich hatte extra die Türen offen gelassen. Alle haben Angst gehabt.«

Der Staatsanwalt sagte nach dem ersten Verhandlungstag, dass der Angeklagte zu Impulsausbrüchen neige. Während der Verhandlung saß dieser jedoch ruhig da. »Ich kann mich mit der Person, die in der Anklage steht, nicht identifizieren. Ich wundere mich, über die Taten«, sagt der 25-Jährige. Der Prozess wird am 1. Juni fortgesetzt.

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