Mit entsprechendem Abstand genießen (von links) Marco Müller, Markus Herok, Jens Mies und Lars Michl den Äppler in der Apfelweinstraußwirtschaft "Zum Gerippte". 	FOTOS: LONI SXCHUCHARDT
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Mit entsprechendem Abstand genießen (von links) Marco Müller, Markus Herok, Jens Mies und Lars Michl den Äppler in der Apfelweinstraußwirtschaft »Zum Gerippte«. FOTOS: LONI SXCHUCHARDT

Äppler ohne Bembel

  • vonHarald Schuchardt
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Mit dreiwöchiger Verspätung begann am 15. Mai die Saison in der Apfelweinstraußwirtschaft »Zum Gerippte«. Wirtin Eva Maria Scharf hat alle Hygiene-Maßnahmen umgesetzt und ist mit dem Saisonverlauf zufrieden. Das gilt auch für den Vatertag.

Hochsommerliche Temperaturen und Sonnenschein locken an Christi Himmelfahrt Vatertagsgruppen, aber auch Familien, Wander- und Radgruppen in den Gerippten im alten Ockstädter Ortskern. Die Wetterbedingungen in diesem Jahr waren genauso, wie es sich jeder Wirt wünscht. Doch es waren keine Vatertagsgruppen, sondern meist Radfahrer und Wanderer, die unter Corona-Bedingungen im Hof des Gerippten ihren Äppler genossen.

Den gibt es dieses Jahr allerdings nicht im Bembel, sondern nur im Glas. »Alles, was der Übertragung von Erregern dienen könnte, ist nicht gestattet«, erklärt die Wirtin. Dazu zählen auch die kostenlosen Salzstangen im Glas, die ansonsten zum Knabbern einladen. Verringert hat die Wirtin das Speisenangebot. »Handkäs, Flammkuchen und Pfefferbeißer, das muss ein«, sagt Scharf.

Deko darf nicht sein. Stattdessen befinden sich auf den mit großem Abstand im Hof aufgestellten Tischen eine von Erich Scharf konstruierte »Sperreinrichtung« aus Holzlatten und rot-weißem Band.

In der Regel dürfen an jedem Tisch zwei Mal zwei Personen sitzen. Kommen Personen aus zwei Hausständen, dann dürfen es mehr sein, und die Sperre wird verschoben oder abgenommen, was meist bei zwei Familien mit Kindern der Fall ist.

»Die Gäste nehmen das alles freundlich hin«, sagt Eva Scharf, die immer wieder Anrufe erhält und Menschen fragen, ob sie die Verordnungen erfüllt habe. Sie selbst hat die »Verordnung zur Beschränkung von sozialen Kontakten usw.« genau studiert und dazu Fragen gehabt.

Diese hat sie per Mail an buergertelefon@stk.hessen.de gestellt und eine umfassende Antwort erhalten. »Das war richtig gut«, sagt Scharf, die die gesamte Verordnung samt der ausgedruckten Antwortmail an das Tor der Kulturscheune ebenso ausgehängt hat wie die Hygiene-Hinweise des Gaststättenverbands DEHOGA

»In der Scheune dürfen maximal zwölf Leute sitzen oder höchstens zehn Menschen die Kunstausstellung betrachten«, erklärt Scharf, die Plätze nur dann zuweist, wenn es voller wird und die meisten Tische besetzt sind, so wie am Nachmittag des Vatertags. Da kamen sechs Männer in den Hof, immer zu zweit und mit dem entsprechenden Abstand.

»Wir sind die Wanderer von Blau-Gelb Friedberg. Wir wandern jedes Jahr am Vatertag und kehren hier ein«, erzählt Markus Herok und fügt hinzu: »Wir sind immer zu zweit und mit großem Abstand gelaufen. Das ging prima.« Getrennt an zwei Tischen genießt das Sextett den Äbbelwoi. Mit großem Abstand verlassen die Sechs am frühen Abend den Hof.

Schon letztes Jahr hatte Scharf auf Selbstbedienung umgestellt, was sich in Corona-Zeiten als sehr positiv erweist. So hat Scharf nahezu keinen direkten Kontakt zu den Gästen, die das Geschirr und die Gläser in die bereitgestellten Kisten stellen.

Natürlich werden die Tische bei einem Wechsel desinfiziert. Im Eingangsbereich des Gerippten und den dort befindlichen Toiletten befindet sich in einem Holztrog Desinfektionsmittel. »Ich glaube nicht, dass sich bis zum Herbst viel ändern wird«, sagt Scharf, die Mitglied im »Wetterauer Landgenuss« ist und im regen Austausch mit den anderen Gastronomen steht. Scharf: »Jeder hat die Ärmel hochgekrempelt, sich was einfallen lassen und für seinen Betrieb ein Konzept erarbeitet.«

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