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Die Mitarbeiter der Stadt Bad Nauheim können sich im Corona-Testcenter auf dem Parkdeck Sprudelhof testen lassen. Für sie sind jeweils Zeitfenster reserviert, sodass eine Terminvereinbarung entfällt.

Abstriche für die Arbeit

  • Christoph Hoffmann
    VonChristoph Hoffmann
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  • Sophie Mahr
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Angela Merkel hat den Druck auf Arbeitgeber erhöht und fordert, dass Angestellten regelmäßig Corona-Tests angeboten werden sollen. In den heimischen Unternehmen wird das bisher unterschiedlich umgesetzt. Das liegt jedoch nicht nur an Lieferschwierigkeiten.

Corona hat vieles ausgebremst, den Bauboom jedoch nicht. Die Branche hat vergangenes Jahr sogar einen Rekordumsatz erzielt. Die Mitarbeiter des Mittelhessischen Bauunternehmens Faber & Schnepp haben alle Hände voll zu tun und sind oft auf Baustellen unterwegs. Damit sie nicht sich oder andere mit dem Corona-Virus anstecken, gibt es Vorkehrungen, sagt Andreas List, Fachkraft für Arbeitssicherheit. »Auf einigen unserer Baustellen besteht eine wöchentliche Testpflicht.« Eine vom Betrieb zu organisierende verbindliche Testpflicht lehnt List ab, weil sie »schwer bis gar nicht« umsetzbar wäre.

IHK lehnt Verpflichtung ab

Solch eine Pflicht hat Angela Merkel ins Spiel gebracht. Die Selbstverpflichtung, wonach Arbeitgeber ihren Mitarbeitern möglichst zweimal die Woche Corona-Tests ermöglichen sollen, sei nicht ausreichend gut umgesetzt.

Die IHK Gießen-Friedberg hält davon nichts. Bei einer aktuellen Umfrage unter 129 heimischen Betrieben bemängeln 40 Prozent, dass Informationen zum Testen in den Betrieben fehlen. Rund 21 Prozent kritisieren, dass Anbieter nicht liefern würden. »Diese Auswertung zeigt, dass eine Test-Verordnung für Betriebe an der Realität vorbeigeht. Wichtiger sind Unterstützungsmaßnahmen und Informationen«, sagt Matthias Leder, Hauptgeschäftsführer der IHK Gießen-Friedberg. Gleichzeitig betont Leder, dass 22 Prozent der Betriebe ihren Beschäftigten regelmäßig Corona-Tests anbieten. Rund 20 Prozent wollen in Kürze mit den Testungen starten. Viele Firmen, die nicht testen lassen, haben ihre Belegschaft laut IHK ins Homeoffice geschickt. Andere seien geschlossen.

Auch bei der Wetterauer Zeitung wird getestet. Während ein Großteil der Beschäftigten im Homeoffice arbeitet, sind Tätigkeiten wie die Drucktechnik nur vor Ort umsetzbar. »Unseren Mitarbeitern aus der Produktion wird mindestens einmal pro Woche ein Selbsttest zur Verfügung gestellt«, sagt Betriebsleiterin Jennifer Ellinger. Dies sei die praktikabelste Art, da die Betroffenen zu unterschiedlichen Zeiten im Einsatz seien.

Der Wetteraukreis bietet seinen Mitarbeitern zweimal wöchentlich am Standort Friedberg und einmal wöchentlich am Standort Büdingen Antigen-Schnelltests an. »Eine Testpflicht für jeden Einzelnen würde die Bekämpfung der Pandemie erleichtern«, sagt Kreispressesprecher Michael Elsaß. »Sie ist aber auch ein Eingriff in die Persönlichkeitsrechte.«

Der Bad Nauheimer Bürgermeister Klaus Kreß und der Fachbereichsleiter für Zentrale Steuerung und Öffentlichkeitsarbeit, Matthias Wieliki, sagen, dass eine Testpflicht hilfreich sei, um schneller zur Normalität zurückzukehren. »Der Effekt ist umso wirkungsvoller, wenn die Tests flächendeckend durch Unternehmen angeboten werden.« Daher mache die Stadt den Bad Nauheimer Arbeitgebern das Angebot, für ihre Mitarbeiter Zeitfenster im Testcenter am Sprudelhof zu buchen.

Warten auf die Lieferung

Die Mitarbeiter der Stadt können in diesem Corona-Testcenter zweimal in der Woche einen Antigen-Schnelltest vornehmen lassen. »Wir unterstreichen dabei die dringende Erwartung, dass dieses Angebot regelmäßig angenommen wird«, sagen Kreß und Wieliki. Das Personal der städtischen Kindertagesstätten solle in Kürze zusätzlich Selbsttests vom Land Hessen erhalten.

Die Continental Automotive GmbH stellt ihren Mitarbeitern, unter anderem in Karben, einen Selbsttest pro Woche zur Verfügung, sagt Pressesprecherin Jennifer Theveßen. »Die Tests sind eine flankierende Maßnahme, die die Einhaltung der bestehenden Schutzkonzepte nicht ersetzt.«

Der Edeka-Markt in Friedberg hat im Januar bei den Mitarbeitern einen Antikörper-Test gemacht. »Seitdem testen wir die Mitarbeiter einmal pro Woche auf freiwilliger Basis mit den Antigen-Schnelltests«, sagt Inhaber Lars Koch. Bei Verdachtsfällen werde zusätzlich getestet.

Die Sparkasse Oberhessen wartet laut Pressesprecher Eric Zimdars seit fünf Wochen auf die Lieferung von Schnelltests. »Daher haben wir unseren Mitarbeitern Informationen zur Verfügung gestellt, wo sie sich testen lassen können«, sagt Zimdars. Ein Drittel der Belegschaft befinde sich zudem im Homeoffice.

»Wir bieten täglich den Mitarbeitern im gesamten Präsidium Schnelltests an«, sagt Jörg Reinemer, Sprecher des Polizeipräsidiums Mittelhessen.

Einige Arbeitgeber in der Region testen ihre Mitarbeiter also bereits regelmäßig. Ob aus der Selbstverpflichtung eine Pflicht wird, bleibt abzuwarten.

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