Das "Pane e Vino" am Aliceplatz hat seit Donnerstag geschlossen, wie Edda Dietz beim Spaziergang durch die Bad Nauheimer Innenstadt erfährt.	FOTOS: IHM-FAHLE
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Das »Pane e Vino« am Aliceplatz hat seit Donnerstag geschlossen, wie Edda Dietz beim Spaziergang durch die Bad Nauheimer Innenstadt erfährt. FOTOS: IHM-FAHLE

»Abstand« lautet die Devise

  • vonPetra Ihm-Fahle
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Viele Geschäfte haben seit Mittwoch wegen der Corona-Krise zu, Cafés und Restaurants sind größtenteils weiterhin offen. Wie gehen die Inhaber der Lokale und Bürger, die unterwegs sind, mit der Lage um? Gibt es überhaupt noch Menschenansammlungen? Das Beispiel Bad Nauheim.

Die Bad Nauheimer Straßen und Parkwege sind angesichts der Corona-Krise nicht ausgestorben, aber viel los ist nicht in der Innenstadt. Das »Phono« in der Kurstraße etwa hat geschlossen, der Spielplatz in der Parkstraße ist abgesperrt. Drei Kinder laufen darauf zu, sehen das rot-weiße Band und verlangsamen ihren Schritt. Gleich daneben steht eine Bank, dorthin setzen sie sich mit ihren Müttern und essen ein Eis.

»Wir wussten, dass der Spielplatz zu ist, aber die Kinder wollen jeden Tag nachschauen, ob es immer noch so ist«, erzählt eine der beiden Frauen. Das Eis gibt es zum Trost. »Solange wir noch rausgehen können, gehen wir raus«, sagt die Mama. Mit einem Ausgangsverbot rechnet sie eventuell ab nächster Woche.

Blumenhändler mit Lieferservice

Bei »Pane e Vino« war bis vorgestern noch einiges los, nun aber ist der Ort am Schuckhardt-Brunnen verwaist. An der Tür hängt ein Schild, wonach aus »gegebenem Anlass« bis voraussichtlich Ende des Monats geschlossen ist. Edda Dietz aus Bad Nauheim bleibt stehen, liest den Text. »Gerade wollte ich bei der Bahn meine Reise nach Bayern stornieren, denn dort ist die Corona-Krise schlimmer als in Hessen«, sagt sie. Da der Bahnschalter während der Mittagszeit geschlossen hat, spaziert sie nun durch die Stadt, bis wieder offen ist.

Auch Alexander Westermann aus Steinfurth geht über den Aliceplatz, sein Ziel ist das Blumengeschäft von Matthias Erpenbeck. »Ich wollte mal gucken, was seine Werkstatt- arbeit macht. Aber er hat durch die Scheibe signalisiert, dass er nicht aufmachen darf.« Denn Erpenbeck ist für die Kundschaft nur per Telefon erreichbar. »Ich liefere die Ware kontaktlos nach Absprache. Die Kunden legen das Geld vor die Tür in eine Schüssel oder ich schreibe eine Rechnung«, erklärt er. Das Wichtigste sei in dieser Zeit die Mitmenschlichkeit, fügt er hinzu. Im Café Müller vis-à-vis sitzt ein einziger Gast. »Draußen stehen nur drei Tische, die wir weit auseinandergestellt haben. Innen haben wir die Tische ebenfalls ausgedünnt«, schildert Inhaberin Susanne Grimmel. Für die Mitarbeiterinnen steht Desinfektionsmittel bereit.

Vor dem Ausgabefenster ihres Eiscafés in der Stresemannstraße hat Inhaberin Ute Wenske Kreide-Markierungen auf das Pflaster gemalt, damit die Kunden einen Sicherheitsabstand von zwei Metern einhalten. »Man versucht alles, und jeder versucht, die Regeln einzuhalten«, sagt sie. Dazu gehöre auch das Desinfizieren der Tische. Ins Innere des Lokals darf außer dem Personal niemand, Wenske hat zwei Blumenkübel vor die Tür gestellt. »Im Moment sind es viel weniger Gäste als sonst. Wie es weitergeht, wissen wir nicht«, sagt sie. Das Wichtigste sei aber, dass alle gesund bleiben und zusammenhalten. Ein Gast sitzt vor seinem Bier, gerade hat er noch Toilettenpapier und Nahrungsmittel eingekauft. »Ich halte Abstand und nehme es nicht auf die leichte Schulter«, betont der 62-Jährige. Eben sei er beim Friseur gewesen, damit er die kommenden Wochen nicht mehr raus muss. Er sei Rentner, fährt der Bad Nauheimer fort, und wolle die nächste Zeit zu Hause bleiben.

Bitte: Nur zu zweit an den Tisch setzen

Im Außenbereich eines Cafés, dessen Inhaber seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, sitzen einige Gäste in der Sonne. Im Inneren ist tote Hose. »Wir merken, dass weniger Kundschaft da ist«, sagt der Mann. Draußen stehen die Tische im Abstand von zwei Metern zueinander, die Mitarbeiterinnen sollen ebenfalls auf Abstand achten und sich mehrfach pro Stunde die Hände waschen: »Der Kontakt soll so kurz wie möglich sein.«

Auch im Schweizer Milchhäuschen im Kurpark ist weniger los als sonst. »Wir haben die Tische draußen und drinnen weiter auseinanderstehen und ein Schild aufgestellt, dass sich die Leute nur zu zweit oder in Familien an die Tische setzen dürfen«, erklärt Inhaber Christian Schöniger. Das Spielplätzchen, das zu seinem Lokal gehört, werde er gleich absperren: »Ich habe heute Flatterband bekommen.«

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