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In Spitzenzeiten werden von den Mitarbeitern im Briefzentrum in Langgöns über 800 000 Sendungen täglich gestempelt, codiert und sortiert.

200 Millionen Briefe

Im Briefzentrum in Langgöns sind im vergangenen Jahr 200 Millionen Sendungen bearbeitet worden. Wer nun meint, der Lockdown habe dazu geführt, dass Menschen mehr Karten und Briefe schreiben, der irrt. Das Gros macht weiterhin Werbung aus.

Wenn sich morgens die rund 1100 Zusteller in der »Postleitzahlenregion (PLZ) 35« auf den Weg zu den Empfängern machen, sind ihre Sendungen auf die jeweilige Gangfolge sortiert. Das wurde vorab im Westen von Langgöns erledigt, und das selbst zu nächtlicher Stunde. Bis zu 45 000 Briefe pro Stunde rasen dort durch Maschinen, die die Adressen auf den Umschlägen scannen und die Briefe in gelbe Kisten abwerfen - geordnet nach der jeweiligen Route des Postboten, vom Start bis zum Ziel. Die Maschinen berücksichtigen jede Straße und jede Hausnummer der 642 Zustellbezirke in der Region.

I nsgesamt 260 Menschen, davon 20 Vollzeitkräfte, arbeiten in der riesigen Halle im Gewerbegebiet Perchstätten. Der Betrieb läuft rund um die Uhr in drei Schichten.

Schichten sind strikt getrennt

Im vergangenen Jahr wurden im »Briefzentrum Gießen« in Langgöns 200 Millionen Sendungen bearbeitet: Eine enorme Summe, sie fällt allerdings um zehn Prozent geringer aus als noch 2019. Der Rückgang ist nach Auskunft von Alexander Böhm, Pressesprecher des »Gelben Riesen« für Mittelhessen, Ober- und Unterfranken, im geringeren Aufkommen der sogenannten Dialogpost begründet. Darunter versteht man Werbung aller Art, etwa Info-Post oder Wurfsendungen. Kurios, denn angesichts der Beschränkungen für den Einzelhandel aufgrund der coronabedingten Lockdowns könnten Außenstehende von einem gesteigerten Mitteilungsbedürfnis der Werbetreibenden ausgehen.

Die wachsende Beliebtheit des Einkaufs via Internet aber macht sich dennoch im Briefzentrum Langgöns bemerkbar: Der größte Zuwachs unter allen Briefsendungen waren im Vorjahr Warensendungen und Maxibriefe, sogenannte warentragende Sendungen. Kurzer Blick in die Statistik: Als stärksten Zustelltag für Briefsendungen verzeichnete man 2020 in Langgöns den 24. September - laut Böhm wegen der Dialogpost -, und dann natürlich auch die Tage kurz vor dem Weihnachtsfest.

Im Schnitt durchlaufen täglich bis zu 700 00 Postsendungen das Zentrum. »In Spitzenzeiten werden über 800 000 Briefe täglich gestempelt, codiert und sortiert«, bilanziert Peter Marcy, Abteilungsleiter Stationäre Bearbeitung der Postniederlassung Gießen, und erläutert: »Abends sortieren wir die Post aus den Briefkästen, Postfilialen oder Großeinlieferern für die anderen 82 Briefzentren in Deutschland und zwei internationalen Briefzentren. Tagsüber und in der Nacht bearbeiten wir die Sendungen für die Zusteller aus unserem Bereich, also alle Sendungen, die mit der Postleitzahl 35 beginnen.«

Für die Mitarbeiter im Briefzentrum in Langgöns brachte die Corona-Krise so manche Herausforderung mit sich. Arbeitsabläufe waren einem Hygienekonzept anzugleichen. So wurden Arbeitsplätze abgetrennt, der Abstand auf 1,5 Meter erweitert und Pausenregelungen angepasst. Außerdem wurden die Schichten strikt voneinander getrennt.

Aufpassen bei flüssigen Proben

Übrigens: Besonders sensibel müssen Briefe mit flüssigen Produktproben behandelt werden (etwa Creme, Parfüm oder Badeöl). Verschickt ein Unternehmen solche Post zu Werbezwecken in großen Mengen, dann werden die Mitarbeiter im Briefzentrum vorgewarnt. Denn zerquetschte und aus- gelaufene Produktproben würden die Sortiermaschinen verschmutzen und eine aufwändige Reinigung erfordern. Wenn diese Sendungen durch die Maschinensortierung beschädigt werden können, werden sie in der Resthandsortierung bearbeitet.

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