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Am 20. Januar ist ein 18-Jähriger vor der Laisbachschule in Ranstadt erstochen worden. Heute beginnt der Prozess. ARCHIVFOTO: SAX

Ranstadt

Tödlicher Messerstich vor Wetterauer Schule: 16-Jähriger wegen Mordes angeklagt

  • VonOliver Potengowski
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Die Tat hatte für Entsetzen und Hilflosigkeit gesorgt: Nach einem Streit zwischen Jugendlichen war am 20. Januar in Ranstadt ein Schüler der Gesamtschule Konradsdorf erstochen worden. Heute beginnt der Prozess vor dem Landgericht Gießen. Die Anklage geht von Mord aus.

Randstadt – Am 20. Januar war vor der Laisbachschule in Ranstadt ein 18-Jähriger erstochen worden. Ab heute wird am Landgericht Gießen gegen den 16-jährigen mutmaßlichen Täter und einen heute 18-Jährigen, der verdächtigt wird, an der Tat beteiligt gewesen zu sein, verhandelt. Da die Angeklagten im Januar noch minderjährig waren, findet der Prozess vor einer Jugendstrafkammer unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Weil er den 18-Jährigen getötet haben soll, ist der 16-Jährige wegen Mordes in Tateinheit mit räuberischem Diebstahl mit Todesfolge angeklagt. Hinter diesen Straftatbeständen verbirgt sich der Vorwurf der Staatsanwaltschaft, dass der 16-Jährige zusammen mit seinem damals 17 Jahre alten Komplizen sich mit dem Opfer unter dem Vorwand, von ihm Drogen kaufen zu wollen, an der Laisbachschule verabredet habe. 100 Gramm Mariuhana habe man dem 18-Jährigen für 800 Euro angeblich abkaufen wollen, beschreibt die Anklage nach dem Sprecher des Landgerichts, Richter Dr. Alexander Schmidt-Kästner, wie es zu dem abendlichen Treffen vor der Grundschule kam.

18-Jähriger erstochen in der Wetterau: Drogenkauf in Ranstadt vorgetäuscht?

Doch offenbar hätten die Angeklagten nicht vorgehabt, für die Drogen zu bezahlen. Der 16-Jährige habe sich das Mariuhana mit Gewalt genommen, und der anschließende Streit sei eskaliert. Schließlich habe der 16-Jährige den Drogenverkäufer erstochen.

Neben dieser Tat, die in der Region viel Aufsehen erregte, wird dem 16-Jährigen noch eine weitere Tat vorgeworfen, bei der er seinem Opfer Wertgegenstände und Bargeld abgenommen haben soll. Dabei blieb es allerdings unverletzt.

Seinem heute 18-jährigen mutmaßlichen Komplizen werden vier weitere vergleichbare Taten angelastet. Bei der letzten soll er nur vier Tage bevor der 18-Jährige getötet wurde sein Opfer ebenfalls mit einem vorgetäuschten Drogenkauf zum Tatort gelockt haben. Fünf Gramm Mariuhana habe der 18-Jährige, der angebe, selbst Cannabis zu konsumieren, damals erbeutet, berichtet Schmidt-Kästner.

Fünf Verhandlungstage seien bisher für das Verfahren gegen die beiden vorgesehen. Der Jüngere sitzt seit dem 21. Januar in Untersuchungshaft.

Nach mutmaßlichem Mord in Ranstadt: Schule setzt auf Hilfesangebote

An der Gesamtschule Konradsdorf, die alle drei Beteiligten vor der Tat besucht hatten, zeigten sich Mitschüler und Lehrer danach sehr bestürzt. Schulleiterin Birgit Bingel berichtet, es gebe einen engen Kontakt sowohl mit der Stadt Ortenberg, zu der Konradsdorf gehört, wie auch zu Ranstadt, wo die Tat geschah. Themen seien dabei: Schulsozialarbeit und wie man Gewalt unter Kindern und Jugendlichen vorbeugen könne. Auch für die Schüler habe es schon vor der Tat Gesprächsangebote gegeben. »Wir versuchen, uns diesen Fragen zu stellen«, erklärt Bingel. »Wir hoffen, dass die Hilfsangebote angenommen werden.«

Als eine Reaktion auf die Tat möchte Ortenberg Kinder und Jugendliche stärker an kommunalpolitischen Prozessen beteiligen. Verschiedene ähnliche Versuche waren in den letzten Jahren erfolglos geblieben. Ausdrücklich stellte Henrike Strauch (SPD) in der Begründung eines entsprechenden Antrags, der am Dienstag einstimmig beschlossen wurde, den Bezug zur Tötung des Jugendlichen in Ranstadt her. Dabei betonte sie aber auch, dass man Kindern und Jugendlichen keine Beteiligungsmodelle vorgeben wolle, sondern erst mit ihnen gemeinsam erörtern wolle, welche Form der Beteiligung an Kommunalpolitik sie sinnvoll finden.

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