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Die Grauwölfin streift seit Monaten überwiegend im Bereich von Ulrichstein, Feldatal und Lautertal umher. Ab Mitte Januar würde sie offiziell als "sesshaft" gelten. FOTO: PM

Wolf

Wird die Ulrichsteiner Wölfin schon bald sesshaft?

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Gespannt blicken Wolfsforscher auf den 12. Januar. Sollte die Ulrichsteiner Wölfin dann noch in der Region sein, wäre der Vogelsberg somit Wolfsterritorium - nach langen Jahren das erste in Hessen.

Im Januar könnte erstmals nach Jahren wieder ein Wolf in Hessen heimisch werden. Für die Gründung eines sogenannten Wolfsterritoriums kommen aktuell zwei weibliche Tiere in Frage, darunter das aus Ulrichstein. Laut Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) gilt ein Wolf als "sesshaft", wenn er über ein halbes Jahr lang mehrmals in einer Region sicher nachgewiesen wird.

Als Nachweise zählen der gefundene Kot der Raubtiere oder DNA-Spuren an gerissener Beute. Bei der Vogelsberger Wölfin ist der 12. Januar der Stichtag. Sie wurde erstmals am 12. Juli offiziell anhand von Kotproben nachgewiesen.

Zwischen 27. Oktober und 2. November wurden sowohl im Vogelsberg als auch in den Landkreisen Hersfeld-Rotenburg, im Schwalm-Eder-Kreis und im Werra-Meißner-Kreis mehrere Tiere, vorwiegend Nutztiere, aber auch Wildtiere, zur Beute.

Dem Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie liegen aktuell die Ergebnisse der Genproben vor. "In allen fünf Fällen gelang die Individualisierung - es handelt sich um die beiden Wölfinnen, die das HLNUG bereits mehrfach dokumentiert hat."

Die Wölfin mit dem Laborkürzel "GW1166f" war bei einem Rehriss am 27. Oktober bei Ulrichstein-Unter-Seibertenrod erneut bestätigt worden. Nur zwei Tage später, am 29. Oktober, hinterließ dasselbe Tier beim Riss eines Anguskalbs seinen genetischen Fingerabdruck.

Bei sogenannten Rissvorfällen an Wild- und Nutztieren nehmen ehrenamtliche Helfer des HLNUG an den Tierkadavern Genproben, die Aufschluss darüber geben sollen, ob ein Wolf das Tier getötet hat. Allerdings ist nicht jede Probe brauchbar, und es lässt sich auch nicht immer auf ein bestimmtes Individuum schließen.

Wenn dasselbe Individuum über einen Zeitraum von sechs Monaten in einer Region genetisch nachgewiesen wird, ist laut der Fachleute davon auszugehen, dass es dort sesshaft geworden ist. Wenn das Elternrudel eines in Hessen nachgewiesenen individualisierten Wolfs bereits genetisch bekannt ist, kann der abgewanderte Jungwolf seinem bekannten Ursprungsterritorium zugewiesen werden.

Einen Wolf mit eigenem Territorium gab es in Hessen zuletzt 2008 im nordhessischen Reinhardswald, 2011 wurde er tot gefunden. Nach der Gründung des Territoriums wäre die nächste Stufe die Gründung eines Rudels. Dazu müsste sich für die Ulrichsteiner Wölfin aber erst ein Paarungspartner finden und Welpen zur Welt kommen. Eine solche Entwicklung sieht Wolfsbeauftragte Susanne Jokisch derzeit noch "in ungewisser Ferne." Auf wenig Begeisterung stößt das mögliche Territorium bei den Landwirten und Tierzüchtern in der Region.

Nebenerwerbsschäfer haben bereits angekündigt, dass sie ihre Tiere aufgeben wollen, wenn die Wölfin ansässig wird. Landwirte gehen davon aus, dass sie ihre Tiere künftig nicht mehr auf die Weide bringen können.

Mario Döweling, zuständiger Pächter des Reviers, wo die Wölfin immer wieder gesichtet wird, sagt, es sei unmöglich, große Teile des Vogelsberges zum Schutz der Weidetiere mit hohen stationären Zäunen zu versehen. "Wo bleibt die Bewegungsmöglichkeit für Rehe, Hirsche, Wildschweine und andere Tiere?"

Quelle: Gießener Allgemeine

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