Windkraft

Viele ältere Windräder im Kreis könnten fallen

  • Joachim Legatis
    vonJoachim Legatis
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Vier große statt 18 kleiner Windenergieanlagen. Das ist der Plan des Stromerzeugers HessenEnergie für einen Teil des mit Rotoren zugebauten Höhenrückens bei Helpershain.

Es ist schon ein beachtliches Panorama, das sich dem Autofahrer bietet, wenn er ins Tal nach Helpershain hinabfährt. Auf dem Kamm oberhalb des kleinen Ortsteils von Ulrichstein stehen über 40 Windräder und liefern Strom. Diese große Windfarm neben dem kleinen Örtchen stößt auf einige Kritik. Doch bald müssen sich Bewohner und Besucher umstellen, wenn 18 Anlagen abgebaut und fünf größere neue Rotoren aufgestellt werden. Der entsprechende Vertrag zwischen dem Betreiber Hessenenergie und der Stadt steht heute in der Stadtverordnetenversammlung zur Debatte.

Dabei geht es für Ulrichstein nur um vier neue Anlagen, die fünfte ist in der Nachbargemarkung von Lautertal vorgesehen. Vertraglich festgelegt werden Anlagen mit einer Gesamtbauhöhe bis 241 Metern. Das bedeutet auch eine deutlich höhere Leistung als durch die alten Anlagen mit Nabenhöhen von etwa 140 Metern. Die Vertragsdauer würde bei 25 Jahren liegen, wie die Unterlagen der Stadt ausweisen.

Der neue Vertrag mit der Hessenenergie beinhaltet auch eine Bürgerbeteiligung. Dadurch sollen Anwohner der umliegenden Ortschaften an den Gewinnen aus der Stromerzeugung teilhaben können. Das ist eine immer wieder erhobene Forderung der Kommunen, um den Bürgerinnen und Bürgegern entgegenzukommen, die vielfach Klage darüber geführt haben, dass Sie außer dem Anblick nichts von den Anlagen haben.

Vor Ort müssen die Menschen mit den riesigen Masten und dem permanenten Wupp-Wupp der Rotoren leben, die Gewinne werden in der Regel woanders verbucht. Deshalb hat die Stadt Kirtorf eine Bürgerbeteiligung ebenso eingefordert wie die Gemeinde Feldatal bei Bauplanungen in ihren Gemarkungen. Das Repowern von älteren Windkraftanlagen ist zur Zeit kein Thema für die Genehmigungsbehörde beim Regierungspräsidium Gießen, wie die Pressestelle auf Anfrage der Alsfelder Allgemeinen Zeitung mitteilt. Ein Repowering von Windparks komme immer dann in Betracht, wenn Windenergieanlagen aus technischen Gründen dem Ende ihrer Lebensdauer entgegen gehen. Dies ist in der Regel nach rund 25 bis 30 Betriebsjahren der Fall, heißt es weiter.

Von den rund 60 Anlagen, die zum Beispiel die OVAG im Kreis betreibt, wird wohl nur eine kleine Zahl repowerbar sein, hieß es aus dem Unternehmen. Viele der Anlagen werden künftig nicht mehr wirtschaftlich sein, wenn die Vergütung nach 20 Jahren des Betriebs wegfällt und man sich auf dem Markt behaupten muss.

Größter Windpark Hessens

Da die ersten Anlagen in Mittelhessen in den 1990er Jahren errichtet und in Betrieb genommen wurden, werde sich aber bei etlichen Windparks in den nächsten Jahren die Frage nach Möglichkeiten für das Repowering stellen. »Aktuell liegen uns noch keine Anträge nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) für Vorhaben zum Repowering vor, auch nicht für Ulrichstein-Helpershain«, heißt es aus Gießen.

Im Bereich Ulrichstein bietet sich in den nächsten Jahren Gelegenheit, kleinere Anlagen durch wenigere und moderne Windrotoren auszutauschen. Das liegt schon an der Massierung der Anlagen im Bereich der Stadt. So weist eine Auflistung bei Wikipedia allein im Bereich des Windparks »Goldener Steinrück« 44 Anlagen aus. Die Windenergieanlagen stehen auf Grundstücken in den Gemarkungen Helpershain, Dirlammen, Engelrod und Meiches.

Damit ist dort der größte und leistungsfähigste Windpark Hessens mit einer Gesamtleistung von 51,9 Megawatt in Betrieb. Sechs verschiedene Gesellschaften sind als Eigentümer aufgelistet, darunter die Stadtwerke Ulrichstein. Doch damit nicht genug: Vier weitere Windparks sind in der Großgemeinde verteilt. So drehen sich sechs Anlagen am Ulrichsteiner Kreuz in Richtung Hoherodskopf, vier bilden den Windpark Rebgeshain und sieben wurden 2012 im Bereich »Auf der Platte« zwischen Stumpertenrod und Ulrichstein anstelle mehrerer Altanlagen aufgestellt. Mehr Anlagen mit insgesamt zwölf Stück sind für den Windpark »Alte Höhe« bei Wohnfeld gelistet.

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