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Zwischen Atzenhain, Merlau und Nieder-Ohmen stehen sechs kleinere und zwei größere Windenergieanlagen, nun sollen bis zu sieben weitere dazukommen.

Windkraft

Ortsbeirat Nieder-Ohmen will größeren Abstand bei Windkraftanlagen

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Der Ortsbeirat Nieder-Ohmen diskutiert kontrovers über weitere Windkraftanlagen. Das Ziel ist jetzt mehr finanzielle Kompensation für den Ort und größere Abstände zum Flugplatz.

"Die im Taunus nutzen jede Möglichkeit gegen die Anlagen und wir Idioten tun nichts". So fasste ein Besucher der jüngsten Ortsbeiratssitzung seine Position gegen weitere Windenergieanlagen bei Nieder-Ohmen im Bereich Kratzberg zusammen. Ihm pflichteten mehrere Besucher der Sitzung im alten Rathaus bei. Sie fürchten eine deutliche Verschlechterung der Lebensqualität durch Schlagschatten und das "Wupp-Wupp" der riesigen Rotoren. Am Ende gab das Gremium mit einer knappen Mehrheit von 5:4 Stimmen die Empfehlung, dass die Gemeinde bei anstehenen Verhandlungen mit den Planern der Anlagen 3000 Euro an Spende pro Jahr und Anlage für den Ort herausholen soll. Ähnlich hat vor kurzem bereits der Ortsbeirat Atzenhain (einstimmig) entschieden.

Zudem sollen die Auswirkungen durch Schlagschatten genau geprüft werden. Die neuen Anlagen sollten darüber hinaus 500 Meter Abstand zum Modellflugplatz und 1200 Meter zum Ort einhalten. In der eineinhalbstündigen Diskussion gab es den Vorschlag, die Anlagen durch die Energiegenossenschaft Vogelsberg betreiben zu lassen, damit Anwohner wenigstens an den Gewinnen teilhaben könnten.

Es war eine Diskussion zwischen Ortsbeiratsmitgliedern, Gemeindevertretern und Ortsbewohnern, in der viele Teilbereiche eingehend besprochen wurden. Dabei schälte sich heraus, dass Sympathie für die Ziele der Energiewende in Hessen bestehen, aber man sieht sich als "Bauernopfer", weil sich die Menschen in Südhessen vehement gegen Anlagen in ihrer Umgebung wehren.

Kritik an Gutachtern

Eine Besucherin: "Die kleinen Windanlagen haben mich nie gestört, aber jetzt steht da so ein Monster und die neuen Anlagen werden sogar noch höher". Damit sprach sie an, dass der alte Windpark Atzenhain sechs niedrige Anlagen der alten Generation umfasst. Zwei moderne Anlagen wurden vor kurzer Zeit aufgestellt, sie sind deutlich höher. Eine Besucherin beklagte, dass offenbar wenig Rücksicht auf die Umwelt genommen wird. Direkt neben einer der geplanten neuen Anlagen gebe es einen Rotmilanhorst, was eigentlich ein K.O.-Kriterium sein sollte. Aber der Gutachter "werde von den Windparkplanern bezahlt und das Ergebnis fällt entsprechend aus," so ihre Mutmaßung.

Ortsvorsteher Jörg Matthias fasste zusammen, dass es ein genehmigtes Vorranggebiet für Windkraft auf dem Kratzberg gibt. Die Firma juwi plane drei Großrotoren, eine weitere Firma (Energiequelle) will eine Anlage aufstellen und im Landeswald könnten drei weitere errichtet werden.

Jutta Schütt-Frank vom Gemeindevorstand warb dafür, in den Verhandlungen mit den Planern einen größeren Abstand zum Flugplatz des Luftsportvereins zu erreichen. Bislang seinen 300 Meter geplant, was für Start und Landungen der Flugzeuge ein Problem sein könne. "Besser wäre ein Abstand von 500 Metern".

Eingehend diskutiert wurde der Schlagschatten, der in Wintermonaten bei niedrig stehender Sonne eine echte Beeinträchtigung der Anwohner sein kann. So verwies ein Besucher darauf, dass die bestehenden Anlagen bereits in den Häusern am Schellersberg zu spüren sind.

Die neuen Anlagen vergrößerten die Belastungen, das werde dramatisch, fürchtet eine Bewohnerin. Die sich drehenden Schatten der riesigen Rotoren dürften bis 30 Minuten auf einem Haus lasten, dabei werden mehrere Anlagen zusammengezählt. Das findet ein Ortsbeiratsmitglied zu viel, es entspricht aber dem Gesetz, wie in der Diskussion mehrfach gesagt wurde.

Ein anderer Besucher kritisierte die Laufgeräusche, die zum Lärm der nahen Autobahn kommen Das Rotorengeräusch sei wegen des permanenten "Wupp-Wupp" besonders unangenehm. Eine Besucherin forderte, der Ortsbeirat solle sich gegen die neuen Anlagen aussprechen, "als Signal".

Die Gemeinde will mit den Planern über die Nutzung der Wege bei den Bauarbeiten und die Ausgleichsmaßnahmen verhandeln, wie Matthias sagte. "Wir sollten das Beste für den Ort herausholen", fügte ein Ortsbeiratsmitglied an. Wenn man die Anlagen schon nicht verhindern könne, solle wenigstens eine Beteiligungsmöglichkeit für Bürger ausgehandelt werden. Das hatte die Planungsfirma juwi bei einer Info-Veranstaltung zugesagt. Mit Blick auf das Risiko einer Beteiligung votierte ein Ortsbeiratsmitglied für den Einstieg der Energiegenossenschaft Vogelsberg. Dadurch sei das Risiko gering und verlässliche Gewinnanteile würden ausgezahlt.

Kurz angesprochen wurde der Einfluss auf Hessen-Forst mit Blick auf die drei dort möglichen Anlagen. "Vom Land ist nichts zu erwarten", die Gemeinde gehe da leer aus, erläuterte ein Ortsbeiratsmitglied.

Quelle: Gießener Allgemeine

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