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Vom Alltag der DDR bis Frauenleben in Afghanistan

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Homberg (kli). Zu einem »Bücherverführabend« hatte am Donnerstagabend die Homberger Buchhandlung ins Hotel Frankfurter Hof eingeladen, um die interessantesten Neuerscheinungen des Jahres vorzustellen.

Homberg (kli). Zu einem »Bücherverführabend« hatte am Donnerstagabend die Homberger Buchhandlung ins Hotel Frankfurter Hof eingeladen, um die interessantesten Neuerscheinungen des Jahres vorzustellen. Neun Vorsteller und Vorleser hatten ihre Lieblingsbücher gelesen und bewertet. Für Lesebegeisterte aller Alterstufen war geeignetes dabei. Bei den meisten hätte man gerne noch weiter zugehört, es waren nicht immer die mit den markanten Titeln oder Autoren. Die Seitenzahlen der Bücher reichten von 50 bis 1000.

Den Anfang machte der Homberger Dr. Ekkehart Mittelberg, der aus seinen »Neuen Aphorismen« Kostproben vorlas. Er hätte das Buch auch »Neue Sprüche« oder »Neue Zitate« nennen können. Aphorismus sei ein anspruchsvoller und nicht immer richtig verstandener Begriff. Es handele sich um eine nach wie vor widersprüchliche Textform. Die Prägnanz einer philosophischen Aussage und die auf das wesentliche zugespitzte Kürze (Lakonik) seien wichtige Merkmale. Sie könnten aus einem oder mehreren Sätzen bestehen. Ihre Geschichte beginne mit Hippokrates (460-370 v. Chr.

), der medizinische Sentenzen formulierte, zum Beispiel »Wenn wir jedem Individuum das richtige Maß an Nahrung und Bewegung zukommen lassen könnten, hätten wir den sichersten Weg zur Gesundheit gefunden«. Dieser knappen Aussage fehle aber das »Körnchen Salz«.

Dr. Mittelberg unternahm mit den Zuhörern einen Streifzug durch die Geschichte. Bemerkenswert eine sarkastische Form von Arthur Schopenhauer (1788-1860): »Heiraten heißt, mit verbundenen Augen in einen Sack greifen und hoffen, dass man einen Aal aus einem Haufen Schlangen herausfinde«. Dr. Mittelberg zitierte Bertolt Brecht mit »Der Bankraub ist eine Initiative von Dilettanten, wahre Profis gründen eine Bank« und versuchte versuchte diese Frivolität noch zu übertrumpfen mit »Wahre Profis warten nicht auf Zinsen. Sie produzieren Falschgeld.«

Ulrike Weitzel gab Kostproben aus mehreren Büchern, besonders gefiel »Der Turm« von Uwe Tellkamp. Für dieses Buch erhielt er den Deutschen Buchpreis 2008. Der Roman führte die Zuhörer in Leben und Alltag im Dresden der letzten DDR-Jahre. Ulrike Weitzel stellte die Bewohner eines Villenviertels, das nach einer der Hauptstraßen Turmviertel genannt wurde, vor. Vieles kam den Zuhörern bekannt vor, so bei Gesprächen im Bekanntenkreis der Hauptfigur, wo die westdeutsche Ostpolitik als »Wandel durch Anbiederung« verspottet wurde. Diese politischen Witze und respektlosen Anekdoten verstummten, so bald sich ein linientreuer Arbeitskollege näherte. Bei den Schilderungen gab es auch viel zu Schmunzeln, so beim Bestimmen der Himmelsrichtungen: »Man lege eine Banane auf die Mauer, da, wo sie abgebissen ist, ist Osten.«

Sylke Bösking-Rieß stellte »Stimmen aus Glas« von Francesca Marciano vor. Diese schildert den Weg zweier europäischer Reporterinnen, die einem Auftrag nachkamen, ins vom Krieg gebeutelte Afghanistan zureisen und Frauen zu interviewen, die sich vor oder nach einer Zwangsheirat mit viel älteren Männern umbringen wollten.

Erzählt wird von zwei verschieden veranlagten und lebenden Reporterinnen, die in ein Bergdorf gelangen und dort immer wieder an ihre Grenzen stoßen, zudem geht es um die Konfrontation von abendländischen Vorstellungen und Überzeugungen und das tatsächliche Leben von Frauen in Afghanistan. Einfühlsam wurde über das Verstehen einer fremden Kultur und unsere Schwierigkeiten, sie zu verstehen berichtet, so Sylke Bösking-Rieß. Am Bücherverführabend stellten weitere Leser ihre Lieblingsbücher vor, es waren waren Florian Lang, Nils Wagner, Christian Strack, Christel Weber, Ute Meißner und Susanne Schick.

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